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Die örtlichen Gemeinschaften > Heimat- und Mundartdichtung

Stand: 12.12.2008


























Hans Herter, genannt „Mickedormel“


Text:
Volker Teutschländer





Hans Herter, genannt Mickedormel

nach der Zeichnung von Starkow aus dem Büchlein „Sache zum Lache“, 1949, Wittich-Verlag, Darmstadt



Und was ein „Mickedormel“ ist?

So schwächlich jedenfalls war der Hans Herter nicht! Ein Dormel ist einer der dormelt, also taumelt. Eine Mick ist eine Stubenfliege, Eintagesfliege, eine Mücke eben. Und wer taumelt wie eine Mücke im Spätherbst





Hans Herter, genannt Mickedormel war wohl ein Darmstädter Original, kein Mühltaler, gebürtig in Bad Kreuznach, aber nach der Zerstörung seiner Heimatstadt durch amerikanische und britische Bomben 1944 nach Nieder-Ramstadt verschlagen worden.

Er wohnte mit seiner Familie bis Ende der fünfziger Jahr in der Schloßgartenstraße in Nieder-Ramstadt und betrieb in der Bahnhofstraße ein Haushaltswaren-Lädchen. Vielen sind seine Mundartgedichte bekannt, die donnerstags im Darmstädter Echo auf der lokalen Seite erschienen sind.

Hans Herter war ein guter Beobachter. Deshalb verfehlte das Leben „auf dem Land“ freilich seine Wirkung nicht auf die Themen seiner spitzfindigen, tiefschürfenden, immer witzigen und nie verletzenden Verse.

Eines seiner Themen soll hier wiedergegeben werden – nach „Zeitzeugen“ eine wahre Begebenheit. Sie zeigt, daß Herters Jahre „auf dem Land“ nicht ausgereicht haben, eine der Feinheiten des Landlebens zu erkennen: Er hat das Faseltier zum -ochsen gemacht, der ganz gewiß für die Dienste ungeeignet gewesen wäre, für die es Anspruch auf Alimentierung durch die Kommune hatte.


Die Sach mit dem Ochs“

Von Hans Herter, genannt Mickedormel



En Faselochs vun 'rer Gemao,
hott viel zu dhu un frißt drum aa
en scheene Haufe Kram bestimmt
damit er net vun Kräften kimmt.

Es dhut mer laad, wer kann defir,
ich hab kaa Fudder fer des Dier.
Geh haam drum in dein Faselstall
un sog dem Ochs, des Zaigk wer all.“


De Heiner nickt un macht sich dinn.
Doch manches fährt em dorch de Sinn
un pletzlich hott er e Idee:
Er holt sein Ochs un bind en schee
mit so me Saalche, fest un nei,
glatt an die Borjemaasderei.

Nun wor die Zeid, wo nix wor frei,
wo forchtbor wor die Fresserei,
wo's Viehzaigk un die Mensche aach
sinn derrer worrn vun Dag zu Dag.


Do kam de Faselwart emol
zum Borjemasder hie, jawohl,
un seggt, er braicht fers Ochsevieh
rasch Fudder, denn sunst wär des hie.

Un ruft de Leit noch zu beim Geh'n:
„Wann ich kaa Fresse krigg fer den
do soll de Borjemasder doch
selwer fittern mol die Woch.“



De Borjemasder awwer hott

sei Platt gekratzd und voller Spodd,
gemaant: „Mein liewer Heiner du,
loß mich mit deinem Ochs in Ruh.

Un de Erfolg wor dodevo,
daß Bltz un Schloog wor Fudder do!
Un heit noch dhut der Ochs allaa
sei Diensde dreu fer sei Gemaa.