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Die
örtlichen Gemeinschaften > Sagen und Legenden
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Stand:
11.06.2010
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Bell-Ramscht
und Bell-Rämschter
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Text: Volker
Teutschländer

Jean
Heppenheimers Mundartgedicht zum gleichen Thema:

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Was
heißt überhaupt „bell“?
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Bell-Ramscht
ist der Spitzname oder das Schimpfwort der Nachbarn für
Nieder-Ramstadt – so wie das unter Nachbarn üblich
ist: Was sich liebt, das neckt sich. Was aber bedeutet „Bell“
den Nachbarn und den Betroffenen?
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Erste These:
Odenwälderisch „Bellen“ = Betteln
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„Bellen“
steht in hiesiger Odenwälder Mundart nicht wie im
Hochdeutschen für die natürlichen Lebensäußerungen
eines Hundes: Der bellt nicht, der „gauzt“. Bellen
tut dagegen ein armer Mensch, der bettelt.
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Daß
„Bell-“ im Spitznamen der Rämschter (=
Nieder-Ramstädter) von jenem Mundart-Ausdruck komme,
bestätigen scheinbar eingeweihte und mißgüngstige
Nachbarn, die den vollständigen Unnamen der Rämschter
noch kennen:
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„Kuchebeller“,
„Rämschter Kuchebeller“,
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also
„Kuchen-Bettler“. Auf Volksfesten und an Feiertagen
habe man Rämschter in den Ortschaften der Umgebung von Haus
zu Haus gehen sehen, um Kuchen (und nicht nur den) zu erbetteln.
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Zweite These: Bim
– bam, Bell - Ramscht
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In
Nieder-Ramstadt, Traisa und Waschenbach hat es mitte des
vergangenen Jahrhunderts nur eine Kirche gegeben, die gemeinsame
evangelische „Dorfkirche“ in Nieder-Ramstadt. Deren
Glocken läuten angeblich statt „bim – bam“
„Bell – Ramscht“ , behaupten jedenfalls die
Spötter aus den Nachbardörfern, vor allem aus
denjenigen, die selbst zum Kirchspiel gehören oder gehörten.
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Und
daß es die Glocken vom Kirchturm riefen, sei ja schon
Beweis für These 1 genug, wie armselig es in Nieder-Ramstadt
zugehe und welch arme Tröpfe „die Rämschter im
Allgemeinen seien.
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Die Antithesen:
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Daß
das alles hinterhältig und aus purem Neid erstunken und
erlogen sei, halten die Rämschter aus Überzeugung
dagegen. Und dafür gibt es gleich zwei Versionen:
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Das Müller- und
Bäckergewerbe, dazu der Weinbau hatte über Jahrhunderte
Reichtum und Wohlstand den Menschen an der Modau gebracht. Und
deshalb sei's gerade umgekehrt gewesen: Die Dörfler aus der
Umgebung seien nach Ramscht zum „Bellen“ gekommen,
und Nieder-Ramstadt habe geradezu einen guten Namen erworben als
Ziel, hier erfolgversprechend Kuchen (u.a.) zu betteln.
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Und
deshalb auch der Glockenklang, der ins gelobte reiche Mühlendorf
lockte.
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Und die schönste
Variante: In den siebziger Jahren des vorvergangenen Jahrhunderts
wurde die Eisenbahn von Darmstadt über Erbach nach Eberbach
am Neckar gebaut. Auf der Strecke durch die Traisaer und
Nieder-Ramstädter Gemarkung sind (damals schon) italienische
Gastarbeiter beschäftigt worden.
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Und
jene Italiener seien es gewesen, die sich so begeistert über
Nieder-Ramstadt und seine Rämschter geäußert
hätten. Ihnen, den Italienern, sei hier einfach alles
„bella, bella“ vorgekommen. Und dieses italienische
„Bella-Ramscht“ habe den mißgünstigen
Nachbarn so schrill im Ohr geklungen, daß sie es in jenes
verwerfliche „Bell-Ramscht“ umgedeutet hätten.
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Der
Heimatkenner und -dichter Jean Heppenheimer „klärt"
die mißgünstigen Nachbarn in Mundart-Reimen auf, daß
sie mit „Bell-Ramscht“ geschichtsbewußte
Rämschter gar nicht kränken, sondern vielmehr nur
auszeichnen könnten!
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Das
Gedicht ist in dem Büchlein „Nieder-Ramstadt“
zur 750-Jahr-Feier im Jahr 1950 veröffentlicht worden und
auch auf dieser Seite zu lesen (s. Verweis in der rechten Spalte.
Sollte seine Geschichte nicht wahr sein, so ist sie doch
schön erfunden. Denn:
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Bell-Ramscht ist
älter als die Odenwaldbahn.
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