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Örtliche Gemeinschaften > Sagen 

Stand: 18. Feb 2012

 

 

 


 

Sagenhaftes in Wald und Flur

Die Deutung von Bezeichnungen in Wald und Flur

Die Deutung von Gewann- und Flurnamen ist wie ein Ausflug in die Geschichte. Nicht jedes Namens Ursprung ist urkundlich belegt, viele entstanden gar im Reich der Mythen, andere verdanken ihr Entstehen Begebenheiten, die unter Umständen im Laufe der Zeit geschönt oder mit Hinzufügungen verbrämt worden sind. Nachstehend eine Auswahl:

Die Eiserne Hand:

E
in beliebter Spaziergang: Zum Forsthaus Eisernhand beim Dippelshof - hart jenseits der Traisaer Gemarkungsgrenze. Das Haus wird 1800 als Holzmacherhütte erwähnt, 1828 als Gastwirtschaft – die ist es schon lange nicht mehr. Der Name scheint auf den berühmten Ritter mit der Eisernen Hand zu deuten – ein Bezug ist (noch?) nicht bekannt.

Der Diebsbrunnen:

Wer vom Forsthaus Eisernhand auf der Wandermarkierung V eine kurze Rundwanderung unternimmt, kommt in Sichtweite des Ludwigstempels am Diebsbrunnen vorbei. Am felsigen Ensemble auf Gußeisen in Fraktur: „Diebsbrunnen - Oberförsterei Nieder-Ramstadt - Forst Jugenheim“. Das sagt nichts über den merkwürdigen Namen aus.

Es geht die Sage, für die vornehme Jagdgesellschaft des Landesfürsten, die immer öfter nicht nur die Felder der Bauern zertrampelte, sondern auch den Wald leerschoß, habe man für deren anschließende Rast edlen Wein zum Kühlen in den Brunnen gelegt. Ein respektloser Dieb (oder war‘s ein früher Revolutionär?) bemächtigte sich indes der guten Tropfen, und die erschöpften Waidmänner mußten ihren Durst mit Brunnenwasser löschen.

Eine Variante der Sage spricht von einem Diener seines jagenden Herrn, der sich an den im kühlen Naß gelagerten Flaschen je zur Hälfte gütlich tat und zur Verschleierung seiner Schandtat dann mit Brunnenwasser wieder auffüllte.

Paul Trinkglas:

Nahe der heutigen Brücke über die Odenwaldbahn stoßen die Gemarkungen von Nieder-Ramstadt, Traisa, Ober-Ramstadt und Bessungen zusammen. Etwa 200 m westlich dieses „Viermärkers“ (korrekt wohl ein doppelter Dreimärkers) steht ein „Tempel“ (Wanderer-Schutzhütte), dessen Name auf „Des Paulen Trinkglas“ weist. An dieser markanten Stelle endeten oder rasteten schon in früheren Zeiten feuchtfröhliche Grenzgänge zur Überprüfung des Grenzsteine und damit der Grenzverläufe zwischen den damaligen Gemeinden.

Nahe der Stelle, an der heute der Tempel steht, soll ehemals eine stattliche Buche gestanden haben. Der alte Paul (wohl einer der Funktionäre, die man auch bei einem Grenzgang braucht) hat gewöhnlich nach seiner Ansprache sein Trinkglas (auch solches braucht man häufig bei Grenzgängen!) über die Schulter geworfen, daß es an dem Stamm der Buche zerschellte. Der Landesherr persönlich (war er selbst unter den Grenzgängern?) soll folglich als Name des Baumes „Des Paulen Trinkglas“ verfügt haben.

Nach einer ganz anderen Geschichte soll Paul ein trinkfester Jäger aus der fürstlichen Jagdgesellschaft gewesen sein. Als die Buche gefällt wurde, fand sich im Innern des Stammes schwarz eingebrannt die deutliche Abbildung eines Trinkglases in Form eines Weinkelches.


Die Loreybuche:

Benannt nach einem Forstmann ist der Platz, der noch heute in den meisten Wanderkarten verzeichnet, aber schon 1944 zu Brennholz verarbeitet worden ist. Um den mächtigen Stamm waren rundum Ruhebänke angeordnet, unter der weiten Krone feierten Darmstädter und Bessunger Vereine ihre Waldfeste. Standort: Im Winkel zwischen der Odenwaldbahn und dem Klipsteinseichenweg nahe der Eisenbahnbrücke.

Der alte Hans:

Der Nieder-Ramstädter Fußpfad ist ein früherer „Milchpfad“, auf dem Nieder-Ramstädter Bauern ihre frische Milch nach Bessungen und auf den Darmstädter Markt brachten. Eine hohle Eiche zwischen Weinweg und den Vier Buchen soll jahrelang einem alten Mann als Nachtquartier gedient haben.

Zwei andere Versionen: „Der alte Hans“ wurde der Platz an dem besagten Fußpfad zwischen Nieder-Ramstadt und dem Bessunger ( Darmstädter) Böllenfalltor geheißen, an dem über lange Zeiten eine Ruhebank stand. Ein alter Hausierer soll sich gewöhnlich hier ausgeruht haben.

Vielleicht aber war es so: Treiber Hans aus den bei den Untertanen gefürchteten herrschaftlichen Jagden wurde an Eiche und Bank tot aufgefunden, die Flasche im Arm, mit der er sich so oft das elende Leben erleichtert hatte.

In der fundierten Heimatliteratur heißt es, daß einst ein Essighändler unter der Buche (nicht Eiche!) tot aufgefunden worden sei. Dr. Karl Esselborn (Hessische Chronik 1914): „Ich habe aber in den alten Militärakten und zwar da, wo sie vom Frankenstein handeln, eine Notiz gefunden, welche in dieser Sache einiges Licht zu geben im Stande sei, und die ich also hier mitteilen will. Es hatte demzufolge im Jahre 1731 . . . die auf dem gedachten Schlosse befindlichen Gärten und Äcker nebst dem Obste der sogenannte Essigäpfeljohann im Bestand gehabt, welcher ohne allen Zweifel kein anderer als der besagte Hans gewesen, der mithin, wenn er anders kein Invalide vom Frankenstein war, zu Eberstadt oder Nieder-Beerbach seinen Wohnsitz hatte und in dem genannte Jahre seinen Tod fand . . .“ (Invalide vom Frankenstein: Die Landgrafen nutzten Burg Frankenstein nach ihrem Erwerb 1662 als Militärinvaliden-Anstalt).

Text:
Volker Teutschländer

unter Verwendung von Erzählungen aus Erinnerungen von
Karl Dehnert †



Kleine Wanderungen
zwischen Traisa und Bessungen
wie es früher war:







Das Forsthaus Eisernhand

nahe dem Dippelshof bei Traisa



Der Diebsbrunnen
nahe dem Forsthaus Eisernhand



Findling am Viermärker,
die Grenzen in Stein gehauen