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Sagenhaftes
in Wald und Flur
Die
Deutung von Bezeichnungen in Wald und Flur
Die
Deutung von Gewann- und Flurnamen ist wie ein Ausflug in die
Geschichte. Nicht jedes Namens Ursprung ist urkundlich belegt,
viele entstanden gar im Reich der Mythen, andere verdanken ihr
Entstehen Begebenheiten, die unter Umständen im Laufe der
Zeit geschönt oder mit Hinzufügungen verbrämt
worden sind. Nachstehend eine Auswahl:
Die
Eiserne Hand:
Ein
beliebter Spaziergang: Zum Forsthaus Eisernhand beim Dippelshof -
hart jenseits der Traisaer Gemarkungsgrenze. Das Haus wird 1800
als Holzmacherhütte erwähnt, 1828 als Gastwirtschaft –
die ist es schon lange nicht mehr. Der Name scheint auf den
berühmten Ritter mit der Eisernen Hand zu deuten – ein
Bezug ist (noch?) nicht bekannt.
Der
Diebsbrunnen:
Wer
vom Forsthaus Eisernhand auf der Wandermarkierung V eine kurze
Rundwanderung unternimmt, kommt in Sichtweite des Ludwigstempels
am Diebsbrunnen vorbei. Am felsigen Ensemble auf Gußeisen
in Fraktur: „Diebsbrunnen - Oberförsterei
Nieder-Ramstadt - Forst Jugenheim“. Das sagt nichts über
den merkwürdigen Namen aus.
Es geht die Sage, für
die vornehme Jagdgesellschaft des Landesfürsten, die immer
öfter nicht nur die Felder der Bauern zertrampelte, sondern
auch den Wald leerschoß, habe man für deren
anschließende Rast edlen Wein zum Kühlen in den
Brunnen gelegt. Ein respektloser Dieb (oder war‘s ein
früher Revolutionär?) bemächtigte sich indes der
guten Tropfen, und die erschöpften Waidmänner mußten
ihren Durst mit Brunnenwasser löschen.
Eine Variante
der Sage spricht von einem Diener seines jagenden Herrn, der sich
an den im kühlen Naß gelagerten Flaschen je zur Hälfte
gütlich tat und zur Verschleierung seiner Schandtat dann mit
Brunnenwasser wieder auffüllte.
Paul
Trinkglas:
Nahe
der heutigen Brücke über die Odenwaldbahn stoßen
die Gemarkungen von Nieder-Ramstadt, Traisa, Ober-Ramstadt und
Bessungen zusammen. Etwa 200 m westlich dieses „Viermärkers“
(korrekt wohl ein doppelter Dreimärkers) steht ein „Tempel“
(Wanderer-Schutzhütte), dessen Name auf „Des Paulen
Trinkglas“ weist. An dieser markanten Stelle endeten oder
rasteten schon in früheren Zeiten feuchtfröhliche
Grenzgänge zur Überprüfung des Grenzsteine und
damit der Grenzverläufe zwischen den damaligen Gemeinden.
Nahe der Stelle, an der heute der Tempel steht, soll
ehemals eine stattliche Buche gestanden haben. Der alte Paul
(wohl einer der Funktionäre, die man auch bei einem
Grenzgang braucht) hat gewöhnlich nach seiner Ansprache sein
Trinkglas (auch solches braucht man häufig bei Grenzgängen!)
über die Schulter geworfen, daß es an dem Stamm der
Buche zerschellte. Der Landesherr persönlich (war er selbst
unter den Grenzgängern?) soll folglich als Name des Baumes
„Des Paulen Trinkglas“ verfügt haben.
Nach
einer ganz anderen Geschichte soll Paul ein trinkfester Jäger
aus der fürstlichen Jagdgesellschaft gewesen sein. Als die
Buche gefällt wurde, fand sich im Innern des Stammes schwarz
eingebrannt die deutliche Abbildung eines Trinkglases in Form
eines Weinkelches.
Die
Loreybuche:
Benannt
nach einem Forstmann ist der Platz, der noch heute in den meisten
Wanderkarten verzeichnet, aber schon 1944 zu Brennholz
verarbeitet worden ist. Um den mächtigen Stamm waren rundum
Ruhebänke angeordnet, unter der weiten Krone feierten
Darmstädter und Bessunger Vereine ihre Waldfeste. Standort:
Im Winkel zwischen der Odenwaldbahn und dem Klipsteinseichenweg
nahe der Eisenbahnbrücke.
Der
alte Hans:
Der
Nieder-Ramstädter Fußpfad ist ein früherer
„Milchpfad“, auf dem Nieder-Ramstädter Bauern
ihre frische Milch nach Bessungen und auf den Darmstädter
Markt brachten. Eine hohle Eiche zwischen Weinweg und den Vier
Buchen soll jahrelang einem alten Mann als Nachtquartier gedient
haben.
Zwei andere Versionen: „Der alte Hans“
wurde der Platz an dem besagten Fußpfad zwischen
Nieder-Ramstadt und dem Bessunger ( Darmstädter)
Böllenfalltor geheißen, an dem über lange Zeiten
eine Ruhebank stand. Ein alter Hausierer soll sich gewöhnlich
hier ausgeruht haben.
Vielleicht aber war es so: Treiber
Hans aus den bei den Untertanen gefürchteten
herrschaftlichen Jagden wurde an Eiche und Bank tot aufgefunden,
die Flasche im Arm, mit der er sich so oft das elende Leben
erleichtert hatte.
In der fundierten Heimatliteratur
heißt es, daß einst ein Essighändler unter der
Buche (nicht Eiche!) tot aufgefunden worden sei. Dr. Karl
Esselborn (Hessische Chronik 1914): „Ich habe aber in den
alten Militärakten und zwar da, wo sie vom Frankenstein
handeln, eine Notiz gefunden, welche in dieser Sache einiges
Licht zu geben im Stande sei, und die ich also hier mitteilen
will. Es hatte demzufolge im Jahre 1731 . . . die auf dem
gedachten Schlosse befindlichen Gärten und Äcker nebst
dem Obste der sogenannte Essigäpfeljohann im Bestand gehabt,
welcher ohne allen Zweifel kein anderer als der besagte Hans
gewesen, der mithin, wenn er anders kein Invalide vom
Frankenstein war, zu Eberstadt oder Nieder-Beerbach seinen
Wohnsitz hatte und in dem genannte Jahre seinen Tod fand . . .“
(Invalide vom Frankenstein: Die Landgrafen nutzten Burg
Frankenstein nach ihrem Erwerb 1662 als
Militärinvaliden-Anstalt).
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Text: Volker
Teutschländer
unter Verwendung von Erzählungen
aus Erinnerungen von Karl Dehnert †

Kleine
Wanderungen zwischen Traisa und Bessungen wie es früher
war:



Das
Forsthaus Eisernhand nahe dem
Dippelshof bei Traisa

Der
Diebsbrunnen nahe dem Forsthaus Eisernhand

Findling
am Viermärker, die Grenzen in Stein gehauen
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