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Die örtlichen Gemeinschaften > Sagen 

Stand: 18. Feb 2012

 

 

 


 

Der Rodensteiner und das Wilde Heer


Die bekannteste Odenwälder Sage

1914 war es im Mühltal so, und es war 1939 wieder so: Es beginnt mit einem Brausen in der Luft, erst nur wie starker Sturm, das aber immer stärker anschwillt. Dann Pferdegetrappel, ist es über den Wolken? Oder zieht es durch die Gassen? Waffengeklirr, immer unerträglicher wird der Lärm, Hundegebell, Kettengerassel, Peitschen knallen, Pferde wiehern. Stimmen hört man, Rufen, Johlen. Es ist wie ein schier nicht enden wollendes Reiterheer, das da in großem Bogen durch die Lüfte seine Bahn zieht.

Das geschah mitten in der Nacht. Die Menschen verkrochen sich in ihren Häusern, da, wo sie sich sicher wähnten. Wenige hatten den Mut, nach draußen zu schauen, den gespenstigen Reiterzug zu sehen, der aus allen Himmelsrichtungen zu kommen schien, um in alle Himmelsrichtungen gleichzeitig zu entschwinden. Diejenigen, die es gewagt hatten, berichteten von hellen Erscheinungen, die es unmöglich machten, Einzelheiten des Wilden Heeres zu erkennen.

Die Großmutter des Verfassers hat das noch erzählt – und ihre schlimme Vorahnung ist ja auch 1914 wie 1939 Wirklichkeit geworden: Immer wenn das Wilde Heer des Rodensteiners durch die Lüfte zog, kündigte es Krieg, Not und Brandschatzung an!

Zweifel könnten aufkommen, ob's die Großmutter auch selbst erlebt hat oder nur nach der Sage erzählte. Schließlich hat das Geisterheer vom Schnellerts zum Rodenstein ja nicht den direkten Weg übers Mühltal. Aber in anderen Beschreibungen heißt es ja auch, der ganze Odenwald habe getönt von dem Geisterzug vom Schnellerts zum Rodenstein. Und überhaupt: Die Großmutter war nicht die einzige, die von dem Zug wußte und erzählte.

Zurück zieht das Wilde Heer erst dann, wenn wirklich Frieden ist. Aber das hat die Großmutter nicht mehr erlebt. Aber dies sind ja nur die angeblich wahren Beobachtungen im Mühltal – die ganze Rodensteiner-Geschichte ist andernorts vielfältig erzählt. In der Literatur finden sich zahlreiche recht unterschiedliche Fassungen der Sage. Einige sind auch im Internet zu lesen – davon sind rechts ein paar Adressen angegeben.

Text:
Volker Teutschländer



Mehr über die Sage vom Wilden Heer und vom Rodensteiner:

Spiegel online:

http://www.ruine-rodenstein.de/
sagen/sagen.html




Spiegel-online:

Rodenstein und Schnellerts
http://gutenberg.spiegel.de/buch/43/1



Sagen.at

http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/hessen/rodensteinersauszug.html