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Der
Rodensteiner und das Wilde Heer
Die
bekannteste Odenwälder Sage
1914
war es im Mühltal
so, und es war 1939 wieder so: Es beginnt mit einem Brausen in
der Luft, erst nur wie starker Sturm, das aber immer stärker
anschwillt. Dann Pferdegetrappel, ist es über den Wolken?
Oder zieht es durch die Gassen? Waffengeklirr, immer
unerträglicher wird der Lärm, Hundegebell,
Kettengerassel, Peitschen knallen, Pferde wiehern. Stimmen hört
man, Rufen, Johlen. Es ist wie ein schier nicht enden wollendes
Reiterheer, das da in großem Bogen durch die Lüfte
seine Bahn zieht.
Das geschah mitten in der Nacht. Die
Menschen verkrochen sich in ihren Häusern, da, wo sie sich
sicher wähnten. Wenige hatten den Mut, nach draußen zu
schauen, den gespenstigen Reiterzug zu sehen, der aus allen
Himmelsrichtungen zu kommen schien, um in alle Himmelsrichtungen
gleichzeitig zu entschwinden. Diejenigen, die es gewagt hatten,
berichteten von hellen Erscheinungen, die es unmöglich
machten, Einzelheiten des Wilden Heeres zu erkennen.
Die
Großmutter des Verfassers hat das noch erzählt –
und ihre schlimme Vorahnung ist ja auch 1914 wie 1939
Wirklichkeit geworden: Immer wenn das Wilde Heer des
Rodensteiners durch die Lüfte zog, kündigte es Krieg,
Not und Brandschatzung an!
Zweifel könnten aufkommen,
ob's die Großmutter auch selbst erlebt hat oder nur nach
der Sage erzählte. Schließlich hat das Geisterheer vom
Schnellerts zum Rodenstein ja nicht den direkten Weg übers
Mühltal. Aber in anderen Beschreibungen heißt es ja
auch, der ganze Odenwald habe getönt von dem Geisterzug vom
Schnellerts zum Rodenstein. Und überhaupt: Die Großmutter
war nicht die einzige, die von dem Zug wußte und
erzählte.
Zurück zieht das Wilde Heer erst dann,
wenn wirklich Frieden ist. Aber das hat die Großmutter
nicht mehr erlebt. Aber dies sind ja nur die angeblich wahren
Beobachtungen im Mühltal – die ganze
Rodensteiner-Geschichte ist andernorts vielfältig erzählt.
In der Literatur finden sich zahlreiche recht unterschiedliche
Fassungen der Sage. Einige sind auch im Internet zu lesen –
davon sind rechts ein paar Adressen angegeben.
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Text: Volker
Teutschländer

Mehr
über die Sage vom Wilden Heer und vom Rodensteiner:
Spiegel
online:
http://www.ruine-rodenstein.de/ sagen/sagen.html

Spiegel-online:
Rodenstein
und
Schnellerts http://gutenberg.spiegel.de/buch/43/1

Sagen.at
http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/hessen/rodensteinersauszug.html
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