....

Geografie

Stand: 25.07.2009






















Das Mühltal im Odenwald

Text:
Volker Teutschländer






































. . . aber „nur“ im Vorderen?


Von einem zugereisten Stadtmenschen soll die obige Einschränkung stammen, der vielleicht wegen der Summe aus frischer Luft, reizvoller Landschaft, günstiger Verkehrslage und intakter örtlicher Infrastruktur im Mühltal Wohnsitz genommen hat, der aber ungeachtet dessen mit „Odenwald“ den Mief von Provinz, wenn nicht gar von Kuhstall verbindet.

Sein einschränkendes „Nur“ zeigt den Nachholbedarf an Wissen über die Geografie seines neuen Wohnsitzes:


Das Mühltal liegt

mit seiner ganzen Fläche im Odenwald,

nicht „am Fuße“ des Odenwaldes und auch

nicht „nördlich“ des Odenwaldes,


Das Mühltal liegt im Vorderen Odenwald, das ist richtig.


Der Vordere Odenwald ist aber

nicht „nur ein bißchen“ Odenwald

auch nicht „etwas weniger“ Odenwald und

auch nicht “noch nicht ganz“ Odenwald.


Vorderer Odenwald heißt der nordwestliche Odenwaldteil nach einer geologischen Einteilung des Mittelgebirges. Danach gibt es den

Vorderen Odenwald und den

Hinteren Odenwald. Und daneben gibt es den

Kleinen Odenwald.


Die Trennungslinie zwischen dem Vorderen (Kristallinen) und dem Hinteren (Buntsandstein-)Odenwald verläuft von knapp nördlich von Heidelberg in nördlicher Linie bis Groß-Umstadt. Diese Linie verläuft östlich die Tromm, die Böllsteiner Höhe und den Otzberg bis Groß-Umstadt. Hier endet das Sandsteinvorkommen mit einem Knick nach Osten zum Main.

Grob, aber einprägsam wird die Trennungslinie zwischen Vorderem und Hinterem Odenwald auch von Heidelberg bis Aschaffenburg beschrieben. Westlich und nordwestlich dieser Linie kommen hauptsächlich kristalline Gesteine vor – der Vordere Odenwald ist folglich richtiger

der „Kristalline Odenwald“,

nicht ganz korrekt auch „Granit-Odenwald“ genannt, dessen überwiegende Gesteinsvorkommen von Fachleuten als Gabbro und Diorite erkannt werden. Höchster Berg ist die Neunkircher Höhe mit 606 m, auf der Mühltals größtes Fließgewässer, die Modau, entspringt. Markanter, aber knapp weniger hoch erhebt sich an der Bergstraße der Malschen, seit Römerzeiten auch Melibokus genannt.

Die imposanten Erhebungen der Neunkircher Höhe und des Melibokus oder Malschen (nicht Malchen: So schreibt sich nur Mühltals Nachbardorf am Bergstraßenhang, das über Jahrhunderte mit Nieder-Beerbach ein gemeinsames Kirchspiel bildete) sind bei Wanderungen in Mühltaler Gemarkungen immer wieder zu erkennen.

Der Teil des Mittelgebirges östlich der beschriebenen Linie Heidelberg - Main ist der Hintere Odenwald, korrekter

der „Buntsandstein-Odenwald“,

so genannt nach dem dort vorherrschend vorkommenden Sedimentgestein. Dort findet sich der höchste Berg des Odenwaldes, der Katzenbuckel mit 626 m. In jüngerer Zeit wird das Mittelgebirge etwa östlich von Mosbach (Baden) als Bauland bezeichnet.

Der Kleine Odenwald

ist der Gebirgsteil südlich des Neckars mit seiner höchsten Erhebung von 568 m, dem Königstuhl über Heidelberg.


Also liegt das Mühltal im Odenwald,


und zwar im Vorderen Odenwald, das ist der Kristalline oder Granit-Odenwald. Das Mühltal liegt damit im gleichen Teil des Mittelgebirges wie etwa Lindenfels, die „Perle des Odenwaldes“. Hier ist das Gebirge im wesentlichen von Gabbro-Gestein aufgeworfen, das auf Mühltaler Gemeindegebiet einst in über zwanzig Steinbrüchen, derzeit noch in zwei großen Tagebaubetrieben, abgebaut wird.