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Stand: 01.12.2012

 

 

 

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Geschichte > Frankenhausen

 

 

 

 



 

Die Geschichte Frankenhausens

 

Dr. Wendel Mertz (1891 – 1965), Ehrenbürger Frankenhausens, führt 1955 in seinem Familien- und Heimatbuch „Frankenhausen im Odenwald“ und in einem undatierten Nachtrag dazu das Alter des Dorfes auf dessen Namensdeutung zurück: Im allemannischen Gebiet habe hier eine Siedlung kriegsgefangener Franken bestanden, also um das Jahr 500.

Zwischen „Striet“ und „Stroß“, historische Fernstraßen über Höhen unter Umgehung er weitenteils noch versumpften Täler und Niederungen, verlaufen Knüppeldämme und Steinaufschüttungen durch die „Frankenhäuser Mulde“, ein ehemaliges Hochmoor. Nach Dr. Mertz sind sie wohl schon von den römischen Besatzern als Verbindung zwischen dem Felsberg, ihrem wichtigsten Steinbruch weit und breit, und ihrer Garnisonsstadt Dieburg benutzt worden. Das älteste schriftliche Dokument erwähnt Frankenhausen 1402 in einem Marburger Kopialbuch erwähnt.

Damals bestand das Dorf vermutlich aus drei oder vier Huben sowie einem Herrenhof. Im Jahre 1622 gehörte Frankenhausen mit der Untergerichtsbarkeit zum Amt Zwingenberg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf völlig zerstört. 1650 fanden sich nur 4 Familien mit 11 Seelen im Dorf. Weitere Einwohner kamen aus dem Elsaß und dem Vogtland, vorwiegend Zimmerleute. 1669 wohnten 6 Familien mit 28 Seelen hier, 1708 waren es 17 Familien mit 85 Seelen (Statistik und Topographie des Landratsbezirks Reinheim von 1827). „Die Einwohner waren früher mit Weib und Kind leibeigen.“ Diese sehr kleine Gemeinde errichtete aber schon 1690 ihr erstes Schulhaus und erhielt einen eigenen Schullehrer, „da den Kindern der Weg nach Ober-Ramstadt zu weit war“ (a.a.O.). Das neue Schulhaus entstand 1775.Die ev. Kirche wurde 1708 „vor dem Ort“ begonnen, weil „die alte, im Ort befindliche, ganz unbrauchbar geworden war, und 1710 „bei zahlreicher Versammlung“ eingeweiht (>> Kirche). Der heutige Friedhof rund um die Kirche entstand 1721.

Frankenhausen gehörte einerseits zur Zent Ober-Ramstadt, aber mit dem Untergericht zeitweise nach Zwingenberg, später zum Amt Lichtenberg. Frankenhausen hatte trotz dieser verzweigten Abhängigkeiten einen eigenen Schultheiß, dem Verwaltungsgeschäfte im Dorf oblagen, wenn er auch kein Bürgermeister im späteren Sinne war, sondern eher ein obrigkeitlicher Statthalter. Und Frankenhausen hatte, wie viele der Nachbarorte, ein Landsiedelgericht, das aber schon früh seine Bedeutung verlor.

1821 brachte die neue großherzoglich-hessische Gemeindeverfassung für Frankenhausen eine Aufwertung, die freilich den Menschen im Dorf wenig nützte. Frankenhausen wurde Sitz einer Bürgermeisterei – aber nicht mit der raumordnerischen Bedeutung, wie sie heute Gemeinden mit Mittelpunktfunktionen beigemessen werden. Der „Bürgermeisterei Frankenhausen“ wurden die benachbarten Dörfer Neutsch („liegt ¼ Stunde von Frankenhausen entfernt“) und Ober-Modau („liegt ½ Stunde von Frankenhausen entfernt“) angegliedert. Die Beifügungen in Klammern stammen aus der „Statistik und Topographie des Landratsbezirks Reinheim von 1827“.

Frankenhausen gehörte zum Landratsbezirk Reinheim. Schon 1832 kam Frankenhausen zum Kreis Dieburg, weil der großherzogliche Gesetzgeber die Landratsbezirke Reinheim und Dieburg zum Kreis Dieburg vereinigte. Erst 1938 kam Frankenhausen vom Kreis Dieburg zum damaligen Kreis Darmstadt. Die Gemeinde war Mitbegründerin des „Schulverbandes Mittelpunktschule Nieder-Ramstadt“, 1964 wurde die örtliche Volksschule (Jahrg. 1 – 8) aufgelöst. Frankenhausens Schüler besuchten seitdem die Schule in Nieder-Ramstadt. Nach der Auflösung der dortigen Sekundarstufe und der Realschule besuchen nur noch Frankenhausens Grundschüler geschlossen die Schule in Nieder-Ramstadt, alle anderen Schulen in der Umgebung. Das örtliche Schulhaus baute die Gemeinde zum Gemeinschaftshaus um.

Das Gerichtssiegel von Frankenhausen von 1622, ein Zweig mit drei Eicheln, das am 15.12.1951 der Gemeinde (als erster der Mühltalgemeinden) vom Innenministerium als Wappen verliehen und 1979 in das Wappen der neuen Gemeinde Mühltal übernommen wurde, ist 1955 von Dr. Wendel Mertz im „Frankenhäuser Familien- und Heimatbuch" besprochen und abgebildet worden. Heinz Bormuth hat auf dieser Seite das Herkommen der drei Eicheln im Frankenhäuser und Mühltaler Gemeindewappen begründet (>> Wappen).

1834 zählte die Gemeinde 277 Einwohner, 1871 waren es 297, 2007 rund 750. Seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wandelte sich das früher rein landwirtschaftlich strukturierte Dorf durch einige schmucke Neubaugebiete zu einer Wohngemeinde, die sich einen Teil des dörflichen Charakters bewahrt hat.

Text:
Volker Teutschländer





Das Wappen
der Gemeinde Frankenhausen
(bis 1976)



Hube:

Seit dem Frühmittelalter ein Bauerngut oder Gehöft mit ausreichenden Acker- und Weideflächen, die eine Familie bearbeiten und von der sie sich ernähren konnte.
(Quelle: Wikipedia)



Statistik:

Einwohner
1861: 281
1907: 274


 

Tafel am heutigen Gemeinschaftshaus mit den Daten des Hauses als Frankenhäuser Volksschule