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Die
Kirche
Die
kleine Kirche im Römerweg 5 a ist ein Saalbau (mit 3/8
Schluß). Über dem Giebel erhebt sich ein
quadratischer Dachreiter mit spitzer, achtseitiger eingeknickter
Haube. Und
wie ein Turm verfügt der Dachreiter über eine
Turmbekrönung. Karl Schwinn, namhafter Volkskundler aus
Reichelsheim, erwähnt in „Alte Sinnbilder auf hohen
Türmen“ Frankenhausens schöne Turmkrone mehrfach
und beschreibt sie so: „Senkrechter Schaft und waagrechter
Balken des Kreuzes sind aus gleich starken Stäben
errichtet. An den vier Armen sind große Herzmotive zu
erkennen, deren Spitzen nach innen weisen. Durch weitere
Verzierungen entsteht um die Mitte eine Raute. Die waagrechten
Arme enden in hörnerformigen Ranken. Blattwerk aus
getriebenem Blech bedeckt das ganze Kreuz. Der Knopf ist
abgeflacht. Um die Spitze dreht sich der Hahn.“
In
die Bruchsteinaußenwände sind rechteckige
Fensteröffnungen mit flachen Stichbögen und einfachen
Sandsteingewänden eingelassen. Das Gotteshaus ist
einschließlich der Turmbekrönung 17,36 m hoch, das
Turmkreuz 1,34 m und der Wetterhahn weitere 0,37 m. Sie steht
wegen ihrer geschichtlichen und baukünstlerischen Bedeutung
unter Denkmalschutz.
Im Innern ist die Kirche mit einer
flachen Holzbalkendecke versehen. An einer Längs- und einer
Schmalseite sind hölzerne Emporen eingebaut – mit
einer barocken Orgel gegenüber der Altarseite. Im
Eingangsbereich zu Kirche und Friedhof befindet sich eine
Gedenkstätte für die Kriegstoten.
Eine
kleine Gemeinde baut ihre Kirche
Den
Bau ihrer Kirche vor 300 Jahren feierten die evangelischen
Christen in Frankenhausen beziehungsreich zur Kirchweih 2009. Ob
die Kirchenweihe 1709 der ursprüngliche Anlaß für
die jährliche Frankenhäuser Kerb ist, darüber
gibt es wie auch anderenorts keine Belege. Kirchweih wird ja
auch in Dörfern gefeiert, in denen es überhaupt keine
Kirche gibt.
In Frankenhausen hat es
lange vor der heutigen Kirche ein Gotteshaus mitten im Dorf
gegeben, in dem zeitweise ein Kaplan die kirchlichen Dienste
versah. Es stammte aus katholischer Zeit, und diente nach der
Reformation noch etwa 170 Jahre seiner Bestimmung. Jene Kapelle
hat wohl im Dreißigjährigen Krieg entscheidend
gelitten. Das ganze Dorf war zerstört, alle Menschen
ermordet oder geflohen.
Am Anfang des 18. Jh. verfiel
die Kapelle, die schon im Dreißigjährigen Krieg als
baufällig bezeichnet wird, völlig. Der mit der
Besichtigung der Kapelle beauftragte Werkmeister Schäfer
berichtet im Jahr 1708, die Kapelle sei so alt und baufällig,
daß man sie als zur Haltung des Gottesdienstes in allem
ganz unbrauchbar bezeichnen müsse. „... es sei
augenscheinlich zu beförchten, daß der Boden, so alle
Bohlen verfault, einbreche.“ Auch „sei das
Gotteshaus zu klein und nicht zu reparieren.“ (Diehl,
Hassia sacra)
Und dieser mörderische Krieg
war erst sechzig Jahre vergangen. Erst 17 Familien mit 85 Seelen
waren zurückgekehrt oder zugewandert, die dennoch
beschlossen, „ihr einem Viehstall ähnlicher als einem
Gotteshause [aus]sehendes Capellchen“ durch einen Neubau
zu ersetzen (a.a.O.) denen der Bau einer neuen Kapelle
bevorstand. Aber: Diese sehr kleine Gemeinde früher
Frankenhäuser hatte ja sogar schon 1690 ihr erstes
Schulhaus gebaut, in dem ein eigener Lehrer unterrichtete!
Im
Jahr 1709 wird mit diesem Kirchenbau begonnen, und im Jahr 1710
die noch nicht völlig ausgebaute Kapelle vor dem Dorf in
Gebrauch genommen“ (a.a.O.). Im gleichen Jahr wird die
alte Kapelle im Dorf abgebrochen. Die neue Kapelle wird erst
1715, fertiggestellt, indem das an die Kapelle gebaute Türmchen,
das noch nicht im Trockenen stand, unter Dach und Fach
kommt.
Erst nach 200 Jahren wird die Kirche
Eigentümerin der Kirche
Bauherrin war übrigens
die bürgerliche Gemeinde Frankenhausen. Das ist nicht
verwunderlich, denn Aufgaben der bürgerlichen und der
evangelischen Gemeinde waren seinerzeit nicht nur in
Frankenhausen weitgehend identisch. Die Kirche war sogar,
möglicherweise irrtümlich, als Eigentum der
bürgerlichen Gemeinde ins Grundbuch eingetragen. Erst 1903
ist das geändert worden. Das waren damals harte
Auseinandersetzungen. Sollte mit dem Übergang der Immobilie
denn auch die Baulast an die Kirchengemeinde übergehen? Das
Oberkonsistorium, heute etwa die Landeskirchenverwaltung, riet
aber vom Streit ab und dazu, mit dem Eigentum auch die Baulast
zu übernehmen. Der Wunsch der Kirchengemeinde blieb damit
unerfüllt, die bürgerliche Gemeinde möge die
laufende Baulast oder wenigstens eine Abfindung in Form einer
jährlichen Kostenbeteiligung für eine längere
Zukunft übernehmen.
So „geriet“ die
Kirche in das Eigentum der Kirchengemeinde, aber nur der
Baukörper. Das Umfeld vom Friedhof bis zum Außenaufgang
und der Einfriedigungsmauer sind im Grundeigentum der
bürgerlichen Gemeinde verblieben. Der Friedhof ist 1721 in
der Folge des Kirchen-Neubaues neben der Kirche angelegt worden.
Bis dahin mußten Frankenhausens Verstorbene auf dem recht
weit entfernten Kirchhof des Kirchspiels in Ober-Ramstadt
bestattet werden.
Die Zugehörigkeit zum Kirchspiel
Ober-Ramstadt hat für Frankenhausen wie für alle
Kirchspielorte in allen Kirchspielen zur Folge, daß es
Teilhaber an Kirche, Pfarrhaus und Schulen ist, also an der
Bauunterhaltung mitzutragen hat. Bei der obrigkeitlichen
Gestattung eines eigenen Friedhofs in Frankenhausen wird
ausdrücklich zur Auflage gemacht, daß Frankenhausen
weiterhin an der Bauunterhaltung von Kirche und Pfarrhaus in
Ober-Ramstadt mitzutragen habe.
Das war wohl schon bald
nicht mehr durchsetzbar und 1830 auch verbrieft, indem
Frankenhausen als Filial der Pfarrei Ober-Beerbach für 20
Jahre zugeschlagen wurde.
Kirchspiel oder
Parochie
„Vor Zeiten“, also lange vor dem
Dreißigjährigen Krieg, hatte die alte Kapelle einen
Kaplan „gehabt“, Danach und auch nach dem
Kirchen-Neubau aber nicht mehr. Frankenhausen blieb Filialort
von Ober-Ramstadt bis 1830, dann 20 Jahre von Ober-Beerbach.
Seit 1851 bildet die ev. Frankenhäuser Kirchengemeinde mit
Nieder-Beerbach eine Parochie, also einen Amtsbezirk für
einen gemeinsamen Pfarrer, der seinen Sitz in Nieder-Beerbach
hat. Beide Kirchengemeinden sind dennoch eigenständig, sind
kein Kirchspiel, wie immer wieder zu hören und zu lesen
ist. Frankenhausen ist also keine „Filiale“ von
Nieder-Beerbach. Lediglich der gemeinsame Pfarrer verwaltet
beide Kirchengemeinden. Diese Eigenständigkeit ist ein
Kriterium, daß Frankenhausens Kapelle eine Kirche ist!.
Diehl in Hessia sacra wie auch Dr. Wendel Mertz, eingeborener
Frankenhäuser, in seinem im Heimatbuch sprechen allerdings
von der „neuen Kapelle“ und stehen dabei im
Widerspruch zu den Einheimischen, die ihre „Kirche“
lieben. Schließlich hat die „Kirchen“gemeinde
einen „Kirchen“vorstand und auch sonst fehlt der
Kapelle nichts, was sie nichts, was nicht auch eine Kirche haben
würde..
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Volker
Teutschländer

Quellen:
Denkmaltopografie
für den Landkreis Darmstadt-Dieburg 1988
Karl
Schwinn „Alte Sinnbilder auf hohen Türmen“ (Verlag
Marga Hosemann Mörlenbach, 1985)
Frankenhausen im
Odenwald Dr. Wendel Mertz, 1955, Gemeinde
Frankenhausen
Wilhelm Diehl Hassia sacra Bd. 8;
1935




Aufnahmen
von Hans W. Keller aus 2007 bis 2009

Kolorierte
Postkarte 1911 (aus dem Besitz vom Hans W. Keller)

Die
große Glocke vor ihrer „Verwendung“ 1917 im
Ersten Weltkrieg

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