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Geschichte > Frankenhausen |
Stand:
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Die Kirche in Frankenhausens |
Text:
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In
Frankenhausen besteht eine eigenständige evangelische
Kirchengemeinde. Daß seit Mitte des 19. Jh. mit
Nieder-Beerbach ein Kirchspiel bestehe, ist falsch: Es besteht
lediglich eine Personalunion hinsichtlich des örtlichen
Pfarrers, der beide Gemeinden verwaltet. Der Schreiber dieser Zeilen hat in dem Booklet des Frankenhäuser Kirchenvorstandes einen kurzen Abriß über die Jubiläumskirche verfaßt und darin bemerkt, daß Frankenhausens Kirche keinen Turm, sondern einen Dachreiter hat. Das hat in Frankenhausen Kritik ausgelöst. Aber ein Dachreiter ist überhaupt nicht weniger bedeutsam als ein Kirchturm. Ein Turm steht auf einem eigenen Fundament, der Dachreiter dagegen steht auf dem Gebälk des Dachstuhls. Und Dachreiter sind keineswegs selten. Alleine im Mühltals stehen Dachreiter auf dem Gebälk der Waschenbacher Schule, des Traisaer Rathauses oder der Baptistenkirche in Nieder-Ramstadt, besonders schön in Traisa auf der Villa Natalie. Aber ungezählte Dachreiter sind berühmter als diese im Mühltal, wie der auf dem Veitsdom in Prag, auf dem Dom in Graz, auf Notre-Dame in Dijon, auf dem Kölner Dom, auf dem Dom von Lübeck oder auf der Kathedrale von Reims (Quelle: Wikipedia). In
Frankenhausen hat es lange vor dem Geburtstag der heutigen
Kirche ein Gotteshaus gegeben, in dem zeitweise ein Kaplan die
kirchlichen Dienste versah. Es stammte noch aus katholischer
Zeit, und diente nach der Reformation noch etwa 170 Jahre
(Wilhelm Diehl) seiner Bestimmung. Dr. Wendel Mertz beschreibt
im Heimatbuch den ehemaligen Standort. Diese Kapelle hat wohl im
Dreißigjährigen Krieg, der ja erst vor sechzig Jahren
zu Ende ging, entscheidend gelitten. Das ganze Dorf war
zerstört, alle Menschen ermordet oder geflohen. Wilhelm
Diehl in Hassia sacra Bd. 8; 1935: „Frankenhausen besaß
zur Zeit der Einführung der Reformation eine mitten im Dorf
stehende Kapelle. Das Gotteshaus diente nach Einführung der
Reformation seiner Bestimmung noch etwa 170 Jahre. Das
ganze Dorf war ja zerstört, alle Menschen ermordet oder
geflohen. Und dieser mörderische Krieg war erst sechzig
Jahre vergangen, als 17 Familien mit 85 Seelen zurückgekehrt
oder zugewandert waren, denen der Bau einer neuen Kapelle
bevorstand. Aber: Diese sehr kleine Gemeinde hatte sogar schon
1690 ihr erstes Schulhaus gebaut, in dem ein eigener Lehrer
unterrichtete. „Vor Zeiten“, also lange vor dem Dreißigjährigen Krieg, hatte die alte Kapelle einen Kaplan „gehabt“, nach dem Krieg und auch nach dem Kirchen-Neubau aber nicht mehr. Frankenhausen blieb Filialort von Ober-Ramstadt bis 1830, dann 20 Jahre von Ober-Beerbach. Seit 1851 bilden die evangelischen Christen Frankenhausens eine eigenständige Kirchengemeinde, ein Kriterium, das die Kapelle zur Kirche macht. Dr. Mertz, eingeborener Frankenhäuser, spricht im Heimatbuch allerdings von der neuen „Kapelle“ und steht dabei im Widerspruch zu seinen „Landsleuten“, die ihre „Kirche“ lieben. Schließlich hat die „Kirchen“gemeinde einen „Kirchen“vorstand und auch sonst fehlt der Kapelle nichts, was sie nicht zur Kirche machen würde. Bauherrin war übrigens die bürgerliche Gemeinde Frankenhausen. Das ist nicht verwunderlich, denn bürgerliche und evangelische Gemeinde waren seinerzeit nicht nur in Frankenhausen identisch. Die Kirche war sogar, möglicherweise irrtümlich, als Eigentum der bürgerlichen Gemeinde eingetragen. Erst 1903 ist das geändert worden. Der Wunsch der Kirchengemeinde blieb dabei unerfüllt, die bürgerliche Gemeinde möge die laufende Baulast oder wenigstens eine Abfindung für eine längere Zukunft übernehmen. Und wie ein Turm verfügt der Dachreiter über eine Turmbekrönung. Karl Schwinn, namhafter Volkskundler aus Reichelsheim, erwähnt in „Alte Sinnbilder auf hohen Türmen“ Frankenhausens schöne Turmkrone mehrfach und beschreibt sie so: „Senkrechter Schaft und waagrechter Balken des Kreuzes sind aus gleich starken Stäben errichtet. An den vier Armen sind große Herzmotive zu erkennen, deren Spitzen nach innen weisen. Durch weitere Verzierungen entsteht um die Mitte eine Raute. Die waagrechten Arme enden in hörnerformigen Ranken. Blattwerk aus getriebenem Blech bedeckt das ganze Kreuz. Der Knopf ist abgeflacht. Um die Spitze dreht sich der Hahn.“ |
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