Geschichte > Frankenhausen

Stand: 07.07.2013


 

Persönlichkeiten

Dr. Wendel Mertz (1891 – 1965)


Dr. Wendel Mertz ist gebürtiger Frankenhäuser und stammt aus der großen Sippe der Mertz, deren Stammsitz der prächtige Bauernhof Zeilstraße 26 ist, der in der ersten Hälfte des 18. Jh. (1701 und 1722) an der Stelle eines alten katzenelnbogischen Hofgutes des 15. und 16. Jh. entstand. Aus seiner Feder stammt das Frankenhäuser Familien- und Heimatbuch „Frankenhausen im Odenwald“ mit umfangreichem familiengeschichtlichem Teil, das die Gemeinde Frankenhausen 1955 gelegentlich der 90-Jahr-Feier des Frankenhäuser Gesangvereins herausgegeben hat. 1964 hat er das Buch mit einer Nachlese ergänzt.

In seinem Vorwort zum Heimatbuch schreibt Mertz:

„Im Nachlass meines 1924 verstorbenen Vaters fand ich unter anderem ein Buch über die Abgaben des fürstlichen Hofgutes zu Frankenhausen, in dem die Namen meiner Vorfahren bis zweihundertfünfzig Jahre zurück vorkamen. Dieser unerwartete Lichtstrahl in das Dunkel vergangener Tage veranlasste mich, Gemeindeakten, Kirchenbücher, Salbücher, Rechnungen der Kellereien Urberg (Auerbach) und Lichtenberg, Gerichtsakten und Akten der Forst- und Domänendirektion Hessen und andere Urkunden durchzuarbeiten, um mehr über die Vergangenheit meiner und anderer Frankenhäuser Familien zu erfahren.

Im Dezember 1925 war ich so weit, dass ich bei einem Heimatabend über Frankenhäuser Familien sprechen konnte. Man kann ohne Übertreibung sagen: Ganz Frankenhausen war damals auf den Beinen. Das Interesse an dem Schicksal und dem Lebenskampf der Ahnen und an der Heimatgeschichte war gewaltig groß.

Durch weitere Forschungen hellte sich die Vergangenheit mehr und mehr auf. . . .“

Nach seiner Promotion mit einer textkritischen Untersuchung über eine 1733 erschienene Shakespeare-Ausgabe wirkte Mertz u.a. an der Oberrealschule und an der Studienanstalt für Mädchen in Offenbach sowie als Direktor an der Staatlichen Oberschule in Konin im Wartheland. 1954 gründete Dr. Mertz das Volksbildungswerk in Frankenhausen und gestaltete dessen Programm zum Teil selbst. Zu seinem 65. Geburtstag hat ihn die Gemeinde Frankenhausen zu ihrem Ehrenbürger ernannt.

In Traisa hat sich Dr. Mertz 1953 ein Eigenheim errichtet, in dem er seinen Lebensabend verbrachte und das er so geplant hatte, dass er von seinem Arbeitszimmer hinauf zu seinem Heimatdorf Frankenhausen sehen konnte. Auch in seinem neuen Wohnort brachte er sich in die örtliche Gemeinschaft ein, gründete die Ortsgruppe im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und verfasste eine Reihe heimatgeschichtlicher Aufsätze über Traisas Vergangenheit und eingesessene Familien.

2008 würdigte die Gemeinde Mühltal sein Wirken durch die Benennung einer Straße im Frankenhäuser Neubaugebiet nach seinem Namen.


Bernhard Kraft, „Der Hans Sachs des Odenwaldes“, (8.8.1848 – 22.2.1936)


„Bernhard Kraft aus Frankenhausen ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten im Vorderen Odenwald und als geistvoller Mensch und Komiker bei Dorffesten im Odenwald mit seinen Söhnen gerne gesehen. Er verfaßte eine Reihe von Gedichten, die gewissen Gelegenheiten ihr Entstehen verdanken: den Gestalten und Begebenheiten aus dem Dorfleben, der Einrichtung der Wasserleitung und des elektrischen Lichts usw. Seine Gedichte nannte er einmal seine lieben Kinder.

Sein freundliches Wesen, seinen Witz und seine blitzenden Augen vergißt keiner, der ihn gesehen hat. ...“ So schreibt Dr. Wendel Mertz im Heimatbuch „Frankenhausen im Odenwald“ (1955, Selbstverlag der Gemeinde) begeistert. In einer ausführlichen Würdigung im Darmstädter Echo befaßt sich Fritz Krämer 1959 in Mundart mit dem Wirken Krafts. Ein Zitat (ins Hochdeutsche übertragen): „Bernhard Kraft war vor fünfzig Jahren für den Odenwald so etwas wie seinerzeit der Hans Sachs für Nürnberg und das ganze Deutsche Reich!“

Noch Fritz Krämer (hochdeutsch): „ Alles was in seiner Lebenszeit Merkwürdigen vorgefallen ist in der Umgebung, hat er in seinen Gedichten festgehalten; und die hat er dann bei passenden Gelegenheiten, Kirchweihen, Hochzeiten und Sedansfeiern, mit viel Temperament und Humor vorgetragen und hat mit seinen Schnurren alt und jung zum Lachen gebracht. Es sind gewiß keine Kunstwerke darunter gewesen, und wer Austern und Kaviar gewöhnt ist, wird nichts damit anfangen können.

Auch einige nachdenkliche Reime hat Bernhard Kraft verfaßt. Zum Beispiel hat er gescheite und tröstende Worte den vielen Menschen in den Gemeinden entlang der Modau gewidmet, die durch den berühmten „Bankenkrach in Nieder-Modau“, den Zusammenbruch des Spar- und Kreditvereins im Jahre 1911, all ihr Hab und Gut verloren hatten.

So manches Zitat aus seinen Arbeiten oder seinen Späßen sind noch immer in der weiten Umgebung Frankenhausens bekannt, zum Beispiel (ins Hochdeutsche transkribiert):

„Morgenstund' hat Gold im Mund – doch die Häfen (Tonkrüge) liegen im Wiesengrund.“

„Wenn wir die paar Kartöffelchen und 's Sauerkraut nicht hätten,
wie woll' man nur in dieser Zeit sein bißchen Leben retten?“

„Wenn man kein Schwein hat, kann man auch nicht schlachten.“

In aller Munde im Mühltal ist der Spottvers auf seine Frankenhäuser Nachbarorte, in dem sich die gehänselten Ortschaften je nach Standort des Sprechers austauschen lassen. Man möge dem Schreiber dieser Zeilen nachsehen, daß er seinen Heimatort bei der nachstehenden Wiedergabe verschont:

„Der Frankenstein ist hochgeborn,
Beerbach ist im Dreck verlorn.
In Traisa ist der Hochmut groß.
In Waschenbach ist der Teufel los.“

Der Neckvers wird im Südhessischen Wörterbuch zitiert, ob aber die dortige Form die authentische ist? In Mundart:

„De Frånkestå is hochgeborn,
Beerwich is im Dreck verlorn,
in Malche is de Hochmut groß,
in Ewerscht is de Deiwel los.“

Der Satz des berühmten Nürnberger Kollegen wurde gerne auf Bernhard Kraft übertragen:

„Bernhard Kraft war ein Schuh-
macher und Poet dazu!“

An seinem Haus im Römerweg gab es vor einigen Jahren wieder eine Gedenktafel zur Erinnerung an den „fidelen Odenwälder“, spendiert seinerzeit von den Frankenhäuser Kerweburschen. Bei einer Fassadenerneuerung wurde die Tafel leider wieder abgenommen.

Zu seinen Lebzeiten hieß es in einem Schriftzug an der Fassade seines Hauses:

„Hier wohnt Bernhard Kraft,
der alt ist und noch schafft.
Er läßt den lieben Herrgott walten,
macht neue Schuh und flickt die alten.

Er ist Dichter und bekannt,
hält Treue seinem Vaterland.
Er macht Späße und ist mit sich eins!
Aber Brüder: Geld hat er keins.“

Bernhard Krafts inzwischen verstorbene Enkelin Ella Schmegel hat vor einigen Jahren die lange vergriffenen 3 knappen Hefte von je 8 Seiten mit einer kleinen Auswahl von Gedichten aus dem Jahre 1924 wieder aufgelegt. Die Hefte tragen den Titel

„Der fidele Odenwälder“
und in einem Untertitel Krafts Wahlspruch „Wie's wird so wird's“.

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zum Preis von zusammen 7,50 € zzgl. evtl. Versandkosten erworben werden.

Text:
Volker Teutschländer






Dr. Wendel Mertz





Bernhard Kraft und Frau in den 1920er Jahren