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Geschichte >
Mühltal
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Stand: 17.09.07
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Eine
Straßenbahn ins Mühltal?
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Text: Karl-Heinrich
Schanz:



Eines
der nach dem Gartenstadt-Gedanken entstandenen Häuser
(Traisa, Ludwigstraße)
Mehr über „Gartenstadt
Nieder-Ramstadt – Traisa“:



Wacker
u. Dörr, ehemals einer der wichtigsten Arbeitgeber im
Modautal


Bahnhof
Nieder-Ramstadt / Traisa um 1960
Mehr über die
Odenwaldbahn:



Hier
endet die Straßenbahn - Umsteigen in Busse am Stadtrand
von Darmstadt: „Hier geht's in den Odenwald“ heißt
es in der Bildunterschrift von Alexander Mushake in „Landkreis
Darmstadt - Monographie einer Landschaft“ 1962
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Ein
guter Plan und was daraus geworden ist
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Mit
der zunehmenden Bebauung im Gebiet des heutigen Ortsteils
Trautheim wurde die Verbesserung der Verkehrsverbindung nach
Darmstadt immer dringender. Neben den Gemeinden Nieder-Ramstadt,
Traisa und Ober-Ramstadt bemühte sich der 1904 gegründete
"Verein Gartenstadt Nieder-Ramstadt - Traisa" ganz
besonders um die Weiterführung der 1897 bis zum
Böllenfalltor verlängerten elektrischen Straßenbahn
bis Nieder-Ramstadt. Die Verhandlungen zogen sich jahrelang hin,
blieben aber ohne Erfolg. Durch den Ersten Weltkrieg kamen alle
Bemühungen vorerst zum Erliegen.
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Nach
dem Ersten Weltkrieg gründeten 1919 elf Mitglieder die
gemeinnützige Baugenossenschaft "Wildnis eGmbH,
Nieder-Ramstadt" und bauten ihre Häuser größtenteils
entlang der Alten Darmstädter Straße. Nieder-Ramstadts
heutiger Ortsteil Trautheim entwickelte sich daraus rasch.
Deshalb war eine öffentliche Verkehrsverbindung nach
Darmstadt dringend geboten.
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Ende
1927 wurde der Verkehrsausschuß Nieder-Ramstadt - Traisa
gegründet und zum Vorsitzenden Schreinermeister Georg Keil
aus Nieder-Ramstadt gewählt. Dieser Ausschuß setzte
sich zum obersten Ziel, den Bau einer Straßenbahn nach dem
Muster der in der Planung fertigen Bahn von Eberstadt nach
Jugenheim durchzusetzen. Unterstützung wurde vom 1885
gegründeten Verkehrsverein Darmstadt zugesichert. Die
dortige Geschäftswelt war stark an den Käufern aus den
Vororten interessiert.
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Die
anfänglich sich gegen das Projekt sträubende Hessische
Eisenbahn Aktiengesellschaft "HEAG" unterhielt in
Darmstadt drei Dampf-Straßenbahnlinien. Vom zentralen
Luisenplatz fuhren sie nach Griesheim, Arheiligen und Eberstadt.
Daneben bestanden bereits zwei elektrische Straßenbahn-Linien
von der Hermannstraße über das Schloß zur
Dieburger und Taunusstraße und vom ehemaligen Bahnhof am
heutigen Steubenplatz zum Böllenfalltor. Eine Fahrt mit der
"Elektrischen" kostete damals vom Böllenfalltor
zum Luisenplatz 15 Pfennig; die Weiterfahrt von hier zur Firma
Merck am Nordbahnhof mit der Dampfbahn weitere 15 Pfennig.
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Nun
sollte die Straßenbahn "Weiße Linie" über
das Böllenfalltor hinaus bis nach Ober-Ramstadt verlängert
werden. Das Hessische Finanzministerium sprach 1928 sogar von
einer "Straßenbahn durch das Modautal bis Lindenfels".
In Darmstadt wollte man Bensheimer Plänen eines
Bahnanschlusses Lindenfels - Bensheim zuvorkommen.
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Alle
Genehmigungen liegen vor
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Zu
Pfingsten 1928 nahm die HEAG eine Autobuslinie Böllenfalltor
- Ober-Ramstadt in Betrieb, die aber nur eine Zwischenlösung
auf dem Weg zur Elektrischen Straßenbahn sein sollte.
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Auch
die örtliche Industrie setzte sich für den Bau der
Straßenbahn ein. Im Juni 1928 richteten Geschäftsleitung
und Betriebsrat der Firma Wacker & Doerr ein dringendes
Schreiben an die HEAG. Man möge doch eine Straßenbahn
vom Böllenfalltor bis Ernsthofen bauen, um dortigen
Arbeitern und jenen aus Ober- und Nieder-Modau, Asbach, Rohrbach,
Wembahn und Hahn eine bessere Verkehrsmöglichkeit in
Richtung Darmstadt bieten zu können. Es wurden dazu die
Verhältnisse an den Autobushaltestellen in Nieder-Ramstadt,
Traisa und Trautheim geschildert, wonach sehr oft die Busse von
Ober-Ramstadt kommend überfüllt waren und viele
Fahrgäste nicht mitgenommen wurden.
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Der
Leser fühlt sich durch diese Schilderung in die Zeit nach
dem 2. Weltkrieg versetzt, als die Oberleitungsbusse während
des Berufsverkehrs derart überfüllt waren, daß
morgens in Traisa und Trautheim und abends am Böllenfalltor
die Fahrgäste oft erst mit dem zweiten und gar dritten
abfahrenden Bus mitgenommen wurden.
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Ende
1928 erklärte sich auch die HEAG bereit, die Straßenbahn
bis Ober-Ramstadt zu bauen. Nun protestierte aber die Deutsche
Reichsbahn-Gesellschaft beim Reichsverkehrsministerium gegen den
Bau dieser Strecke. Man versuchte den Nachweis zu erbringen, daß
die bestehenden Straßenbahnen nach Griesheim, Arheiligen
und Eberstadt der Reichsbahn jährlich einen Verlust von
245.000 Mark an Fahrgeld verursachten, da "diese Strecken
parallel zur Reichsbahn, teilweise nur in einer Entfernung von
nur einem Kilometer verlaufen". Hinzu komme, daß auch
die Weiterführung der Straßenbahn von Eberstadt nach
Jugenheim genehmigt sei, was einen weiteren Verlust bedeute.
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Nach
weiterem massiven Druck aller an der Straßenbahn
interessierten Kreise, erteilt endlich das
Reichsverkehrsministerium in Berlin im Dezember 1929 seine
Zustimmung.
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Die
Hessische Industrie- und Handelskammer Darmstadt schrieb in ihrem
Jahresbericht 1929: "Die Bestrebungen nach einem zeitgemäßen
Ausbau Darmstädter Vorortverbindungen haben im Berichtsjahr
greifbare Gestalt angenommen. Anstelle der stark benutzten von
der Hessischen Eisenbahn-Aktien-Gesellschaft betriebenen
Kraftwagenlinie nach den östlichen Vororten Traisa,
Nieder-Ramstadt und Ober-Ramstadt wird in absehbarer Zeit eine
elektrische Vorortbahn treten".
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Gescheitert
an Uneinigkeit
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Die
Trasse wurde von der HEAG entlang der Landstraße vom
Böllenfalltor bis zur Traisaer Hohl vorgesehen. Hier sollte
sie auf Betreiben des Verkehrsausschusses Nieder-Ramstadt nach
rechts abbiegen, durch die Hohl, obere Bahnhofstraße,
Kilianstraße, Ober-Ramstädter Straße, zur
Landstraße am Dreieck zurückführen.
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Hiergegen
protestierten Traisa und Ober-Ramstadt. Traisa verlangte
daraufhin eine Trassenführung vom Böllenfalltor entlang
der Alten Ober-Ramstädter Straße, über die
Eisenbahnbrücke am Traisaer Hüttchen, zum Kinderheim
Waldeck und durch die Röder- und Nieder-Ramstädter-Straße
zur heutigen Odenwaldstraße (B 449) zurück. Man war
aber bereit, auf diesen Plan zu verzichten, wenn auch
Nieder-Ramstadt auf die Ortsdurchfahrt verzichten würde.
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Ober-Ramstadt
akzeptierte nur den geraden Weg entlang der Landstraße. Man
möchte nicht "spazierenfahren", sondern auf
schnellstem Weg nach Darmstadt kommen.
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Nieder-Ramstadt
konnte natürlich die Traisaer Anbindung nicht hinnehmen, da
dann für Trautheim weiterhin keine Verbesserung gegenüber
den bestehenden Verhältnissen eingetreten wäre. Auf den
Umweg durch die Kilianstraße wollte man aber auf keinen
Fall verzichten. Man sei schon damals beim Bau der Landstraße
im Jahr 1898 übervorteilt worden, da die Straßen
weitab vom Dorf vorbeigeführt worden sei.
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In
mehreren dramatischen Sitzungen im Jahr 1930, deren Protokolle
noch erhalten sind, kam man zu keiner gemeinsamen Auffassung.
Jeder der drei betroffenen Ortschaften stellte eine
Verhandlungsdelegation unter der-Leitung der Bürgermeister
Rückert, Ober-Ramstadt; Jährling, Nieder-Ramstadt und
Scheerer, Traisa. Schon die Zusammensetzung der Kommission war
umstritten, und völlig zerstritten in der eigentlichen
Beratungssache ging man auseinander.
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Damit
war das Projekt Straßenbahn nach Ober-Ramstadt gescheitert,
und es blieb bei der Busverbindung. Wäre es zur Ausführung
gekommen, bestünde heute eine attraktive Alternative zur
täglich verstopften B 449. Eines haben Traisa und
Nieder-Ramstadt doch noch erreicht: Die HEAG fährt
inzwischen mit ihren Bussen durch beide Orte.
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