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Fischerei
und Teichwirtschaft war in früheren Jahrhunderten Privileg
der Feudalherren, bei uns also der Landgrafen, die sich ja
anmaßten, die Herren über Wasser, Wald und Weide zu
sein. Bei uns war es vor allem Georg I. (1567
– 1596), der hier große Anstrengungen unternommen
hat. Er hatte bei er Erbteilung nach dem Tod Philipps des
Großmütigen die verhältnismäßig arme
Obergrafschaft erhalten und versuchte nun mit allen Mitteln, die
Erträge des Landes zu heben. Dazu gehörte unter anderem
auch die Anlage zahlreicher Fischteiche. Die der Teichwirtschaft
lag in den Händen eines Teichmeisters mit Sitz in Darmstadt,
der dafür sorgte, daß die Vorratsbecken im Teichhaus
stets mit genügend Fischen gefüllt waren. In erster
Linie wurde dabei an die Befriedigung der Bedürfnisse des
Hofes gedacht, nur der Überschuß durfte frei verkauft
werden.
Die einzelnen Gewässer wurden überwacht
von den Teich- und Bachknechten, von denen je einer auch in
Nieder-Ramstadt und Nieder-Beerbach ansässig waren. Sie
hatten die verschiedensten Obliegenheiten. So mußten sie in
den fließenden Gewässern Krebse und Forellen fangen,
die Teiche zu gegebener Zeit ausfischen und schließlich die
in Brutgewässern aufgezogenen Jungfische in den größeren
Teichen aussetzen. Die Anlage und Erhaltung der Teiche besorgten
Teich- oder Seegräber.
Zur Anlage eines solchen
Teiches wurde üblicherweise ein Bachtal durch einen
quergelegten Damm geschlossen, in den ein Ablaßventil
eingebaut war. An der tiefsten Stelle wurden die sogenannten
Pfannen angelegt (oft genügte dazu das Bachbett) und das
gesamte Becken mit Lehm abgedichtet und mit einem Kalküberzug
versehen.
Nach Schließen des Ventils füllte
sich der Teich und konnte mit Fischen besetzt werden. Zum
Ausfischen wurde das Ventil geöffnet und mit einem Sieb
abgedeckt. Das Wasser lief ab und die Fische konnten bequem aus
den noch gefüllten Pfannen in Eimern eingesammelt werden.
Sie wurden dann in Bottichen zur Teichmeisterei gebracht und in
die Vorratsbecken gesetzt.
Hier findet man auch eine
plausible Erklärung des Wortes »Woog« für
viele der künstlichen Teiche. Es enthält ebenso wie das
Wort »Weiher« den Wortstamm »wiegen«. Wie
eine Waage hebt und senkt sich die Oberfläche beim Ein- und
Ablassen des Wassers. Interessant ist, daß man die
Bezeichnung nur bei vor dem Dreißigjährigen Krieg
angelegten Gewässern findet. Später tritt nur noch der
Name »Teich« auf.
Die noch bestehenden Teiche
taugen möglicherweise als Löschwasserspender. Es ist
aber nicht belegt, daß eine solche Nutzung ein Grund für
den Bau der Teiche gewesen wäre.
In
der Nieder-Ramstädter Gemarkung liegen oder lagen folgende
Fischteiche:
Der Kirchbergsteich
Als
beliebtes Ziel für Sonntagsspaziergänger dürfte er
wohl der bekannteste Teich der Nieder-Ramstädter Gemarkung
sein. Er wird von drei Quellen im Teichgrund gespeist. 1738
angelegt, wurde er das »Teichlein am Weinweg«
genannt, noch auf einer Karte von 1752 heißt er „Der
neue Teich“. 1740 wird er zum ersten Male ausgefischt.
Dabei erbrachte er 4 Hechte von zusammen 5 kg und 140
Setzkarpfen, die an Oberjägermeister von Minnigerode
verkauft wurden.
1786
war der Teich verschlammt und wurde zur Herrichtung empfohlen,
damit er dem Eberstädter Bachknecht als Vorratsteich für
Forellen dienen könne.
1839 wird in einem Bericht
des Forstinspektors Kekule als »der leere Teich«
angeführt: »Dieser vormalige kleine Teich liegt in dem
Domanialwalddistrikt Hinterforst neben der Kirchschneise zunächst
dem Weinwege und eignet sich gut zu einem Forellenteich, indem er
drei Quellen besitzt, die hinreichend Wasser hierzu abgeben.«
Hierauf ließ man den Teich durch zahlungsunfähige
Forstfrevler wieder herrichten. In der Folgezeit wurde er jedoch
wieder vernachlässigt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde
er von einem Anglerverein gepachtet und wird seitdem
instandgehalten.
Eine Schreibweise des Namens mit
„Kirschbergsteich“ ist falsch. Der Teich liegt
unterhalb des westlichen Abhanges des Kirchberges (280 m) in der
Gemarkung Nieder-Ramstadt nahe des Weinweges, der früheren
Gemeindegrenze zwischen Nieder-Ramstadt und Bessungen. Der Name
des Kirchberges geht darauf zurück, daß von seiner
Höhe der Kirchturm des Kirchspiels Nieder-Ramstadt zu sehen
war – was heute wegen des Hochwaldes nicht mehr möglich
ist.
Der Waltersteich
Heute ist oberhalb des
noch einzigen Teiches der Damm und das leere Bett eines zweiten
Teiches zu erkennen. Beide Teiche wurden 1686 mit Bewilligung des
Ministers von Minnigerode durch Forstmeister Klipstein und
Förster Kempf auf eigene Kosten als Forellenteiche angelegt.
Sie wurden zunächst »die beiden Teichlein im
Rabenfluß« (nach der Gewannbezeichnung der
Waldschlucht Rabenfloß in der Gemarkung Nieder-Ramstadt an
der Grenze zu Eberstadt) genannt und wechselten mehrmals den
Besitzer. Beide Teiche wurden von der oberliegenden
Lindenbergsquelle gespeist.
Zunächst erwarb sie der
Jägermeister von Nimptsch, der sie später an den
Teichmeister Reuling verkaufte. Da es nicht anging, daß
dieser als Teichmeister selbst Fischzucht betrieb, bot er sie dem
herrschaftlichen Oberforstamt zum Kaufe an. Das Amt erwarb sie
1775 für 50 Gulden und 6 Klafter Buchenholz. Sie dienten als
Forellenteiche und erbrachten in den Jahren 1802 5,5 kg, 1817 6,3
kg, 1821 10 kg Forellen und 15 Krebse.
1823 wurden die
Teiche auf herrschaftliche Verfügung wie alle anderen Teiche
„die von Wald umgeben“ trockengelegt und
aufgeforstet. 1839 empfahl aber Forstinspektor Kekule, den
unteren Teich, hier erstmalig Waltersteich genannt, zur
Wiederanlage. Die Reparaturen wurden von zahlungsunfähigen
Forststrafschuldnern ausgeführt und der Teich zur
Forellenzucht benutzt. Heute wird er von einem Anglerverein
unterhalten.
Der Name soll von einem Fuhrmann Walter
herrühren, der mit seinem Fuhrwerk ins Wasser gestürzt
und darin umgekommen sein soll. Aber nicht nur er ist im Wasser
des Waltersteiches umgekommen: Das Gewässer gilt bei
Einheimischen als „Selbstmörderteich“!
Die
drei Nieder-Ramstädter Wooge im Wiesengrund
Georg
I. ließ im Winter 1573/74 im
Schwinnengrund einen Fischteich, den »großen Woog«,
anlegen. Diese Anlage gewann für Nieder-Ramstadt eine
besondere Bedeutung, als nämlich der hierfür angelegte
Damm Fuhrwerken ein bequemes Überqueren des Bachgrundes
gestattete und damit neue Verkehrsmöglichkeiten mit
Darmstadt schuf. Bis dahin war der Fahrverkehr dorthin nur über
Traisa und die Alte Ober-Ramstädter Straße möglich
gewesen. Die neue Verbindung kam auch allen zugute, die vom
oberen Modautal über Nieder-Modau und den Breiten Stein
kommend, in Nieder-Ramstadt über die Fahrgassen-Brücke
die Modau passierten.
Dem großen Woog folgten bald
zwei weitere den Stettbach aufwärts, deren einstige Lage
heute noch am Schilfbewuchs deutlich zu erkennen ist. Der Damm
des mittleren Wooges ist heute durchgraben, während die der
beiden anderen einen Durchlaß für das fließende
Wasser bekommen haben. Über den einen läuft die
Dornwegshöhstraße, über den anderen der Fußpfad
„Am Wallborn“, der vom Pfaffenberg kommend unterhalb
des Wingertsberges in Richtung Trautheim zieht.
Die
drei Teiche müssen in den Kriegsjahren des 17. Jahrhunderts
weitgehend unbrauchbar geworden sein, denn sie sind im
Verzeichnis der Fischgewässer in der Obergrafschaft von 1680
nicht aufgeführt. In den Jagdtagebüchern des Landgrafen
Ernst Ludwig wird jedoch 1713 »der Nieder-Ramstädter
Teich« erwähnt. Möglich ist hier natürlich,
daß er zwar gefüllt war, aber nicht benutzt wurde.
Nachricht über Fischfänge gibt es wieder 1740,
wo rund 1500 Karpfen gefangen wurden. Noch im 18. Jahrhundert
kamen sie in den Besitz der Familie Hofmann beziehungsweise
Illig, den Besitzern der Papiermühle. Nach einer amtlichen
Schätzung des Teichmeisters Reuling vom Jahre 1800 lieferten
sie alle drei Jahre etwa 9 Zentner Karpfen und 1 ½ Zentner
Hechte.
Die Erhaltung der Teiche scheint jedoch mit der
Zeit zu kostspielig geworden sein. Auf Karten von 1803, 1806 und
1825 findet man nur noch die beiden unteren Wooge, die dann in
einer Karte von 1845 auch nicht mehr eingetragen sind. Ein Teil
des Bettes des großen Wooges an der Dornwegshöhstraße
wurde in den 1970er Jahren mit Erdaushub verfüllt.
„Ein
Bächelchen, das Teichwasser genannt, entsteht hinter den
sogenannten Niederramstädter Teichen, fließt durch die
selben, und fällt bei der Bruchenmühle in den
Modaubach.“ So heißt es in der „Statistik und
Topographie des Landrathsbezirks Reinheim im Großherzogtum
Hessen on Georg Wilhelm Justin Wagner“. Das „Bächelchen“
kennt man heute als Stettbach.
Der Klingenteich
Der
Teich, dessen Bett in der Talsohle unterhalb des heutigen
Tagungshotels noch deutlich zu erkennen ist und der der dortigen
Straße seinen Namen geliehen hat, muß um etwa 1700
herum angelegt worden sein. Er wurde als Forellenteich benutzt
und ist auf Karten noch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zu
finden.
Der Schneckenmühlenteich
Dieser
Teich im Grund des Griesbaches an dessen Oberlauf nahe dem
Waldrand muß wohl privatrechtlich zur Schneckenmühle
gehört haben, denn er liegt nicht nahe genug an dieser, um
seinen Namen aus der Lage zu erklären. Da er Privatbesitz
war, wird er in den Akten der Teichmeisterei nicht
erwähnt.
Jüngere stehende Gewässer . .
.
. . . sind von privater Hand gebaut worden und
werden von Eigentümern oder Pächtern befischt. Die
Teiche liegen in der Mordach sowie an der Viehtrift in der
Steige. Ein kleines Gewässer in der Mittelbach dient dem
Vogelschutz.
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