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Mühltals
Mühlen: Ihre Geschichte
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Stand:
23.07.2009
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Die
Glasmanufaktur im Modau-
und Mordachtal 1698 – 1706
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Autor: Karl-Heinrich
Schanz



Darstellung
einer Werkstätte zur Streckglasherstellung Klick
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Vier
Schritte zur Herstellung von Mondglas in einer Glashütte




Spiegelschleifmühle
(aus Jakob Leupold „Schauplatz der Mühlenbaukunst“,
Leipzig 1735) Klick in die Grafiken ergibt größere
Ansichten .





Das
Haus Burgwald:
Von der Glashüttenmühle
über Gasthof und Fachklinik für Alkoholkranke zur
Therapieeinrichtung für Suchkranke. Klick in die Bilder
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An
der engsten Stelle des Mühltales steht die ehemalige
Spiegelschleifmühle „auf“ der Modau, in der
ursprünglich die Gläser aus der Glashüttenmühle
„auf“ der Mordach weiterbearbeitet wurden. Die
Schleifmühle ist baulich eng verbunden mit der Alten
Bohlenmühle und beherbergt heute die Christophorusschule,
läßt aber noch ihren Ursprung als Mühlen-Hofreite
erkennen. Klick ins Bild ergibt größere Ansicht
(64 KB).




Drei
Außenansichten, in denen sich die ehemalige Schleifmühle
als heutige Christophorusschule darstellt Klick in die
Bilder ergibt größere Ansichten

Eine
Wanderung nach Müllers Lust zu 31 ehem.
Mühlenstandorten im Mühltal:


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In
der „Mordach" besaßen die Herren von Wallbrunn
um die Mitte des 15. Jahrhunderts einen Hof mit eigenem Gericht,
der kirchenrechtlich zur Kirche in Neunkirchen zählte.
Links an der Talweitung, umsäumt von einem wohlgepflegten
Hausgarten, liegt "Haus Burgwald", eine
Therapieeinrichtung für Suchtkranke. Hier stand ehemals die
Großherzogliche Glas- und Spiegelhütte der vom
Landgrafen Ernst Ludwig 1698 gegründeten Manufaktur.
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Landgraf
Ernst Ludwig (1678 - 1739) ein Förderer der Gewerbe
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Da
Landgraf Ernst Ludwig beim Tod seines Vaters 1678 erst 11 Jahre
alt war, übernahm seine Mutter Elisabeth Dorothea für
zehn Jahre die Regentschaft, bis zu seiner Volljährigkeit.
Der Landgraf, ein leidenschaftlicher Jäger, mußte bei
seinem Regierungsantritt ca. 2 Millionen Gulden an Schulden mit
übernehmen, die ihm sein Vater Ludwig VI. hinterließ.
Dazu trug er sich selbst mit großen Bauplänen.
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Ein
neues Schloß in Darmstadt, ein Opernhaus, die Orangerie,
die westliche Vorstadt und einige Jagdhäuser, waren die
größten Objekte, die ihm vorschwebten. Dazu brauchte
er sehr viel Geld. Eine Möglichkeit, seine Einkünfte
zu verbessern, sah er in der Förderung von Handel und
Gewerbe. Von Anfang an, bei der Übernahme der
Regierungsgeschäfte aus der Hand seiner Mutter, plante er
die Einrichtung von Manufakturen. Mit dem Verkauf ihrer
Erzeugnisse kam nicht nur Geld ins Land, sondern auch der
Eigenbedarf sollte mit ihren Produkten gedeckt werden. Das galt
für Papier-, Eisen- und Glaserzeugnisse. Schon der erste
Hessen-Darmstädtische Landgraf, Georg der I., mußte
1578 das Glas für 90 Fenster, das waren 150 Schaub, für
sein Schloß in Kranichstein bei seinem Bruder Wilhelm in
Kassel kaufen. Es kam aus der Hütte in Almerode. Groß
war auch der Bdarf des Hofes an Gebrauchsgläsern.
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1688
übernahm Landgraf Ernst Ludwig von Henrich von Bohlen die
Bohlenmühle und trennte einen Teil der Gebäude ab, um
sie zu einem Spiegelscheifwerk ausbauen zu lassen. Die andere
Hälfte verpachtete er als Mahlmühle weiter.
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Der
Aufbau der Glasmanufaktur mit Spiegelschleifwerk und Glashütte
dauerte aber noch 10 Jahre. Die Raubkriege des französischen
"Sonnenkönigs" Ludwig XIV. erschütterten die
Landgrafschaft 1691 und 1693 schwer. Der Landgraf floh zeitweise
nach Gießen.. 1695 wurde dann ein zweites Projekt
verwirklicht, die Papiermühle im Mühltal, das einzige,
das bis heute Bestand hat. Um die gleiche Zeit kaufte der
Landgraf in Ober-Ramstadt eine Mahlmühle auf, um sie zum
Eisenhammer umzubauen.
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Nun
war 1698 endlich auch die Glashütte mit dem Stampfwerk in
der Mordach fertig, die Glasmacher waren angeworben und die
Produktion konnte beginnen.
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Die
Mordach, ein idealer Standort für die Glashütte
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Die
Wahl des Standortes einer Glashütte mußte zur
damaligen Zeit gut überlegt werden. Etliche Voraussetzungen
für einen rentablen Betrieb mußten gegeben sein:
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1.
Die Hauptrohstoffe für die Glasherstellung, Quarz,
Pottasche und Kalk, sollten in der Nähe gefunden und
produziert werden können, um unnötige Transportwege
auszuschließen.
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2.
Für den Schmelzprozeß, der bei Temperaturen zwischen
1400 und 1500° C abläuft, mußte das Brennmaterial
- damals ausschließlich Holz - am Ort vorhanden sein.
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3.
Ausreichende Wasserkraft für den Antrieb der Pochwerke und
Glasschleifmaschinen sowie Wasser zum Reinigen der Rohstoffe
waren nötig.
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4.
Feuerfestes Material für den Ofenbau und die
Glasschmelzöfen sollte möglichst in der Nähe
anstehen.
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5.
Für die Arbeiten auf der Glashütte, im
Spiegelschleifwerk und bei der Rohstoffgewinnung waren Arbeiter
aus zahlreichen Berufszweigen nötig.
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6.
Die leicht zerbrechlichen Fertigprodukte mußten auf
sicheren Wegen an die Absatzorte, wie Darmstadt, Frankfurt und
Worms gebracht werden können.
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Die
meisten dieser Voraussetzungen waren im Gebiet Mühltal,
Mordach und Beerbachtal gegeben. Quarzsand wurde an den
Ausläufern der Eberstädter Dünen, an der Alten
Dieburger Straße, reichlich gefunden. Kalk gab es
ebenfalls, was aus den Gewannamen "Mordach" und
"Kalkofen" hervorgeht. Diese Vorkommen genügten
aber wohl nicht; Kalk für die Glashütte wurde sicher
noch anderen Orts gewonnen.
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Der
Holzverbrauch einer Glashütte war enorm. Um einen Zentner
Glas zu erschmelzen, wurden 8 Zentner Holz benötigt.
Jährlich wurden von einer Hütte 20 - 25 Morgen Wald
als Brennholz verbraucht. Dazu kamen noch große Mengen
Holz, die zur Pottasche-Herstellung verbrannt wurden. Dieser
gewaltige Raubbau führte oft zur völligen Verödung
ganzer Landschaften bei den Hütten. Dem Waldbestand auf
Kohl- und Glasberg wurden damals schwere Wunden geschlagen.
Wegen der schwierigen Holzabfuhr aus diesem unwegsamen Gelände
konnte man das Holz entweder nur an Ort und Stelle zu Holzkohle
verarbeiten, oder man baute Glashütten, die große
Mengen Holz zum Schmelzen des Glases oder zur
Pottascheherstellung benötigten. Die Gewannbezeichnungen
Kohl- und Glasberg entstanden damals. "Glasberg" nimmt
direkt Bezug zur Glashütte. "Kohlberg" wurde
seither als Köhlergebiet gedeutet. Eher ist anzunehmen, daß
der Holzmacher bei der Glashütte, Johann Kohl, der
Namensgeber war.
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Feuerfeste
Materialien gab es an der Schabeck, wo später die Ziegelei
Mordach entstand und auf dem Breitenlohberg. Den idealen
Transportweg zu entfernten Märkten stellte die Alte
Dieburger Straße dar. Wasserkraft war ebenfalls reichlich
vorhanden. Nur eine Voraussetzung war sehr schwierig zu
erfüllen: Erfahrene Glasmacher waren in Hessen-Darmstadt
nicht vorhanden, sie mußten von weither angeworben werden.
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Glasmacher-,
Spiegel- und Schleifmeister
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Als
Faktor für die Gesamtmanufaktur stellte der Landgraf Johann
Adam Bergmeister ein. Aus einer der berühmtesten hessischen
Glasmacherfamilien holte er den Spiegelmeister Johann Georg
Gundelach. Weitere Fachleute waren der Schleifmeister Asspalt
Brede und der Glasmachermeister Johann Georg Wentzel aus einem
ebenfalls berühmten hessischen Glasmachergeschlecht. Diese
Meister brachten die zum Bau und Betrieb der Hütte
notwendigen Kenntnisse und Fachkräfte mit. Sie wohnten in
der Mehrzahl in Nieder-Beerbach, einige auch in Eberstadt und
Nieder-Ramstadt. In den Kirchenbüchern der drei Gemeinden
sind ihre Namen zu finden. Neben den oben genannten drei
Meistern und dem Faktor werden Glasmacher, Feuerschürer,
Römer- und Kelchmacher, Fuhrknechte, Holzmacher, Glasträger
und Taglöhner aufgeführt. Der Mühlarzt Johann
Peter Grimm aus Culmbach war für den Bau der "Wasserkünste"
zuständig.
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Zur
Spiegelhütte bei der Glashütte an der Mordach gehörten
Spiegelmacher, Glasschneider und Spiegelbeleger.
Berufsbezeichnungen im Spiegelschleifwerk an der Modau waren
Spiegelschleifer, Polierer, Glasschleifer, Schleifer und
Schreiner. Sicher sind nicht alle in der Manufaktur
Beschäftigten in den Kirchenbüchern verzeichnet. In
den drei genannten Orten sind es aber allein 46 in sechs Jahren.
Vier Namensträger der Familie Gundelach und drei der ebenso
berühmten Familie Wentzel sind vertreten. Sie kamen aus den
Glaszentren Groß-Almerode bei Kassel, Lohr am Main,
Königstein im Taunus, Breitenborn bei Geinhausen und
Heilbronn am Neckar.
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Hohlgläser,
Fenster- und Spiegelscheiben
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Der
Glashüttenbetrieb bestand meist nur aus einem
scheunenartigen Hauptgebäude mit dem Schmelzofen. Dazu
kamen einige kleinere Nebengebäude wie das Siedehaus für
die Pottasche, die Vorrats- und Lagerschuppen.
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In
der Mordach gab es neben der Glashütte, in der Hohlgläser
geblasen wurden, die unmittelbar angrenzende Spiegelhütte,
in der die Spiegel- und Butzenscheiben geblasen wurden. Es war
ein Stampfhaus vorhanden, in dem Holzasche, Quarz und Glasbruch
zerkleinert wurde.
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Aus
einem Verzeichnis des Faktors Bergmeister aus dem Jahre 1699 ist
die Produktion aus vier Monaten ersichtlich:
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7.000
Römer, 9.300 Schockgläser, 5.000 Weißgläser,
2.800 Blättergen (Arznei- und Parfümfläschchen),
28.950 Schlechtglas (schlichte, einfache Gläser oder
Flaschen?), 1.200 Rauppen (Bier- oder Salbengläser mit
Binderand) und 200 Kristallgläser. Das bedeutet, daß
ca. 2.000 Hohlgläser pro Woche gefertigt wurden.
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Daneben
nennt das Verzeichnis auch Flachglas:
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23.300
kleine Scheiben (Butzenscheiben) und 20.600 Spiegelscheiben.
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Nach
Abzug von Lohn- und Materialkosten errechnete der Faktor einen
Profit von 865 Gulden für den Landgrafen. Verkaufseinheit
für geblasene Gläser war das "Hüttenhundert",
kleinste Verpackungseinheit ein Bund oder Schaub. Die Gläser
wurden an Strohseilen einzeln wie Perlen aufgereiht, zu einer
Kette zusammengebunden, zu einem "Bund". Ein solcher
Bund konnte je nach Glasart unterschiedliche Stückzahlen
haben. Ein Hüttenhundert Römer waren z. B. 26 Stück.
Sie kosteten im Verkauf l Gulden. Die Herstellungskosten
betrugen 12 Albus (1 Gulden = 30 Albus = 240 Pfennig = 60
Kreuzer). Der Gewinn betrug bei Römern also 150 %. Die
Bezeichnung "Rauppe" rührt wohl auch von der
Verpackungsart mancher zylindrischer Gläser her. Sie wurden
aneinander gereiht, mit Stroh umwickelt, und sahen so wie eine
vielgliedrige Raupe aus.
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Bis
zum 18. Jahrhundert bekamen die Glasmacher als Lohn einen Teil
des gefertigten Glases, das sie dann selbst verkauften.
Gundelach zahlte in der Mordach Stücklohn. Ein
Hohlglasbläser erhielt für 100 Wassergläser 0,25
Gulden.
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Da
der dortige Quarzsand sehr eisenhaltig war, konnte nur grünes
Glas, sogenanntes "Waldglas", hergestellt werden. Für
Spiegel und klare Butzenscheiben mußte reiner Quarz
verwendet werden, der vielleicht am "Glasberg"
gebrochen wurde. Abbauspuren finden sich überall an den
Hängen der umliegenden Berge, ob sie die Glasmacher
hinterließen, ist allerdings nicht zu beweisen.
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Butzenscheiben
wurden aus einer kleinen Glasblase hergestellt. Sie wurde mit
einem Spatel geöffnet und geschleudert, so daß sie
unter der Fliehkraft zu einer runden Scheibe aufging. Auf einem
Stein wurde sie nun flach gedrückt und der Rand zur
Verstärkung umgewulstet. Die kalte Scheibe, von der
Glasmacherpfeife getrennt, behielt an der Trennstelle den
"Butzen". Die Herstellungskosten für 100 Stück
betrugen 9 Albus, zu 14 Albus wurden sie, einzeln in Stroh
verpackt, verkauft.
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Ähnlich
verlief die "Mondglas"-Herstellung. Sie ergab nur
wesentlich größere, tellerartige Scheiben von einigen
Kilogramm an Gewicht. Der Glaser schnitt aus ihnen die
benötigten Größen für die bleiverglasten
Fenster und Spiegel zu.
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Neben
Fensterscheiben wurden große Mengen von Spiegelscheiben in
der Mordach hergestellt. Die Landesfürsten, vor allem in
Süddeutschland, bauten in ihre Schlösser
Spiegelkabinette ein. Sie ließen die Räume größer
erscheinen und die darin gesammelten Kunstschätze besser
zur Geltung kommen.
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Die
Spiegelgläser wurden im Streckglasverfahren hergestellt.
Eine geblasene zylindrische Glaswalze wurde an beiden Enden
geöffnet, längs aufgeschlitzt und zu einem Flachglas
auf einer Steinplatte ausgerollt. Diese unregelmäßige
Scheiben mußten geschliffen und poliert werden. Bei
kleineren Scheiben geschah dies von Hand, große wurden zur
Schleifmühle an der Modau transportiert.
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Die
größten in der Mordach hergestellten Scheiben waren
1,10 x 0,81 m groß und kosteten 105 Gulden, später
nach neuer Taxe 135 Gulden. "Kutschengläser"
(Mondglas) hatten als größten Durchmesser 680 mm und
kosteten 12 Gulden.
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Die
Arbeit in der Schleifmühle
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In
der Schleifmühle wurden die Spiegelscheiben mit Gips auf
einem Tisch festgelegt. Eine kleinere Glasscheibe, am Boden
eines rechteckigen Holzkastens befestigt, schliff über die
Spiegelscheibe. Als Schleifmittel dienten Quarzsande und
geschlämmter Schmirgel. Die hin und her gehende
Schleifbewegung wurde durch eine vom Wasserrad bewegte Kurbel
und einem Gestänge
erzeugt. Der Schleifkasten war mit Steinen beschwert, deren
Gewicht den nötigen Schleifdruck erzeugten. Poliert wurde
von Hand mit einem lederüberzogenen Holz. Als Poliermittel
diente Trippel oder Zinnasche.
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Untergang
eines aussichtsreichen Werkes
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1699
war ein gutes Jahr für die Produktion in der
Glasmanufaktur. Aber schon ein Jahr später, am Ende der
Saison im Oktober, liest man in den Akten von Schwierigkeiten.
Der Landgraf hatte für die Erstellung der Glashütte
bereits 14.133 Gulden aufgebracht. Gundelach wollte weitere 10.
bis 12.000 Gulden zum weiteren Ausbau haben.
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Dem
Landgrafen wurde von seinen Beratern empfohlen, sein Kapital aus
dem Unternehmen herauszuziehen, indem er Gundelach die Hütte
für einen jährlichen Zins von 200 Gulden überlassen
und jährlich 100 Gulden seines eingebrachten Kapitals
zurückverlangen sollte. Diesem Rat folgte er aber nicht. Es
ist auch möglich, daß Gundelach auf diesen Vorschlag
nicht einging.
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Gundelach
war offenbar unumschränkter Herrscher in der gesamten
Manufaktur. Im Juni 1702 drängte er den Schleifmeister
Brede aus seinem Amt und stellte dafür Christoph Mick ein.
Er gab den Leuten auf dem Schleifhaus Anweisung, von Brede keine
Befehle mehr anzunehmen. Er selbst wollte dem Landgrafen darüber
berichten.
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Der
Kammerschreiber Zühl mißtraute ihm aber und schrieb
an seinen Herrn: "Ich sorge, wann dem Gundelach dieser
Streich angehet, daß er dergleichen noch mehr ausübe,
mit dieser und anderen Passionen aber das Werk zum Untergang
befördern wird". Er schlug vor, Brede ein Jahr zu
halten, da wohl kein besserer Schleifmeister zu bekommen sei.
Nach Ablauf des Bestandjahres von Mick, sollte man Brede wieder
einstellen.
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Der
Faktor Bergmeister war Gundelach gegenüber ebenfalls
machtlos. Er war von Darmstadt auf die Bohlenmühle gezogen,
um bessere Aufsicht auf das Werk zu haben. Kummer bereitete ihm
vor allem, daß ihm nicht ständig ein Pferd aus dem
Marstall in Darmstadt zur Verfügung stand.
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Auch
scheint ihn die Anlegung eines Hausgartens bei der Bohlenmühle
mehr beschäftigt zu haben als die Geschäfte der
Manufaktur. Er beschwerte sich in einem Brief an den Landgrafen
über Gundelach, daß dieser ihm die ganzen
Bestellungen und Anschaffungen auf den Hals lade, nur um selbst
die Verantwortung los zu werden. Auch der Glasschneider Jacob
aus Eberstadt beschwerte sich, daß Gundelach nicht das
versprochene Glas lieferte. Er habe keine Aussicht, daß
dies besser werde, da dem Glasmeister keine geeigneten Leute zur
Verfügung stünden und sie kein feines Glas zu Wege
bringen.
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Gundelach
war in der Tat ein eigenwilliger Mann. In erster Linie auf
seinen Vorteil bedacht, brachte er zum Gelingen des Werkes wenig
zustande. Dies bestätigte sich auch später in
Spiegelberg bei Heilbronn, wohin er 1705 mit großen
Schulden abging. Auch dort entließ man ihn 1712 nach
vielen Querelen und großer Erfolgslosigkeit. Man hatte ihn
ohne die übliche Prüfung seines Könnens
angenommen, da er aus einer der berühmtesten
Glasmacherfamilien Hessens stammte und zum anderen aus Darmstadt
einige Römer und Spiegel nach Stuttgart geliefert hatte,
die seine Tüchtigkeit "bewiesen". Auch sein
Favorit Mick tauchte mit ihm zusammen in Spiegelberg auf.
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Mit
Gundelachs Weggang im Jahre 1705 ging auch die Manufaktur in der
Mordach zu Ende.
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Die
Gebäude der Spiegelhütte verkaufte der Landgraf 1705
an Johann Georg Frankenberger, zusammen mit sieben Morgen Feld,
für 350 Gulden. Frankenberger war Müller auf Heil
Eberhards Mühle, der Mittleren Schachenmühle. Er baute
die Spiegelhütte zu einer Mahlmühle um.
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1707
kaufte Johann Ludwig Braun, der ehemalige Schleifmüller,
die zur Glashütte gehörende Langwiese und erbaute
darauf eine eine Mahl- und Schneidmühle, die heutige
Frankenbergersmühle.
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Der
Landgraf versuchte, durch die Verkäufe zu retten, was noch
zu retten war, um wenigstens noch einen Teil seines
aufgewendeten Kapitals
zurückzuerhalten. Wahrscheinlich wurden beim Bau der beiden
Mühlen die Glashütte und das Stampfwerk abgerissen und
als Baumaterial verwendet.
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Ein
hoffnungsvolles Unternehmen war schnell zu Grunde gegangen.
Landgraf Ernst Ludwig hatte am Ende wieder einmal ein paar
tausend Gulden Schulden mehr.
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Die
Betriebsorganisation in der Glasmanufaktur
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Die
Glas- und Spiegelhütte an der Mordach liegt ca. 2 km von
der Spiegelschleifmühle an der Modau entfernt. In der
Mordach war der Wald besser zugänglich, aber die
Wasserkraft reichte nur für das Stampfwerk aus. Das
Spiegelschleifwerk mit seinem großen Kraftbedarf richtete
man an der Modau ein.
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Als
kaufmännischen Leiter des gesamten Unternehmens setzte
Landgraf Ernst Ludwig den "Glas-Factor" Johann Adam
Bergmeister ein. Ursprünglich leitete dieser von Darmstadt
aus die Geschäfte, mußte dann aber seine Wohnung auf
der Bohlenmühle nehmen, was ihn vom städtischen Leben
in der Residenz völlig ausschloß und ihn äußerst
unglücklich machte. Mit seinem "Spiegelmeister"
Johann Georg Gundelach lag er in ständiger
Auseinandersetzung um die Führung der Geschäfte.
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Im
Kirchenbuch von Nieder-Beerbach taucht 1705 ein "Spiegel-factor
bei der Hütte", Bernhard Christoph Brehm, auf. Es
scheint so, als habe man für die Spiegelhütte an der
Mordach einen eigenen Faktor eingestellt oder Brehm hat
Bergmeister in der Gesamtleitung abgelöst.
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Johann
Georg Gundelach war der technische Leiter der Gesamtmanufaktur
und speziell für die Spiegelproduktion verantwortlich. Dort
stand ihm noch der "Spiegelmeister" Johann Georg
Kendlen zur Seite.
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Johann
Georg Wenzel, "Glasmachermeister", war zuständig
für die Hohlglasproduktion am Schmelzofen in der Mordach.
Er war bis 1698 Hüttenbeständer der Glashütte bei
Königstein im Taunus gewesen. Wegen hoher Verschuldung
mußte er die Hütte aufgeben, behielt aber das Recht,
jederzeit am dortigen Ofen arbeiten zu können. Der
Erzbischof von Mainz räumte ihm dieses Privileg ein, da er
als ein hervorragender Glasmeister galt.
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"Fürstlicher
Schleifmeister" in der Schleifmühle an der Modau war
Asspalt Brede. 1702 setzte Gundelach an seiner Stelle Christoph
Mick ein. Kammerschreiber Zühl riet aber dem Landgrafen,
Brede, der ein guter Schleifmeister sei, zu halten. Brede
scheint auch nach Schließung der Manufaktur noch für
den Landgrafen tätig gewesen zu sein, denn 1709 ließ
dieser bei Brede ankündigen, daß er noch "einige
große Siebener Stücke" anfertigen lassen wolle.
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Drei
"Spiegelmeister" mit Namen Johann Georg Gundelach
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Bei
der Nachforschung über den Lebensweg von Johann Georg
Gundelach bin ich auf einige überraschende Schwierigkeiten
gestoßen. Drei Männer gleichen Namens hatten mit der
Hütte in der Mordach zu tun:
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Hans
Georg Gundelach (I), Sohn aus 1. Ehe des Breitenborner
Hüttenmeisters Henrich Gundelach, war 1665, zusammen mit
seinem Vater und drei weiteren Glasmachern, Beständer der
Breitenborner Glashütte. 1696 wird er im dortigen
Einwohnerverzeichnis genannt. In einem Schreiben vom 5. 8. 1704
aus Frankfurt beklagte er sich beim Grafen Carl August von
Ysenburg, daß er von der Erbschaft seines Vaters
ausgeschlossen sei. Er unterschrieb mit: "Johann Georg
Gundelach, Spiegelmeister auff der Fürstl. Hütten
Darmstadt und hochgräfl. Hanauischen Glashütte".
Die hessen-darmstädtisehe Hütte an der Mordach wurde
1706 geschlossen. 1707 starb er in Breitenborn.
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Johann
Georg Gundelach (II), Sohn von (I), leitete zwischen 1705 und
1712 die Glashütte in Spiegelberg bei Heilbronn. Er nannte
sich "Landgräflich hessisch-hanauischer
Spiegelmeister", und gab an, als Spiegelmeister in Neustadt
an der Dosse und in der Mordach bei Eberstadt gearbeitet zu
haben. Beides kann nicht stimmen. Es sei denn, er habe die Hütte
in der Mordach an Stelle seines Vaters geleitet. Vielleicht auch
mit diesem zusammen? Gundelach war jedenfalls in Stuttgart durch
die Lieferung sogenannter "flammischer Scheiben" nach
Ludwigsburg und einiger Trinkgläser für den Hof
bekannt geworden. Flammische Scheiben sind geschleuderte runde
Butzen- oder Mondglasscheiben. Erst im Laufe seiner Tätigkeit
in Spiegelberg entdeckte man, daß er in Darmstadt "mit
großem Schaden und vielen hinterlassenen Schulden"
weggegangen war. Nun entließ man ihn auch hier 1712 wegen
Unfähigkeit in der Leitung der Hütte. Warum hatte er
sich aber als Spiegelmeister aus Neustadt an der Dosse
ausgegeben?
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Der
wirkliche Neustädter Spiegelmeister war Johann Georg
Gundelach (III). Er wurde wahrscheinlich in Auerbach 1662
geboren und kam 1664 mit seinen Eltern nach Lüttich und
1681/82 nach Altmünden, wo der Vater die dortige Glashütte
gründete. 1688 wurde er von Landgraf Friedrich von
Hessen-Homberg als Spiegelmeister nach Neustadt a. d. Dosse
berufen.
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Im
gleichen Jahr noch heiratete er Catharina Margarete Eck, Tochter
des Amtmannes Liberius Eck von Neustadt. 1694 ging die
Neustädter Glashütte in den Besitz von Kurfürst
Friedrich III. von Brandenburg über. Dieser berief ihn 1695
an die Kristallhütte in Berlin. Diese Hütte hatte bis
1692 der berühmte Johann Kunckel geleitet, der Erfinder des
Goldrubinglases. 1679 hatte er sein Buch über die
Glasmacherkunst "Ars vitraria experimentalis"
veröffentlicht. Nun trat Gundelach, nach kurzer
Zwischenleitung durch einen Franzosen Tournay, die Nachfolge
Kunckels an.
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1698
reichte Gundelach seinen Abschied in Berlin ein und begab sich
nach Hessen, wo er vorübergehend bei Johann Heinrich
Gundelach, dem Halbbruder von Johann Georg (I) wohnte. Ob
verwandtschaftliche Beziehungen bestanden, ist nicht bekannt.
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Auf
der Suche nach neuer Betätigung kam der Spiegelmeister nach
Königstein im Taunus zur Hütte des Hans Georg Wenzel,
der sie wegen hoher Verschuldung abtreten wollte. Dort traf er
den Franzosen Tournay mit seiner Glasblsermannschaft bei der
Arbeit am Ofen, der ihm den Zutritt verwehrte. Gundelach hatte
aber auch Angebote aus Homburg und Hessen-Darmstadt, wo er
beidemal Proben ablegen sollte. Wie der Königsteiner
Rentmeister nach Mainz berichtete, traf Gundelach einen Reiter
der Hessen-Darmstädtischen Leibgarde, der ihm einen
Kontrakt zur Errichtung einer Glashütte in der Mordach
Überreichte. Gundelach werde sich demnach mit dem
seitherigen Königsteiner Hüttenmeister Hans Georg
Wenzel in Darmstadt engagieren. Beide sollten aber weiterhin
auch in Königstein für den Mainzer Erzbischof Glas
machen können, der Darmstädter Kontrakt lasse dies zu.
Gundelach (III) starb am 22. Juni 1701 in Altmünden.
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Hans
Georg Wenzel taucht als Glasmachermeister 1699 in der Mordach
auf. Ein anderer Gundelach, (I) oder (II), übernahm die
Stelle als Spiegelmeister und profitierte in der Folge von der
Berühmtheit seines Namensvetters.
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Gläser
aus der Manufaktur an Mordach und Modau
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Trotz
jahrelanger intensiver Bemühungen ist es seither noch nicht
gelungen, Produkte aus der Glasmanufaktur zu finden. Ebenso ist
der genaue Standort des Glasofens und der anderen Hüttengebäude
nicht bekannt. Am vermutlichen Standort des Ofens wurden
Glasfragmente und Schlacken als Lesefunde sichergestellt. An den
Scherben ist zu erkennen, daß dickwandiges, grünes
Waldglas, klares "Kristallinglas" und weißes
"Beinglas" mit blauer Fadeneinlage hergestellt wurden.
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1896
soll bei dem Brand in der Glashüttenmühle auf dem
Dachboden eine Kiste mit letzten Glasresten vernichtet worden
sein. 1965 tauchten nochmals Gläser auf, die inzwischen
aber leider verschollen sind.
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