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Geschichte
--> Mühltals Mühlen
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Stand:
23.07.2009
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Mühlen,
Bäcker, Manufakturen: Wohlstand für das
ganze Tal
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Autor: Karl-Heinrich
Schanz


 Krieg
und Not


Landgraf
Ernst Ludwig von Hessen (1667-1739), Förderer der
Mühlenwirtschaft, die für ihn eine lukrative
Einnahmequelle war (Gemälde
von Johann Christian Fiedler im Schloßmuseum
Darmstadt)

Die
Symbole in den Wappen und Hoheitszeichen beschreiben „amtlich“,
was Arbeit und Brot den einen, anderen sogar einen bedeutenden
Wohlstand brachte.

Das
Wappen der Gemeinde Mühltal mit Mühlrad und Brezel als
Symbole des ehemals bedeutenden Müller- und Bäckerhandwerks
im Mühltal.

Die
älteste Darstellung dieser Zeichen findet sich im Siegel auf
einer Urkunde der Gemeinde Nieder-Ramstadt aus dem Jahr 1635. Aus
dem gleichen Jahr stammt das nahezu identische Siegel Traisas, in
dem logischerweise die Haue als Symbol für das
Müllerhandwerk fehlt, weil Fließgewässer zur
Nutzung der Wasserkraft in Traisa fehlen.



Die
drei Mühlengründungen des Landgrafen in
Nieder-Ramstadt: Papiermühle, Glasschleifmühle, Glashüttenmühle
(auf dem Standort des heutigen Hauses Burgwald). Klick ins
Bild ergibt Lageskizze

Eine
Wanderung nach Müllers Lust zu 31 ehem.
Mühlenstandorten im Mühltal:


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Trotz
immer neuer Kriegswirren und Zerstörungen
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Der
Wohlstand der Dörfer Nieder-Ramstadt und Traisa gründete
sich auf den groß ausgedehnten Handel mit Getreide, Mehl
und Backwaren.
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Dies
drückt sich auch in den identischen Symbolen in den
Gerichtssiegeln für Nieder-Ramstadt und Traisa von 1635 aus
– wobei die Mühlhaue im Traisaer Hoheitszeichen fehlt,
weil (in Ermangelung von Mühlen in Traisa) nur Traisaer
Bäcker Mitglied der Nieder-Ramstädter Müller- und
Bäckerzunft waren.
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Unter
der zweiarmigen Mühlhaue sind Brezel und Spitzweck
abgebildet, ein Zeichen der überragenden Bedeutung von
Müllern und Bäckern in der Dorfgemeinschaft.
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Aber
schon 1630 hatte der furchtbare Krieg erste Lücken
geschlagen. 1622 waren die Mansfeldischen Söldner mordend
und brennend im Dorf eingefallen. 1634 hausten die Schweden
furchtbar unter der Bevölkerung. Viele Mühlen an der
Modau wurden geplündert und zerstört, manche ging für
immer unter.
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In
Nieder-Ramstadt wurden die beiden Bruchmühlen am meisten
betroffen. Erst 1667 wurden sie von Landgraf Ludwig VI. an Wendel
Treyser, Peter Zehe und Peter Walter als Erbleihe verliehen,
nachdem sie an die vierzig Jahre lang verfallen waren und „kein
Stein auf dem anderen gewesen". Die Erbleiher mußten
sich verpflichten, gegen vorläufige Erlassung der Pacht, die
beiden Mühlen auf eigene Kosten wieder aufzubauen.
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Der
Landgraf, für den die Mühlen eine gute Einnahmequelle
bedeuteten, war sehr daran interessiert, daß dieses Gewerbe
wieder in Gang kam. Aber noch lange beklagten sich die Müller
über schlechte Einnahmen in dem entvölkerten Land, das
über 100 Jahre brauchte, um sich von dem schrecklichen Krieg
gänzlich zu erholen.
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1672
baten die Besitzer der Brückenmühle um einen
Pachtnachlaß,
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„da
also das Mahlwerk fast ganz zu grund gehen will, nachdem hiebevor
auch an hiesigem Ort in die 136 Mann gewohnt, jetzo aber sich
nicht über 30 Mann befinden".
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Gut
Dreiviertel der Bevölkerung waren dem Krieg zum Opfer
gefallen.
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Und
schon wieder, 1691/93, wüteten die Truppen des
Franzosenkönigs Ludwig XIV. im Lande. Noch 1750 berichtete
der Schultheiß von Nieder-Ramstadt, daß in der
Brückenmühle „seit mir gedenket, 12 Müller
waren". Keiner konnte „dabei bestehen, alle sind
darinnen verdorben". Nach 100 Jahren zeigten sich noch die
verheerenden Nachwirkungen der Kriege.
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Der
Versuch zur Gründung von Manufakturen an Modau und Mordach
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Um
1690, unter Landgraf Ernst Ludwig, gab es in Nieder-Ramstadt noch
immer 7 Mühlplätze. Die Quicksmühle hatte sich
allerdings zu drei selbständigen Mühlen und die
Bruchmühle zu zwei gewandelt, weshalb jetzt zehn Mühlen
genannt werden. Sie wurden nicht mehr genossenschaftlich
betrieben.
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Um
1690, unter Landgraf Ernst Ludwig, gab es in Nieder-Ramstadt noch
immer 7 Mühlplätze. Die Quicksmühle hatte sich
allerdings zu drei selbständigen Mühlen und die
Bruchmühle zu zwei gewandelt, weshalb jetzt zehn Mühlen
genannt werden. Sie wurden nicht mehr genossenschaftlich
betrieben.
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Aus
einem Namensverzeichnis der Bauerngüter gehen 59 Hofreiten
hervor, davon sind 10 Mühlen:
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1)
Die Untere Schachenmühle mit zwei Mahlgängen Besitzer:
Jacob Ganß
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2)
Obere Quicksmühle mit zwei Mahlgängen Besitzer:
Wendel Krug
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3)
Mittlere Quicksmühle mit einem Mahlgang Besitzer: Peter
Nungeßer
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4)
Untere Quicksmühle mit einem Mahlgang Besitzer: Christoph
Geyer
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5)
Brückenmühle mit zwei Mahlgängen Besitzer: Joh.
Gg. Frankenberger
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6)
Anstaltsmühle mit einem Mahlgang Besitzer: Peter
Luckhaupt
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7)
Schneckenmühle mit einem Mahlgang Besitzer: Paul Nungeßer
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8)
Obere Bruchmühle mit zwei Mahlgängen Besitzer:
Andreas Zeh
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9)
Untere Bruchmühle mit zwei Mahlgängen Besitzer:
Jacob Richtmeyer
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Die
Alte Bohlenmühle wird hier nicht genannt. 1688 trat sie
Henrich von Bohlen an den Landgrafen ab, der hier eine
Glasschleifmühle errichten wollte. Bohlen erbaute die elfte
Mühle, die „Neue Bohlenmühle".
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Auf
einem weiteren Mühlplatz entsteht um 1695 eine andere Mühle,
die Papiermühle, deren erster Pächter Valentin Schreyer
war. Landgraf Ernst Ludwig, ein starker Förderer der
Gewerbe, hatte sie am Beginn des engen Taleinschnittes unterhalb
der Kohlberge anlegen lassen.
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Um
die gleiche Zeit betrieb er den Aufbau der Glashüttenmühle
auf der „Scheuerwiese" im Mordachtal. Eine Hälfte
der Alten Bohlenmühle (die spätere Schleifmühle)
ließ er zu einem Spiegelschleifwerk ausbauen und
verpachtete die andere Hälfte als Mahlmühle an Johann
Georg Frankenberger.
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Schon
1705 ging dieses groß angelegte Unternehmen, Glashütte
mit Schleifwerk, wegen vielfältiger Widrigkeiten wieder ein.
Beide Mühlen wurden zu Mahlmühlen umgebaut. Inzwischen
wurde 1703 von Peter Zeh die oberste Mordachmühle und um
1707 von Wilhelm Braun die letzte Mahlmühle in der Mordach,
die spätere „Frankenbergersmühle",
errichtet.
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Wiederum
liefert uns ein Verzeichnis der Pfungstädter Zent von
1742/43 die Namen der Betreiber der inzwischen auf 16
angewachsenen Wassermühlen in der Nieder-Ramstädter
Gemarkung:
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1)
Untere Schachenmühle Johann Adam Krug 2) Obere
Quicksmühle Wendel Krug 3) Mittlere Quicksmühle
Johann Peter Nungeßer Erben 4) Untere Quicksmühle
Nicolaus Frankenberger 5) Brückenmühle „ist
eigen 6) Schneckenmühle Daniel Spengler 7)
Luckhauptische (Anstalts-) Mühle Luckhauptische Witib 8)
Obere Bruchmühle Jakob Krug 9) Untere Bruchmühle
Johann Wiemer 10) Papiermühle Johann Heinrich Illig, „ist
herrschaftlich in Erbbestand" 11) Schleifmühl Johann
Dieter, „ist herrschaftlich in Erbbestand" 12) Alte
Bohlenmühle Johann Albert Bayer, „ist herrschaftlich
in Erbbestand" 13) Mordachmühle Johann Jacob Zehn,
„ist eigen" 14) Glashüttenmühl Carl
Breitwieser, „ist herrschaftlich in Erbbestand" 15)
Braunische Mühl Ludwig Braun Wtw., „ist eigen" 16)
Neue Bohlenmühl Christoph Spengler, „ist
herrschaftlich in Erbbestand"
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Fünf
Mühlen gehörten also dem Landgrafen, der sie in
Erbpacht verpachtete. Drei Mühlen waren in privater Hand,
also Eigentumsmühlen, die restlichen acht haben ebenfalls
Privatbesitzer, standen aber offenbar in einem bestimmten
Abhängigkeitsverhältnis zum Landesherren.
Wahrscheinlich waren sie mit dem „Wasserfall"
beerblehnt, aber mit der Mühle selbst abgabenfrei.
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Erstaunlich
ist, daß alle diese Mühlen trotz ständiger
Kriegszeit bestehen konnten. Neue kamen sogar hinzu. Viel
Kriegsvolk wollte viel essen. Getreide war noch das
Hauptnahrungsmittel.
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Fortsetzung:

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