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Geschichte --> Wandern zu Mühltals Mühlen nach Müllers Lust

Stand: 15.11.2011

 

 

 



















1. Wander-Abschnitt

Autor:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer




Start: Wackerfabrik
Ziel: Schloßgartenplatz


Start: Linie O „Wackerfabrik“
Ziel: Linie N und NE „Bachgasse“


Wanderstrecke 1,7 km
Wanderzeit 30 min



Kartenskizze:
(220 KB)

Die Wanderstrecke ist durchgehend mit dem gelben L („Lehrpfad“) gekennzeichnet.




Die Oberste Schachenmühle



Die obere Mittlere Schachenmühle


Die untere Mittlere Schachenmühle

Die Unterste Schachenmühle


Typhus in Nieder-Ramstadt:




Die Quellfassung
der ersten Nieder-Ramstädter Trinkwasserleitung auf der ersten Weide unter dem Kaiserberg ist noch erhalten. Das nach wie vor sprudelnde Wasser wird in den nahen Mittelbach abgeleitet und von einer benachbarten Gärtnerei genutzt.

Die Obere Quicksmühle


Die Mittlere Quicksmühle


Die Untere Quicksmühle




An der Modau entlang

zur Ortsmitte Nieder-Ramstadt an der ehemaligen Brückenmühle.

Die Brückenmühle




Anderer Rückweg :


Auf dem Rückweg:

Die Waldmühle
auf der Modau
(zu Ober-Ramstadt):





2. Wander-Abschnitt:

Von den Schachenmühlen zur Brückenmühle

 

 


Wackerfabrik
Restaurant


Wackerfabrik

Wir treffen uns auf dem Parkplatz der Wackerfabrik in der Ober-Ramstädter Straße, am Ortsausgang Nieder-Ramstadts ( B 449 in Richtung Höchst im Odenwald). Kraftfahrer können dank eines Entgegenkommens der Eigentümer den Parkplatz benutzen; sofern sie nicht als ganze Flotte einfallen!

Die Wackerfabrik steht in ihrem Kern auf dem Grund der ehemaligen Firma Wacker und Dörr, die um 1900 als Industriebetrieb zur Verarbeitung von Bakelit entstand, der knapp hundert Jahre lang vielen hundert Arbeitern und ihren Familien im Vorderen Odenwald Arbeit und Brot bot.

 

Auf dem Gelände der Wackerfabrik überqueren wir die Modau, die bis dahin flußaufwärts in den Gemeindegebieten Modautal und Ober-Ramstadt schon fleißig Mühlräder gedreht hatte. Hier kommt sie, ohne müde geworden zu sein, in der Gemarkung Nieder-Ramstadt an (und damit im Gemeindegebiet Mühltal).

 

Auf der Rückseite der Wackerfabrik erreichen wir den Schachenmühlenweg. Wir biegen nach links, den hohen Damm der Odenwaldbahn entlang. Man beachte die 1871 entstandene Unterführung durch den Damm, auf dem die Gleise der Odenwaldbahn verlegt sind. An einer zweiten Unterführung kommen wir später etwas näher noch vorbei. Diese beiden gewölbten Bahnunterführungen an den Schachenmühlen sind für den aufmerksamen Betrachter steinerne Zeugen großen handwerklichen Könnens der Steinmetze.

 

Die ohne Mörtel aus Granitblöcken gesetzte Stützmauer verdient größte Bewunderung. Tunnel- und Brückenbauten im weiteren Verlauf der Odenwaldbahn, wie z. B. der Krähbergtunnel und das Himbächelviadukt bei Hetzbach, steigern diese Bewunderung.

 

Schon haben wir die ersten, dicht zusammengebauten Mühltaler Mühlen erreicht, nämlich die vier Schachenmühlen. Die drei oberen, also die drei ersten, die wir erreichen, liegen in der Gemarkung Ober-Ramstadt, sind aber immer Mühltaler Mühlen gewesen: Sie liegen zwar nicht im Gemeindegebiet, wohl aber in der Landschaft des Mühltales. Und vor allem: In ihrer "aktiven Zeit" gehörten sie zur Bäcker- und Müllerzunft in Nieder-Ramstadt. Erst seit nach dem Dreißigjährigen Krieg werden sie zu Ober-Ramstadt gezählt.


Ende!

Das nächste Gehöft ist die ehemalige Unterste Schachenmühle, die einzige Schachenmühle auf Nieder-Ramstädter, also heute Mühltaler Gemeindegebiet. Leider hat sich ihr Bild als fränkische Hofreite auch in jüngster Zeit noch einmal stark verändert, so daß man nicht von einem architektonischen Kleinod sprechen kann.

 

Links schweift der Blick zum Lohberg "schmuck im Villenkranz", wie die Einheimischen in ihrem Heimatlied singen. Seine Bebauung begann Anfang des vergangenen Jahrhunderts, als die Fabrikanten Wacker und Dörr nicht nur sich selbst herrliche Villen an Waldrand und Berghang errichteten, sondern auch fortschrittliche Arbeiterwohnungen für ihr Personal in der jungen Fabrik. Mit ihrer sozialen Arbeitgeberhaltung waren sie ihrer Zeit weit voraus, Ausfluß wohl ihrer ausgeprägt christlichen Haltung. Sie schufen das heutige Haus der Landeskirchlichen Gemeinschaft und richteten den ersten Kindergarten Nieder-Ramstadts ein.

 

Vorsicht: Unmittelbar nach dem Hof weist die Wander-Markierung gelbes V nach links (auf vielbefahrene Bundesstraßen!); wir folgen dieser unverständlichen Empfehlung nicht! Wir gehen den Weg geradeaus an einem Gartenbaubetrieb entlang.

 

Rechts führt die andere Unterführung durch den Bahndamm in das Mittelbachtälchen, die "Zigeunerbrücke", weil fahrendes Volk in früherer Zeit unter der Unterführung gerne genächtigt hat. Durch das Tälchen lohnen schöne Spaziergänge nach Traisa, Roßdorf, Ober-Ramstadt und Darmstadt. „Die" Mittelbach ist konsequenterweise das mittlere von drei Bächlein, die der Modau zwischen Schachenmühlen und Quicksmühlen von rechts zufließen. Gleich hinter der Unterführung findet sich mitten auf der ersten Wiese eine alte Quellfassung (s. Foto rechts): Die älteste Wasserleitung im Tal, die sich der reiche Müller von der Oberen Quicksmühle nach einer Typhusepidemie 1892 bauen ließ.

 

 

 

Zu den Mühlen im Dorf

 

 

 

Wenig schön ist jetzt Anblick rückwärtiger Werkstätten, an denen wir aber schnell vorüberkommen. An der Tankstelle überqueren wir die Bundesstraße 449 . Wegen des dichten Fahrzeugverkehrs ist besondere Umsicht geboten, um genau gegenüber einen bequemen Uferweg entlang der Modau zu erreichen. Der eigenartige künstliche Wasserfall („die Wehrplatte“) ist Relikt vergangener Mühlentechnik: Hier wurde ein Teil des Modauwassers abgeschlagen, d.h. abgeleitet in einen Mühlgraben, der ehemals diagonal durch die Wiesen floß, auf denen wir heute die TSV-Sportanlagen rechts unseres Weges sehen.


Chausseehaus

Zwischen den Tennisplätzen zweigt ein Weg über die Sportstätten ab, über den wir nach 200 m das Chausseehaus erreichen, das zur Einkehr einlädt, leider nur abends und an Wochenenden zu gesicherten Öffnungszeiten.

 

Wer nicht einkehren will, braucht nicht abzuzweigen, sondern folgt weiter dem Modauuferweg. Wenn wir die ebenfalls verkehrsreiche Kilianstraße und dann den Modausteg überschritten haben, befinden wir uns auf der Rückseite der Quicksmühlen jenseits der Modau, zu sehen allerdings nur, wenn das dichte Ufergehölz nicht belaubt ist. Die drei Quicksmühlen waren lange Zeit die größten (und reichsten!) an der Modau. Was heißt „an der Modau"? Die Modau fließt ja an den ehemaligen Mühlengebäuden in ansehnlichem Abstand vorbei! Und dabei noch so viel tiefer, als daß sie ein Mühlrad hätte antreiben können!

 

Ja, deshalb mußte der Mühlgraben so weit oberhalb des Flußlaufes an der Wehrplatte abgeschlagen werden, um dann in sanfterem Gefälle als demjenigen des Hauptflusses durch die Mühlen geführt zu werden.

 

Wir bleiben auf dem Uferweg und kommen zu einer Fußgängerbrücke, die noch immer die Spuren des Hochwassers von 1963 zeigt. Vor dem nächsten Steg über die Modau der zweite kleine Wasserfall: Auch er ist übrig geblieben von einem Wehr, von dem der Mühlgraben zur Brückenmühle abgeschlagen wurde. Wir spazieren auf dessen ehemaliger Trasse bis in die Ortsmitte Nieder-Ramstadts, von dessen mittelalterlicher Bausubstanz, vor allem von den schönen Fachwerkhäusern, fast nichts mehr übriggeblieben ist.


Gaststätte
Brückenmühle


Ziel: Linie NE „Bachgasse“

Am modernen Rathaus mit Bürgerzentrum führt eine Betonbrücke über die Modau, die die jahrhundertealten Sandsteinbögen in der „Betonzeit“ der sechziger Jahre ohne Not ersetzte. Die modernen Gemeinschaftseinrichtungen linker Hand dienen seit den achtziger Jahren dem örtlichen Gemeinschaftsleben und sind dem Ortsbild besser angepaßt als andere Ersatzbauten für vernichtete historische Bausubstanz. Die Restauration im "Bürgerzentrum" hat wenigstens den Namen der Brückenmühle bewahrt, die mit ihrem Bruchstein-Mauerwerk zusammen mit dem traditionellen Fachwerk-Ensemble das Ortsbild prägte.

 

 

Wer hier umkehren möchte

 

 

 

kann, braucht aber nicht den gleichen Weg zu gehen. Unser Wandervorschlag ist ein wenig länger als der seitherige Hinweg.

 

Wer auf Müllers Lust-Wanderung weiter gehen möchte, wählt den 2. Wander-Abschnitt.