Geschichte > Wandern nach Müllers Lust: Die Wege

Stand: 31.12.2008






















Rückweg
nach dem 1. Wanderabschnitt

Die Autoren:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer


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Start: Schloßgartenplatz
Ziel: Wackerfabrik


Start: Linie NE „Bachgasse“
Ziel: Linie O „Wackerfabrik“

Kartenskizze:

(220 KB)


~ 90 Minuten

Die Waldmühle
auf der Modau
(zu Ober-Ramstadt)


Klick in die Minibilder ergibt größere Ansicht



Blick vom Schloßgartenplatz, Standort des ehemals größten Hofes („Schloß“)


Von der Brückenmühle zu den Schachenmühlen




Gaststätte
Brückenmühle

Vom Bürgerzentrum, den Standort der ehemaligen Brückenmühle, beginnt ein ansprechender Rückweg über östliche Anhöhen. Wir überqueren geradeaus die Dornwegshöhstraße und treffen auf ein Denkmal, das auf die bedeutsame Geschichte des Mühlengewerbes für die Menschen im Mühltal aufmerksam macht: Das Getriebe einer ehemaligen Wassermühle. Das Denkmal und die kleine Grünanlage befinden sich dort, wo einst das Wasser im Mühlgraben nach getaner Arbeit in der Brückenmühle wieder seinen Weg zurück zur mütterlichen Modau suchte.


Bachgasse

Zwischen dem Mühlgraben und der Modau entstand vor dessen Einmündung eine kleine Halbinsel, auf deren Wasen vor der Zeit von Waschmaschinen und Wäschetrocknern die Frauen ihre Weißwäsche bleichten. Einheimische haben den Namen der Halbinsel „Bleiche“ auf die Grünanlage übertragen, die nach der Verfüllung des Mühlgrabens entstanden war. Leider haben die Verantwortlichen in der Gemeinde keinen anderen Platz gefunden, um Mühltals französische Schwesterstadt Nemours mit einem Straßennamen zu ehren, so daß der historische Namen „Bleiche“ in Vergessenheit geraten wird.


Am Ende des Weges durch den kleinen Nemoursplatz – amtlich in Nachahmung des Französischen „Platz Nemours“ genannt – geht unser Rückweg nicht geradeaus in die Pfaffengasse, einen nicht abgebrochenen „Rest“ von Nieder-Ramstadts „Altstadt“, sondern scharf links den „Schulbuckel“ kurz, aber steil bergauf. Schulbuckel deshalb, weil das Fachwerkhaus oben links auf der Höhe die erste Schule für das Kirchspiel Nieder-Ramstadt, Traisa und Waschenbach war, und zwar seit 1583.


Wir überqueren (sehr vorsichtig!) die Bundesstraße 426. Links: Auf dem höchsten Punkt des alten Dorfes steht die Kirche. Der Turm ist 32 Meter hoch, sein unterer Teil stammt aus dem 13. Jh. Die Eingangspartie der Kirche war einst Standort des Rathauses. Wir gehen entlang des Kirchhofes, der einst Friedhof war, aber als solcher 1897 aufgelassen und erst mit dem Kindergartenbau (fertiggestellt 1969 und erweitert 2004) beseitigt wurde.


Wir befinden uns in dem Gäßchen „An der Zehntscheuer“, die wir an dessen nahem Ende auch erreichen: In dem wenig ansehnlichen Haus rechts und in den Gewölben unter dem hübschen Wohnhaus links wurde der Zehnte, das waren die Abgaben von allen Einkünften der Steuerpflichtigen an den Landesherrn, in natura gesammelt und gelagert.


Wir gehen links und gleich wieder rechts, um die Münstergasse geradeaus aufwärts zu steigen.


Die Bedeutung des Straßennamens Münstergasse ist nicht geklärt, obwohl sie im alten Dorf zur Kirche und zum ehemaligen Pfarrhaus führt. Geklärt ist aber die hohe Bedeutung der Münstergasse als historische Straßenverbindung vom oberen Modautal ins Mühltal, bevor moderne Straßenbauten und Verkehrsmittel die vorteilhafteren Trassen entlang des Talbodens anboten.


Wir gehen geradeaus, auch am ersten Abzweig, dem Fahrradwegweiser nach Brandau folgend.


Beim sanften Anstieg lohnt der Blick nach rechts (nach Südwesten) über den Talkessel zu dem Höhenzug der Bergstraße mit der Mühltaler Hausburg, dem Frankenstein.


Unmittelbar im Süden, fast zum Greifen, liegt der kleine Bergrücken der Schmallert, die von einem Straßentunnel im Zuge der Bundesstraße 426 durchbohrt wird, der aber nicht folgerichtig Schmallerttunnel, sondern Lohbergtunnel nach einer benachbarten Erhebung amtlich benannt wird.


Die Hänge dieser Schmallert sind tief gegliedert und terrassiert zur Erleichterung des Weinbaues und zum besseren Gedeihen der Beeren, die über Jahrhunderte Nieder-Ramstadt zu einer nicht unbedeutenden Weinbaugemeinde gemacht hatten. Die ehemalige Gemeinde Nieder-Ramstadt führte deshalb sogar im amtlichen Wappen neben der Brezel als Symbol für das wirtschaftlich dominierende Müller- und Bäckergewerbe ein Rebenblatt.


Beobachten Sie etwas rückwärts gewandt die Aussicht durch die Tallenge des Mühltals über die Oberrheinische Tiefebene bis ins rheinhessische Hügelland und in den Pfälzer Wald. Bei klarer Sicht erkennt man den massigen Donnersberg, die höchste Erhebung in der Pfalz. Oben an der Wegegabelung folgen wir wieder dem Wegweiser für Radfahrer nach rechts.


Wir durchschreiten einen kurzen Hohlweg und gehen weiter bis zum Waldrand. Wir biegen nach links in den Wald hinein (nicht in den Waldrandweg) und folgen nach wenigen hundert Metern seinen Schleifen nach unten. Dort erreichen wir zwei ehemalige landwirtschaftliche Gehöfte. In einem ist inzwischen eine Einrichtung zur Betreuung von Kindern entstanden, „Kids care“.


Weiter talwärts stehen wir vor den Toren Ober-Ramstadts, biegen aber vor der Bundesstraße nach links und überwinden auf asphaltiertem Weg eine Erhebung. Unten angekommen stehen wir vor dem steinigen Aushub aus dem Straßentunnel. Uns interessiert aber mehr die Fußgängerschutzanlage rechts, die uns jenseits der Straße unmittelbar zur Waldmühle bringt.


Waldmühle


Wackerfabrik

Es ist die dritte Waldmühle in unseren Beschreibungen der Wanderungen nach Müllers Lust: die Waldmühle auf dem Beerbach, die zu Eberstadt gehörende Waldmühle auf der Mordach und diese Waldmühle auf der Modau, die zu Ober-Ramstadt gehört. Sie nutzte den gleichen Mühlbach wie die unterliegenden vier Schachenmühlen, die auf dem Herweg besprochen wurden.


Gaststätte
Wackerfabrik

Wir durchschreiten das nicht mehr als Mühlenstandort erkennbare Gelände und gehen am Ende nach links, bis wir an den Schachenmühlen zum Ausgangspunkt der Rundwanderung gelangen.