Wandern nach Müllers Lust: Die Mühlen

Stand: 01.01.2009























Die Neue Bohlenmühle

Die Autoren:
Karl-Heinrich Schanz
Volker Teutschländer





Zurück zum 3. Wanderabschnitt






Wappen im Schlußstein am Torbogen der Neuen Bohlenmühle. Das gekrönte Wappen (Zeichen für eine „herrschaftliche“ Mühle, die also im angemaßten Eigentum des Landesherrn steht) zeigt ein Wasserrad mit einer Mühlsteinhaue darunter.
Klick ins Bild ergibt größere Ansicht (88 KB)



Die Neue Bohlenmühle als ansehnliche Wohnanlage, bei deren Baumaßnahmen die Verantwortlichen den Charakter der stattlichen Mühlenhofreite zu erhalten suchten.
Klick ins Bild ergibt größere Ansicht (175 KB!)



Idyllisch liegt die Neue Bohlenmühle dort, wo das Mordachtal ins Modautal einmündet. Und wo das Mühltal so augenfällig den Oberbegriff für beide in jenem Bereich beschreibt.
Klick ins Bild ergibt größere Ansicht (138 KB)



Funktionsskizze einer Sägemühle:
Vermutlich um dem wachsenden Konkurrenzdruck der neuen industriellen Getreidemühlen entgegenzuwirken, wurde die Neue Bohlenmühle 1882 um ein Sägewerk erweitert. Der Antrieb erfolgt wie bei der Mühle weiterhin durch die Wasserkraft der Mordach.
Klick ins Bild ergibt größere Ansicht (137 KB)



*) Mehr über die Villa Trautheim:


1688

verkauft Henrich von Bohlen die Alte Bohlenmühle an den Landgrafen Ernst Ludwig. Gleichzeitig beauftragt er den Pächter Johann Peter Spengler, unweit an der Mordach eine neue Mühle zu bauen. Durch Kriegseinwirkungen verzögert sich das Vorhaben,

1700

kann der Plan dann umgesetzt werden. Der Schlußstein im Torbogen zeigt die Jahreszahl 1713. Johann Peter Spengler ist dann auch der erste Erbpächter der Neuen Bohlenmühle.

1723

reicht Spengler ein Gesuch ein auf


Moderation des Mühlzins auf ein erleidliches Quantum".


Er führt an, daß in letzter Zeit viele Mühlen in seiner Nachbarschaft neu erbaut oder erweitert wurden. Auch machten ihm die Rheinmühlen starke Konkurrenz. Sein Gesuch wird mit der Begründung abgelehnt, da auch vorher schon Mahlgäste nur schwer zu seiner abgelegenen Mühle kommen konnten und er seinen Verdienst beim Partieren (Handel) suchen müsse.

1727

trifft die Familie ein großes Unglück. Zur Jahreswende überfällt eine 38köpfige Räuberbande die Mühle. Der zu Besuch weilende Johann Georg Frankenberger von der Glashüttenmühle wird dabei erschlagen.

1742

sind Johann Christoph Spengler mit Ehefrau Katharina geb. Schmidt Erbbeständer.

1749

führt ihr beider Sohn Johann Thomas die Mühle, übernimmt aber später die Stadtmühle in Babenhausen. Darauf übernimmt sein jüngster Bruder Johann Wendel Spengler mit seiner Frau Anna Elisabeth, geb.Dörner die Mühle.

1770

wird die Erbleihe für Johann Wendel Spengler nochmals erneuert. Der jährliche Erbzins von 100 fl. wird auf 75 fl. herabgesetzt, da sein Vater, Johann Christoph Spengler, in dem vieljährigen Prozeß mit den Volmarischen Erben einen Wingert verloren und andere Unkosten hatte. Seine einzige Tochter Anna Elisabeth heiratet 1776 ihren Cousin Friedrich Christian Spengler aus Babenhausen.

1788

stirbt Friedrich Christian. Seine Witwe heiratet darauf einen weiteren Cousin, den Bruder ihres verstorbenen Mannes Johann Wendel Spengler aus Babenhausen. Ihr Sohn aus erster Ehe Johann Thomas heiratet Maria Dorothea Frankenberger aus der Mordach und in zweiter Ehe 1826 Anna Katharina Karst.

1816

besitzt seine Mutter Anna Elisabeth Spengler noch die Mühle. Sie und ihr Mann Wendel führen Beschwerde, dass der Alte Bohlenmüller Emich kein Anrecht auf ihren Tannenwald im „Haferacker" habe.

1827

wird der Erbleihbrief für den Sohn Johann Thomas ausgestellt:


Zugvieh für das Mahlwerk ist frohnfrei. Nicht für Staatsfrohnden. Jährlicher Erbzins 75 fl. in zwanzig Guldenfuß oder 90 fl. in vierundzwanzig Guldenfuß rheinischer Währung."


Ursprünglich 100 fl., aber immer noch Nachlaß wegen des Prozesses. Das Brandkataster gibt den Wert der Liegenschaft mit 9700 fl. an.

1829

nennt das Flurbuch Johann Thomas Spengler als Erbpächter.


Die Mühl hat 2 Mahl- und 2 Schälgänge und wird von 2 Rädern getrieben, gibt 90 fl. der Herrschaft. Hofraith, Garten, Haus mit Mühle, Scheuer, Stall, Schoppen und Stallung, Schweinstall, Backhaus"

1835

übernimmt Johann Thomas Spengler die Unterste Schachenmühle und stirbt 1844.

1859

nennt das Brandkataster Wilhelm Spengler II. als Besitzer. Bei der Pferdemusterung gibt er 5 Pferde an. Das Brandkataster verzeichnet:


"Wohnhaus und Mühle 2 stöckig, Mühlwerk darin, Schweinstall und Waschhaus, Scheuer mit Stall, Holzschoppen mit Anbau am Haus, Anbau an der Scheuer, Anbau für Federvieh, Anbau südlich des Hauses, Backhaus, Maschinenhaus mit Schornstein."

1865

stirbt Wilhelm, seine Witwe Katharina, geb. Dörner, führt die Mühle weiter mit Hilfe des Müllers Wilhelm Dinhardt.

1879

übernimmt Johannes Neuroth I. die Neue Bohlenmühle.

1882

nehmen Johannes Neuroth und seine Ehefrau Maria, geb Stüber, eine Hypothek von 18000 Mark auf, um ihre Mühle um ein Sägewerk zu erweitern. Der Wert ihrer Liegenschaft wird mit 24000 Mark angegeben.

1895

Enkel Helmut Neuroth, weiß von einem großen Auftrag seines Großvaters, nämlich das vollständige und zierreiche Gebälk für die Villa Trautheim zu schneiden. Das Gebälk wurde auf Pferdefuhrwerken über die vermeintliche Römerstraße (heute Alte Dieburger und Alte Darmstädter Straße) zur Baustelle geschafft. *)

1919

kauft Hauptmann Werner Leufkens von der Witwe Neuroth die gesamte Liegenschaft mit Fischereiberechtigung für 82000 Mark und übernimmt den Rest von zwei Sicherungshypotheken über 18000 Mark. Maria Neuroth behält ihren Sitz in der Mühle. Leufkens erweitert das Wohngebäude.

1924

verkauft Werner Leufkens an Georg Friedrich Münch. Der Gesamtwert der Liegenschaft wird auf 28963 Mark taxiert. Münch betreibt lt. Adressbuch von 1927 „Mühle, Holzsägewerk und Holzhandel im Kleinen."


Heute (2005) ist das Mühlengrundstück reine Wohnanlage.