Wandern nach Müllers Lust: Die Mühlen

Stand: 02.01.2009






















Die Brückenmühle

Die Autoren:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer




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Das Wehr zum Abschlagen des Modauwassers in den Mühlgraben der Brückenmühle nach dem Hochwasser von 1919.

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Das andere Ende des Mühlgrabens: Hier mündet er wieder in die Modau. Das spitzgiebelige Haus im Hintergrund ist die Brückenmühle.

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Die stattliche Brückenmühle, ortsbildprägend und geschichtsträchtig, dennoch im Betonzeitalter der Städteplanung dem Erdboden gleichgemacht.
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Turbinenauslauf am wassergetriebenen E-Werk
(1909 – 1937)
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Sauggasmotor (Zeichnung der Lieferfirma Köln-Ehrenfeld, später Deutz)
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1456

Die Mühle wird erstmals im Zusammenhang mit einer Abgabeverpflichtung „9 Malter Korn von des alten Schultheißen Mühle“.

1472

In einer ähnlichen Abrechnung wird sie als „Kluers Mühle“ bezeichnet.

1506

Mühlen wurden gewöhnlich nach ihrem Eigentümer oder Pächter benannt, 50 Jahre nach ihrer Erstnennung „Clauers mul im Dorff“.

1571

Im Salbuch heißt sie erstmals „Dorfmuhl“.

1601

Aus dem Verzeichnis der pachtbaren, also dem Landgrafen gehörenden Mühlen erkennen wir, daß die Dorfmühle 2 Gänge hatte und 2 Hunde für des Landesherrn Jagdvergnügen zu halten hatte.

1630

Die Jagdhundehaltung wird abgeschafft, da der Landgraf mit der Pflege der Hunde nicht zufrieden war. Eine Entlastung für die Müller war das nicht, denn über die üblichen Abgaben hinaus ist jetzt die Hunde- (und Schweine-)Haltung in Geld abzugelten:


Die dorfmühl mit 2 gangen, gibt jährlich 28 mlt Korn, 22 fl hundgelt und 10 fl schweingelt.

1642

Im Kirchenbuch zeichnet sich der bleibende Name ab: „Der Müller auf der Brücke“.

1663

Mit dem Müller „Hans Ganß auf der Brückenmühle“ fällt erstmals der heutige Name.

1672

Die Nieder-Ramstädter Mühlenbesitzer bitten um Pachtnachlaß auf die Hälfte. Der Schultheiß schreibt in seinem Gutachten:


. . . da also das Mahlwerk fast ganz zu Grunde gehen will, nachdem hiebevor auch an hiesigem Ort an die 136 Mann gewohnt, jetzo aber sich nicht über 30 Mann befinden“.


Der Dreißigjährige Krieg zeigt hier seine Folgen. Trotzdem wird das Gesuch abgelehnt.

1674

Nun wird doch ein Pachtnachlaß von 6 Malter Korn auf 12 Jahre gewährt.

1719

In Nieder-Ramstadt muß einer neuer Gerichtsschöffe gewählt werden,


weil Johann Nicolaus Engelhardt, der Brückenmüller, sich von selbsten des Gerichtsstuhles entäußert, auch in Jahr und Tag die Kirche nicht besucht und also sich dieser Ehrenstelle entsetzt hatt“.

1750

Der Schultheiß berichtet, daß in der Brückenmühle


Seit ihm gedenkt, 12 Müller waren“, keiner konnte „dabei bestehen, alle sind darinnen verdorben.“

1827

Der Wert der Liegenschaft wird auf 7870 fl festgelegt. Friedrich (Fritz) Friedrich von der Engelsmühle kauft die Brückenmühle für seinen Sohn Wilhelm, der sie gründlich modernisiert.

1847

Im Brandkataster wird „ein Maschinenhaus nebst Kesselmauerung und Rauchhals über dem Bach“ und ein „Kohlenschoppen“ verzeichnen. Müller Friedrich hat sich also eine Dampfmaschine zugelegt.

1852-1860

Laut Hypothekenbuch verleiht der Müller alleine 7050 fl an sieben Bürger in Nieder-Ramstadt und Traisa – ein Zeichen für die gute wirtschaftliche Lage der Brückenmühle.

1860

Georg Friedrich II. (die nächste Friedrich-Generation?) baut das dreistöckige Mühlengebäude, wie es bis zum Abbruch 1981 bestand.

1864

Die Liste der Pferdemusterung weist 7 Pferde in der Brückenmühle aus, auch ein Zeichen gutgehender Geschäfte der Brückenmühle.

1899

Die Gemeinde Nieder-Ramstadt plant zunächst, eine Gasanstalt zu errichten, entschließt sich dann aber für ein Elektrizitätswerk. Zahlreiche Anwesen werden angeboten, zuletzt bleiben die Quicksmühle und die Brückenmühle in der Wahl. Ein Gutachten bezeichnet die Brückenmühle als geeignet für ein E-Werk und die Bürgermeisterei.

1906

Auf Antrag der Besitzerin wird der Wert von Hof, Mühle und Äckern auf 38965 Mark taxiert.

1908

Die Gemeinde nimmt ein Darlehen von 38000 Mark für den Kauf der Brückenmühle auf, weitere 120000 Mark für die Einrichtung eines E-Werkes.


Eine Wasserturbine und ein 50 PS Sauggasmotor übernehmen die Stromerzeugung für Nieder-Ramstadt. Die Gemeindeverwaltung zieht in das Wohngebäude ein.

1919

Die Gemeinde kauft den sog. „Steuerbau“ der Zündwarenfabrik Reichenbach und Bessunger in der Ober-Ramstädter Straße und richtet dort ihre Verwaltung ein.

1925

Die Gemeinde richtet in der Brückenmühle ein Volksbad mit 4 Wannen- und 7 Brausezellen ein.

1937

Die Gemeinde legt ihr E-Werk still und schließt einen Konzessionsvertrag über Stromlieferung mit der Hess. Elektrizitäts-AG (Heag) und nimmt dafür bis Ende der sechziger Jahre lfd. Konzessionsabgaben der Heag ein. Inzwischen wird die Brückenmühle auch zu Wohnzwecken, als Feuerwehr-Unterkunft und auch für die gemeindlichen Vatertierhaltung genutzt.

1971-1981

Die Gemeinde beschließt eine Ortskernsanierung, in deren Zuge 10 Jahre später die Brückenmühle vollständig dem Erdboden gleichgemacht wird. Jenseits der Straße, auf der ehemaligen Insel zwischen Mühlgraben und Modau, der Bleiche, dem heutigen Nemoursplatz, errichtet der Verein für Heimatgeschichte im Auftrag der Gemeinde ein Mühlendenkmal, das an die 600jährige Mühlengeschichte Nieder-Ramstadts sowie an die kommunale Vereinigung der 5 Mühltalgemeinden (1977) errinnert.