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Geschichte > Nieder-Ramstadt > Die Mühlen |
Stand:
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Die
Pulvermühle Nieder-Ramstadt |
Die
Autoren:
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Die ersten Nachrichten über Pulvermüller im Mühltal erfahren wir aus dem Kirchenbuch zu Eberstadt. Ob der Standort ihrer Mühle bei der jetzigen Pulvermühle auf Nieder-Ramstädter Gemarkung lag, ist noch nicht nachgewiesen. Rudolf Kunz schrieb 1974 in „Der Odenwald“, daß es in der ersten Hälfte des 18. Jh. in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt keine Pulvermühle gab. Der Eintrag im Kirchenbuch läßt aber anderes vermuten. |
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1678 |
Im Mühltal wird die Pulvermühle gebaut. Der erste Pulvermüller ist der Salpetermacher Henrich Spieß. (Er stiftet der Kirche in Eberstadt 2 Gulden). |
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1682 |
Dem Pulvermacher Johann Leonhard wird eine Tochter getauft, zwei Jahre später ein Sohn. |
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1687/1694 |
Der Pulvermacher Leonhard stirbt. Johann Georg Krauß ist der neue Pulvermacher, wie der Taufeintrag für seinen Sohn 4 Jahre später nachweist. 1694 ist er aber Witwer und heiratet „Georg Nungessers Tochter Anna Margaretha“. |
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1703/1705 |
„Hat sich Johann Ludwig Nungesser, Pulvermacher, weiyl. Peter Nungesser, Müllers, Centschöff und Gerichtsmann zu Nieder-Ramstadt, relicty Filiy, verlobt mit Anna Catharina, weiyl. Johann Jost Lindler, gewesenem Müller allhier, relicto Fila“. |
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(weiyl. = weiland = ehemals, verstorben; relicty Filiy = Sohn des Witwers; relicto Fila = Tochter des Witwers). |
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Nungesser stirbt schon 2 Jahre nach seiner ersten Erwähnung als Pulvermüller. |
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1706 |
Jetzt erscheint wieder ein Pulvermüller Krauß, und zwar in Traisa. Er will die Glashüttenmühle in der Mordach erwerben, verliert aber gegen Johann Georg Frankenberger, der aus der untergegangenen Glashütte auf der Mordach flußabwärts seine neue Mahlmühle aufbaut, die „Frankenbergersmühle“, wie sie noch heute heißt. |
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1707 |
Letztmals in der Folge wird ein Pulvermüller genannt, nämlich „Daniel Ottmann, ein Müller, in der Pulvermühle wohnend“. Danach scheint die Mühle eingegangen zu sein. |
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1721/1723 |
Der Müller und Schultheiß Georg Johann Krauß aus Traisa richtet eine Bittschrift an den Landgrafen Ernst Ludwig und bewirbt sich um den Bau einer Pulvermühle unterhalb der Bohlenmühle. Dieses Vorhaben kommt aber nicht zur Ausführung, da der Landgraf nicht bereit war, den Bau der Mühle zu übernehmen. Auch Kraußens Versuch zwei Jahre später war vergeblich. |
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1750 |
In der Karte von F. T. Kolb ist keine Pulvermühle eingezeichnet. |
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1811 |
Philipp Fuhrmann gibt seine Pulvermühle im Stettbachtal auf und kommt nach Nieder-Ramstadt, um dort die Pulvermühle aufzubauen. |
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Der Darmstädter Hofkammerrat und Leiter des Physikalischen Kabinetts, Ludwig Johann Schleiermacher, berät ihn bei der Einrichtung der Pulvermühle. Er fertigt mehrere Getriebemodelle und ein Stampfenmodell für die Pulvermühle an, um eine max. Ausnutzung der Wasserkraft zu erreichen. Die Modelle sind in der Physikalischen Sammlung im Hess. Landesmuseum Darmstadt erhalten. |
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1813 |
Im Flurbuch ist verzeichnet: |
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„Pulvermüller Fuhrmann modo die Großherzogliche Kriegskasse in Darmstadt, zehendfrei. Hofgrund und dem Feld bei der Pulvermühl, ein Wohnhaus, ein Stall.“ |
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1827 |
Im Brandkataster heißt es: |
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„Der Großherzogliche Militärfiskus. Die Pulvermühle.“ |
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Ein zweistöckiges Haus, ein Nebenbau und die Stallung haben einen Wert von 1680 fl, zwei Stampfmühlen, eine Rundmühle und ein Dörrehaus werden mit 4000 fl bewertet. |
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1836-1838 |
Die heutige Bundesstraße 426 auf der Teilstrecke Eberstadt – Nieder-Ramstadt – Ober-Ramstadt wird als Provinzialstraße gebaut. Die benötigten Steine werden vom Roßberg in Roßdorf und den Steinbrüchen an der Bohlenmühle angefahren (den Steinbruch auf dem Wingertsberg gibt es noch nicht). Pulvermüller Jacob Fischer, aber auch Papiermüller Illig und die Bruchmüller Wendel Götz und Jacob Zeh müssen Gelände abgeben und werden entschädigt. |
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1847 |
Nach baulichen Veränderungen und Erweiterungen wird der Versicherungswert auf 7050 fl erhöht. Pulvermüller |
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„auf der fiskalischen Pulvermühle“ |
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ist Heinrich Werner. |
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1852 |
Die Pulvermühle brennt nach einer Explosion ab. Zwei Soldaten, ein Wachtmeister und Pulvermüller Werner kommen ums Leben. Der Großherzog befiehlt ihre Beisetzung in Darmstadt. Im Dieburger Wochenblatt wird gemeldet, daß über das Vermögen |
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„des verlebten Pulvermüllers Concurs erkannt worden ist“. |
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Georg Fließ, Schreinermeister aus Nieder-Ramstadt, kauft das Mühlengrundstück, die Äcker werden verpachtet. |
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1858 |
Jacob Geibel ist Besitzer und baut eine zweigängige Mahlmühle an die Straße und verlegt dazu den Mühlgraben – siehe Lageplan rechts. |
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1859 |
Der Wert der Hofreite wird mit 10 000 fl angegeben. Im Brandkataster wird die Liegenschaft wie folgt beschrieben: |
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„Wohnhaus 2stöckig, Mühle mi Mühlwerk, Wasserhaus mit zwei Rädern, Spreikammer, Schmiedewerkstatt und Stallung, Scheuer und Backhaus.“ |
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1887 |
Die Schmiedewerkstatt wird nicht mehr erwähnt, aus ihr wurde eine Remise. Ein „Abtritt“ wird ebenfalls eingerichtet, da die Abwässer nicht mehr in den Mühlgraben geleitet werden dürfen (s. Karl-Heinrich Schanz: „Typhus in Nieder-Ramstadt“). |
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1894 |
Peter Roß I., seit 2 Jahren auf der Pulvermühle, nimmt lt. Hypothekenbuch der Gemeinde 14000 Mark auf, der Wert der Mühle steht mit 17990 Mark entgegen. |
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1902 |
Das Mühlengebäude wird nochmals aufgestockt |
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1906 |
Peter Roß läßt seine Mühle schätzen, ein Indiz dafür, daß er verkaufen möchte: |
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„Hofraithe und Mühle mit 18300 Mark, Gesamt mit Äckern mit 23035 Mark.“ |
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Käufer ist Prof. Dr. Rößler, der den Mühlenbetrieb nicht weiterführt, aber Experimente mit der Wasserkraftnutzung durchführt. Er baut ein modernes Zuppinger-Wasserrad ein und experimentiert mit einer Turbine eigener Bauart. Dr. Rößler war der erste Leiter des im 19. Jh. gegründeten Instituts zur Erforschung historischer Führungsschichten in Bensheim. Er soll als erster Nieder-Ramstädter einen Kraftwagen besessen haben. Sein Fahrer hatte ihn nach jeder Ausfahrt zu putzen. |
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1998 |
wird die Wasserkraftnutzung vorübergehend wieder aufgenommen, um elektrischen Strom zu gewinnen.. |
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2006 |
erwerben die Eheleute Friedrich und Sylvia Hechler die Pulvermühle, sanieren die gesamte Wasser- und Elektrotechnik und können seit 2007 den Eigenbedarf an elektrischem Strom erzeugen und Überschüsse an das öffentliche Netz abgeben. Die Pulvermühle ist damit die einzige Mühle im Mühltal mit voll funktionierender Wasserkraftnutzung. |
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