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.Wandern
nach Müllers Lust: Die Mühlen
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Stand:
01.01.2009
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Die
Schleifmühle
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Die
Autoren: Karl-Heinrich Schanz
Volker Teutschländer

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zum 3. Wanderabschnitt


An
der engsten Stelle des Mühltales liegt die Schleifmühle
baulich eng verbunden mit der Alten Bohlenmühle. Sie
beherbergt heute die Christophorusschule, läßt aber
noch ihren Ursprung als Mühlen-Hofreite erkennen. Klick
ins Bild ergibt größere Ansicht (64
KB).



Drei
Außenansichten, in denen sich die ehemalige Schleifmühle
als heutige Christophorusschule darstellt Klick in die Bilder
ergibt größere
Ansichten



Spiegelschleifmühle
(aus Jakob Leupold „Schauplatz der Mühlenbaukunst“,
Leipzig 1735)
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Landgraf
Ernst-Ludwig (1678 – 1739) versucht, die Schulden seiner
Vorväter abzubauen und hofft auf Einnahmen nach der
Gründung von Manufakturen. In der Mordach plant er u.a.
eine Glashütte, die auch Spiegelgläser erzeugen soll.
Um die mundgeblasenen Spiegel zu glätten, ist eine
Spiegelschleifmühle nötig. Zu diesem Zweck erwirbt er
von Heinrich von Bohlen die Bohlenmühle im Mühltal.
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1688
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Von
der Bohlenmühle wird eine neue Schleifmühle
abgetrennt. Weil der französische „Sonnenkönig“
Ludwig XIV die Landgrafschaft mit Krieg überzieht,
verzögert sich der Ausbau.
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ab
1699
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Die
ersten Glasmacher werden in den Kirchenbüchern von
Nieder-Beerbach, Eberstadt und Nieder-Ramstadt genannt.
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1705
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Johann
Ludwig Braun übernimmt die Zeitleihe auf 3 Jahre als
Schleifmüller. Der Pachtzins in dieser Zeit beträgt
148 fl. Schleifmeister ist Asspalt Brede.
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Die
Spiegelscheiben werden in der Glashütte in der Mordach im
Streckverfahren hergestellt. Dabei wird ein Zylinder geblasen,
die Endkappen entfernt und das so entstandene Rohr längs
aufgeschnitten und zu einer Scheibe ausgebreitet. Diese Scheibe
ist naturgemäß wellig und muß in der
Schleifmühle eben geschliffen werden. Dazu wird sie mit
Gips auf einem Tisch befestigt. Eine kleinere Scheibe wird
ebenso an einem Kastenboden befestigt und gleitet über die
große hinweg. Der Kasten wird mit Steinen beschwert, um
den nötigen Schleifdruck zu erzeugen. Der Antrieb der
Maschine erfolgt mit Wasserkraft. Schleifmittel zwischen den
Scheiben ist geschlämmter Quarzsand, und für die
Politur wird Eisenoxyd mit Ton vermischt (Tripel) und Zinnasche
verwendet. Die größten Spiegelscheiben sind 100 x 80
cm groß. ,,Mondglasscheiben" nach dem
Schleuderverfahren sind max. 0,68 m im Durchmesser, woraus die
kleineren Spiegelscheiben geschnitten werden.
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1708
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Die
Glashütte ist schon wieder eingegangen und damit auch das
Spiegelschleifwerk. Die Mühle wird zur Mahlmühle
umgebaut, und der erste Mahlmüller erhält einen
Erbleihbrief:
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"daß
Wir Unserem Untertanen Johann Christoph Schnaubern wie auch
seinem Eheweib Anna Katharinen und ihren ehelichen Leibeserben
Unsere Mahlmühie bey der Bohlenmuhle, worinnen vormals das
Schleifhaus gewesen, mit ihrem Zubehor und Begriff erblich
verliehen haben. Pacht, jahrlich 115 fl.“
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1817
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Der
Müller und Inhaber der Erbleihe wechselt bisher viermal.
Jetzt ist Johann Georg Müller Müllermeister auf der
Schleifmühle. Sie nehmen eine Hypothek von 4800 fl auf.
Unterpfand: Hofreite, Mühlenbau, Backhaus, Garten, Wiese,
Feld und Wald im Wert von zusammen 9600 fl.
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1819
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Noch
einmal nimmt Müller 700 fl auf, und zwar beim Nachbarmüller
Wilhelm Frankenberger.
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1826
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Das
Flurbuch weist jetzt Nicolaus Walter als Besitzer aus. Die
finanziellen Probleme waren scheinbar zu groß, denn die
Mühle
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„.
. . ist mit 2570 fl, 17 ½ Xr. abgekauft. Die Mühl
hat 3 Mahl- und 1 Schälgang und wird durch zwei Räder
getrieben.“
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1827
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Im
Brandkataster steht der Wert aber auf 8000 fl, fünf Jahre
später durch ein neues Backhaus sogar bei 8200 fl.
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1851
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Michael
Breitwieser wird Müllermeister auf der Schleifmühle.
Er und seine Frau nehmen 10000 fl bei der Sparkasse Darmstadt
auf, sicherlich zur Modernisierung ihrer Mühle.
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1860
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Breitwiesers
müssen noch eine Hypothek von 3000 fl aufnehmen. Der Wert
von Hof und Mühle beträgt 19752 fl.
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1863 1868
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Offenbar
ist Michael Breitwieser verstorben, denn seine Erben werden im
Hypothekenbuch aufgezählt und der Wert der Erbschaft mit
20000 fl angegeben.. Valtentin Grünig II, dann Thomas
Grünig I sind die nachfolgenden Müller.
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1879
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Die
Liegenschaft wird im Brandkataster wie folgt beschrieben:
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„Wohnhaus
und Mühle zweistöckig, Anbau an der Mühle
einstöckig, Mühlwerk mit 2 Steinmahlgängen mit
Triller (Schälgang), 2
Beutelkasten mit Vorkästen und Beutelwerk, 2 Mühlsteine
mit sourir (Haue), Vorhalle an der
Mühle, Scheuer mit Kelter und Wagenremise“.
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1882
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Grünigs
nehmen eine Hypothek von 21000 Mark auf bei einem Wert ihres
Anwesens von 40000 Mark.
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1885
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Grünigs
haben eine Dampfmaschine angeschafft, die Vorhalle an der Mühle
wird zum Kessel- und Maschinenhaus umgebaut.
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1912
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Offenbar
zum Verkauf lassen die Eheleute Grünig die Schleifmühle
schätzen:
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„Innere
Einrichtung der Mühle ganz neu eingebaut. Hofreite und
Mühle 39460 Mark, gesamt mit Äckern 45725 Mark.
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Die
Schleifmühle wird nach dem Verkauf zur Kartonagenfabrik der
Firma Hechler umgebaut. Heute (2005) dienen die Gebäude als
Schule (Christophorusschule).
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