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Geschichte > Nieder-Beerbach

Stand: 28.08.2011

 



 

Der Steinerne Tisch, die Rodelbahn und der Asbest-Abbau

Am Osthang des Frankensteins in Nieder-Beerbach steht der „Steinerne Tisch“ am Schloßrain, und zwar an markanter Stelle am Waldrand mit eindrucksvoller Sicht über das Tal mit dem Dorf und der Kirche aus dem 14. Jahrhundert. Der „Steinerne Tisch“ ist eine Spende des damaligen Nieder-Beerbacher Pfarrers Heyer vor fast zweihundert Jahren.

Der Steinerne Tisch steht auf einem massiven Fundament mit einer mehr als zwei Zentner schweren Tischplatte aus einem Mühlstein, der einst in einer der traditionsreichen Nieder-Beerbacher Wassermühlen Dienst tat. Die eingefügte Jahreszahl 1949 erinnert an die Zerstörung des Tisches, als Übeltäter den schweren Mühlstein aushebelten und zu Tal rollten. Mit vereinter Körperkraft schafften seinerzeit Helfer die Tischplatte wieder an Ort und Stelle.

Der Steinerne Tisch ist in der Vergangenheit wegen seines markanten Standortes, aber auch wegen der schwierigen Lage am sehr steilen Frankensteinhang gerne als Orientierungspunkt angenommen worden. In den 1950er Jahren richtete dort der damalige Motorsportklub Nieder-Beerbach einen Kontrollpunkt bei seinen Wettbewerben „Um die Alte Burg“ ein.

Bis in die 1920er Jahre war der Steinerne Tisch „Kontrollpunkt“ ganz anderer Art: An den Wettbewerben des jährlichen Bergturnfestes konnte nur teilnehmen, wer die Wettkampfstätten rund um die Burg zu Fuß erklommen hatte! Die Teilnehmer aus der Ebene mußten sich auf Eberstädter Seite registrieren lassen, die Wettkämpfer aus den Odenwälder Vereinen dagegen am Steinernen Tisch.

Der Standort wird tangiert von der Trasse einer ehemaligen Rodelbahn, die die Gemeinde Nieder-Beerbach im Jahre 1912 anlegen ließ. Die Strecke begann gegenüber dem früheren Gemüsegarten der Frankensteiner am Odenwälder Weg, 20 m südlich des jetzigen Parkplatzes vor der Burg. Auf den ersten 200 m verlief die Bahn in einem drei Meter tiefen Hohlweg, dann am Steinernen Tisch vorbei den Steilen Weg hinab und über den Frankensteiner Weg zur Kreuzgasse in der Ortsmitte – alles in allem ein Höhenunterschied von 210 m.

Der Bau einer gemeindlichen Rodelbahn ging zurück auf einen Wunsch von Eltern, deren Söhne an der Darmstädter Hochschule studierten und ihre Freizeit in Nieder-Beerbach verbrachten. Auch eine Scherenkegelbahn wünschten die Studenteneltern. Wagnermeister Karl Breitwieser errichtete die überdachte Kegelbahn am Hauptgebäude des Darmstädter Hofes. Breitwieser schuf auch die zwei viersitzigen Rodler im Auftrag der Gemeinde.

Südwestlich des Steinernen Tisches wurde 1938 ein Trupp des Reichsarbeitsdienstes aus Remscheid bei der Suche nach Asbest fündig. Ein 50 Meter langer Stollen wurde nahe dem ehemaligen Dorf Dunkelbach in den Berg getrieben. Der Abbau erwies sich schnell als nicht wirtschaftlich. Bis dahin überschlugen sich die Erwartungen auf einen vom Asbestbergbau ausgelösten Wohlstand im ganzen Tal. Ein Eberstädter Lehrer komponierte gar den vielgesungenen „Asbestwalzer“.




Die Fotoleiste rechts von oben:

Blick gegen den Frankenstein-Hang (mit dem gerade gepflanzten „Baum des Jahres 2010“, der Vogelkirsche);
in der Gegenrichtung das Dorf im Tal;
der Steinerne Tisch mit Initiator Adam Breitwieser
sowie seine „Tischplatte“ aus einem ausgedienten Mühlstein aus dem einst mühlenreichen Beerbachtal.

 

Text:
Volker Teutschländer

Quelle:
Adam Breitwieser