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Der
Steinerne Tisch, die Rodelbahn und der Asbest-Abbau
Am
Osthang des Frankensteins in Nieder-Beerbach steht der
„Steinerne Tisch“ am Schloßrain, und zwar an
markanter Stelle am Waldrand mit eindrucksvoller Sicht über
das Tal mit dem Dorf und der Kirche aus dem 14. Jahrhundert. Der
„Steinerne Tisch“ ist eine Spende des damaligen
Nieder-Beerbacher Pfarrers Heyer vor fast zweihundert Jahren.
Der
Steinerne Tisch steht auf einem massiven Fundament mit einer
mehr als zwei Zentner schweren Tischplatte aus einem Mühlstein,
der einst in einer der traditionsreichen Nieder-Beerbacher
Wassermühlen Dienst tat. Die eingefügte Jahreszahl
1949 erinnert an die Zerstörung des Tisches, als Übeltäter
den schweren Mühlstein aushebelten und zu Tal rollten. Mit
vereinter Körperkraft schafften seinerzeit Helfer die
Tischplatte wieder an Ort und Stelle.
Der
Steinerne Tisch ist in der Vergangenheit wegen seines markanten
Standortes, aber auch wegen der schwierigen Lage am sehr steilen
Frankensteinhang gerne als Orientierungspunkt angenommen worden.
In den 1950er Jahren richtete dort der damalige Motorsportklub
Nieder-Beerbach einen Kontrollpunkt bei seinen Wettbewerben „Um
die Alte Burg“ ein.
Bis
in die 1920er Jahre war der Steinerne Tisch „Kontrollpunkt“
ganz anderer Art: An den Wettbewerben des jährlichen
Bergturnfestes konnte nur teilnehmen, wer die Wettkampfstätten
rund um die Burg zu Fuß erklommen hatte! Die Teilnehmer
aus der Ebene mußten sich auf Eberstädter Seite
registrieren lassen, die Wettkämpfer aus den Odenwälder
Vereinen dagegen am Steinernen Tisch.
Der Standort wird
tangiert von der Trasse einer ehemaligen Rodelbahn, die die
Gemeinde Nieder-Beerbach im Jahre 1912 anlegen ließ. Die
Strecke begann gegenüber dem früheren Gemüsegarten
der Frankensteiner am Odenwälder Weg, 20 m südlich des
jetzigen Parkplatzes vor der Burg. Auf den ersten 200 m verlief
die Bahn in einem drei Meter tiefen Hohlweg, dann am Steinernen
Tisch vorbei den Steilen Weg hinab und über den
Frankensteiner Weg zur Kreuzgasse in der Ortsmitte – alles
in allem ein Höhenunterschied von 210 m.
Der Bau
einer gemeindlichen Rodelbahn ging zurück auf einen Wunsch
von Eltern, deren Söhne an der Darmstädter Hochschule
studierten und ihre Freizeit in Nieder-Beerbach verbrachten.
Auch eine Scherenkegelbahn wünschten die Studenteneltern.
Wagnermeister Karl Breitwieser errichtete die überdachte
Kegelbahn am Hauptgebäude des Darmstädter Hofes.
Breitwieser schuf auch die zwei viersitzigen Rodler im Auftrag
der Gemeinde.
Südwestlich des Steinernen Tisches
wurde 1938 ein Trupp des Reichsarbeitsdienstes aus Remscheid bei
der Suche nach Asbest fündig. Ein 50 Meter langer Stollen
wurde nahe dem ehemaligen Dorf Dunkelbach in den Berg getrieben.
Der Abbau erwies sich schnell als nicht wirtschaftlich. Bis
dahin überschlugen sich die Erwartungen auf einen vom
Asbestbergbau ausgelösten Wohlstand im ganzen Tal. Ein
Eberstädter Lehrer komponierte gar den vielgesungenen
„Asbestwalzer“.

Die
Fotoleiste rechts von oben:
Blick gegen den
Frankenstein-Hang (mit dem gerade gepflanzten „Baum des
Jahres 2010“, der Vogelkirsche); in der Gegenrichtung
das Dorf im Tal; der Steinerne Tisch mit Initiator Adam
Breitwieser sowie seine „Tischplatte“ aus einem
ausgedienten Mühlstein aus dem einst mühlenreichen
Beerbachtal.
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