.

Geschichte → Nieder-Beerbach

Stand: 01.09.2010




Noch: Personen

Die Pfarrerfamilie Scriba

Aus dem Jahr 1924 stammt eine Ahnentafel der Familie Scriba, die bis in die erste Hälfte des 15. Jh. zurückreicht – eine Seltenheit, weil Familiengeschichte gewöhnlich nur bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückreicht, während dem auch Personenstandsunterlagen meist vollständig vernichtet wurden. Ahnherr war Konrad Schreiber aus Westfalen. Sein Sohn Heinrich war ein studierter Mann, der dem damaligen Zeitgeist entsprechend seinen Namen ins Lateinische übersetzte, wonach dieser (evangelische) Zweig der Sippe sich bis heute Scriba nennt während der katholische weiterhin Schreiber heißt. Heinrich ist zugleich der erste von 57 Pfarrern aus der Sippe (Stand: 1934!).

1732 wurde

Johann Christoph Scriba (1695 – 1762)

Pfarrer in Nieder-Beerbach und Ober-Beerbach mitsamt deren Filialen. Sein zweiter Sohn

Philipp Moritz Scriba (1734 - 1799)

wurde 1762 sein Amtsnachfolger, der sich neben seinem Amt als Seelsorger einen Namen machte in Lehren fortschrittlicher landwirtschaftlicher Arbeitsmethoden. Er war Vater von 20 Kindern, vier von ihnen wurden der Familientradition entsprechend Pfarrer. Nach seinem Tode 1799 wurde er in seinem Pfarrersamt von seinem Schwiegersohn

Heinrich Jakob Dingeldey (1765 – 1820)

beerbt. Von 1820 bis 1849 war die „Pfarrer-Dynastie“ Scriba unterbrochen, bis im Mai 1850

Dr. Heinrich Eduard Scriba (1802 - 1857

(seither Pfarrer in Messel) in Nieder-Beerbachs Kirche einzog und Pfarrer wurde in Nieder-Beerbach und Frankenhausen wurde. Die gemeinsame Parochie mit Ober-Beerbach wurde gleichzeitig aufgehoben. Heinrich Eduard war ein Enkel des Philipp Moritz Scriba.

Er war der dritte Pfarrer (1850 – 1857) aus der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Theologen- und Gelehrtenfamilie.Schon im jugendlichen Alter zeigten sich Eduards Neigungen zu historische Studien. Als Siebzehnjähriger verfaßte er die genealogische Übersicht der Scribas, die später im Druck erschien, die erste fachmännische Familiengeschichte, wie es heißt. Er war Mitglied im Historischen Verein für das Großherzogtum Hessen sowie des Literarischen Vereins zu Darmstadt. Außerdem war er Ehren- oder korrespondierendes Mitglied der historischen Vereine zu Kassel, Dresden und Würzburg sowie des Geografischen Vereins zu Darmstadt.

Dr. Scriba hat die

Geschichte der ehemaligen Burg und Herrschaft Frankenstein und ihrer Herrn“

bearbeitet und 1853 herausgegeben. Dieses Werk und andere Veröffentlichungen, z.B.

Biographisch-literarisches Lexikon der Schriftsteller des Großherzogthums Hessen im ersten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts, 4. Abtheilungen, 1831–1854,

und Regesten der bis dahin gedruckten Urkunden zur Landes- und Orts-Geschichte des Großherzogtums Hessen 1849, sind Grundlage vielfältiger geschichtlicher Arbeiten zur regionalen Geschichte geworden und haben ihre Bedeutung bis heute behalten.



Weitere Personen aus Nieder-Beerbach:

Text:
Volker Teutschländer

Quelle:

„Volk und Scholle“ 1934
bereitgestellt von
Karl-Heinrich Schanz