|
|
Die
Glasmanufaktur
im
Modau- und Mordachtal 1698 – 1706
n
der Mordach besaßen die Herren von Wallbrunn um die Mitte
des 15. Jahrhunderts einen Hof mit eigenem Gericht, der
kirchenrechtlich zur Kirche in Neunkirchen zählte. Links an
der Talweitung, umsäumt von einem wohlgepflegten Hausgarten,
liegt "Haus Burgwald", eine Therapieeinrichtung für
Suchtkranke. Hier stand ehemals die Großherzogliche Glas-
und Spiegelhütte der vom Landgrafen Ernst Ludwig 1698
gegründeten Manufaktur.
Landgraf
Ernst Ludwig (1678 - 1739) ein Förderer des Gewerbes
Da
Landgraf Ernst Ludwig beim Tod seines Vaters 1678 erst 11 Jahre
alt war, übernahm seine Mutter Elisabeth Dorothea für
zehn Jahre die Regentschaft, bis zu seiner Volljährigkeit.
Der Landgraf, ein leidenschaftlicher Jäger, mußte bei
seinem Regierungsantritt ca. 2 Millionen Gulden an Schulden mit
übernehmen, die ihm sein Vater Ludwig VI. hinterließ.
Dazu trug er sich selbst mit großen Bauplänen.
Ein
neues Schloß in Darmstadt, ein Opernhaus, die Orangerie,
die westliche Vorstadt und einige Jagdhäuser, waren die
größten Objekte, die ihm vorschwebten. Dazu brauchte
er sehr viel Geld. Eine Möglichkeit, seine Einkünfte zu
verbessern, sah er in der Förderung von Handel und Gewerbe.
Von Anfang an, bei der Übernahme der Regierungsgeschäfte
aus der Hand seiner Mutter, plante er die Einrichtung von
Manufakturen. Mit dem Verkauf ihrer Erzeugnisse kam nicht nur
Geld ins Land, sondern auch der Eigenbedarf sollte mit ihren
Produkten gedeckt werden. Das galt für Papier-, Eisen- und
Glaserzeugnisse. Schon der erste Hessen-Darmstädtische
Landgraf, Georg der I., mußte 1578 das Glas für 90
Fenster, das waren 150 Schaub, für sein Schloß in
Kranichstein bei seinem Bruder Wilhelm in Kassel kaufen. Es kam
aus der Hütte in Almerode. Groß war auch der Bdarf des
Hofes an Gebrauchsgläsern.
1688 übernahm
Landgraf Ernst Ludwig von Henrich von Bohlen die Bohlenmühle
und trennte einen Teil der Gebäude ab, um sie zu einem
Spiegelscheifwerk ausbauen zu lassen. Die andere Hälfte
verpachtete er als Mahlmühle weiter.
Der Aufbau der
Glasmanufaktur mit Spiegelschleifwerk und Glashütte dauerte
aber noch 10 Jahre. Die Raubkriege des französischen
"Sonnenkönigs" Ludwig XIV. erschütterten die
Landgrafschaft 1691 und 1693 schwer. Der Landgraf floh zeitweise
nach Gießen.. 1695 wurde dann ein zweites Projekt
verwirklicht, die Papiermühle im Mühltal, das einzige,
das bis heute Bestand hat. Um die gleiche Zeit kaufte der
Landgraf in Ober-Ramstadt eine Mahlmühle auf, um sie zum
Eisenhammer umzubauen.
Nun
war 1698 endlich auch die Glashütte mit dem Stampfwerk in
der Mordach fertig, die Glasmacher waren angeworben und die
Produktion konnte beginnen.
Die
Mordach, ein idealer Standort für die Glashütte
Die
Wahl des Standortes einer Glashütte mußte zur
damaligen Zeit gut überlegt werden. Etliche Voraussetzungen
für einen rentablen Betrieb mußten gegeben sein:
1.
Die Hauptrohstoffe für die Glasherstellung, Quarz, Pottasche
und Kalk, sollten in der Nähe gefunden und produziert werden
können, um unnötige Transportwege auszuschließen.
2.
Für den Schmelzprozeß, der bei Temperaturen zwischen
1400 und 1500° C abläuft, mußte das Brennmaterial
- damals ausschließlich Holz - am Ort vorhanden sein.
3.
Ausreichende Wasserkraft für den Antrieb der Pochwerke und
Glasschleifmaschinen sowie Wasser zum Reinigen der Rohstoffe
waren nötig.
4. Feuerfestes Material für den
Ofenbau und die Glasschmelzöfen sollte möglichst in der
Nähe anstehen.
5. Für die Arbeiten auf der
Glashütte, im Spiegelschleifwerk und bei der
Rohstoffgewinnung waren Arbeiter aus zahlreichen Berufszweigen
nötig.
6. Die leicht zerbrechlichen Fertigprodukte
mußten auf sicheren Wegen an die Absatzorte, wie Darmstadt,
Frankfurt und Worms gebracht werden können.
Die
meisten dieser Voraussetzungen waren im Gebiet Mühltal,
Mordach und Beerbachtal gegeben. Quarzsand wurde an den
Ausläufern der Eberstädter Dünen, an der Alten
Dieburger Straße, reichlich gefunden. Kalk gab es
ebenfalls, was aus den Gewannamen "Mordach" und
"Kalkofen" hervorgeht. Diese Vorkommen genügten
aber wohl nicht; Kalk für die Glashütte wurde sicher
noch anderen Orts gewonnen.
Der Holzverbrauch einer
Glashütte war enorm. Um einen Zentner Glas zu erschmelzen,
wurden 8 Zentner Holz benötigt. Jährlich wurden von
einer Hütte 20 - 25 Morgen Wald als Brennholz verbraucht.
Dazu kamen noch große Mengen Holz, die zur
Pottasche-Herstellung verbrannt wurden. Dieser gewaltige Raubbau
führte oft zur völligen Verödung ganzer
Landschaften bei den Hütten. Dem Waldbestand auf Kohl- und
Glasberg wurden damals schwere Wunden geschlagen. Wegen der
schwierigen Holzabfuhr aus diesem unwegsamen Gelände konnte
man das Holz entweder nur an Ort und Stelle zu Holzkohle
verarbeiten, oder man baute Glashütten, die große
Mengen Holz zum Schmelzen des Glases oder zur
Pottascheherstellung benötigten. Die Gewannbezeichnungen
Kohl- und Glasberg entstanden damals. "Glasberg" nimmt
direkt Bezug zur Glashütte. "Kohlberg" wurde
seither als Köhlergebiet gedeutet. Eher ist anzunehmen, daß
der Holzmacher bei der Glashütte, Johann Kohl, der
Namensgeber war.
Feuerfeste Materialien gab es an der
Schabeck, wo später die Ziegelei Mordach entstand und auf
dem Breitenlohberg. Den idealen Transportweg zu entfernten
Märkten stellte die Alte Dieburger Straße dar.
Wasserkraft war ebenfalls reichlich vorhanden. Nur eine
Voraussetzung war sehr schwierig zu erfüllen: Erfahrene
Glasmacher waren in Hessen-Darmstadt nicht vorhanden, sie mußten
von weither angeworben werden.
Glasmacher-,
Spiegel- und Schleifmeister
Als
Faktor für die Gesamtmanufaktur stellte der Landgraf Johann
Adam Bergmeister ein. Aus einer der berühmtesten hessischen
Glasmacherfamilien holte er den Spiegelmeister Johann Georg
Gundelach. Weitere Fachleute waren der Schleifmeister Asspalt
Brede und der Glasmachermeister Johann Georg Wentzel aus einem
ebenfalls berühmten hessischen Glasmachergeschlecht. Diese
Meister brachten die zum Bau und Betrieb der Hütte
notwendigen Kenntnisse und Fachkräfte mit. Sie wohnten in
der Mehrzahl in Nieder-Beerbach, einige auch in Eberstadt und
Nieder-Ramstadt. In den Kirchenbüchern der drei Gemeinden
sind ihre Namen zu finden. Neben den oben genannten drei Meistern
und dem Faktor werden Glasmacher, Feuerschürer, Römer-
und Kelchmacher, Fuhrknechte, Holzmacher, Glasträger und
Taglöhner aufgeführt. Der Mühlarzt Johann Peter
Grimm aus Culmbach war für den Bau der "Wasserkünste"
zuständig.
Zur Spiegelhütte bei der Glashütte
an der Mordach gehörten Spiegelmacher, Glasschneider und
Spiegelbeleger. Berufsbezeichnungen im Spiegelschleifwerk an der
Modau waren Spiegelschleifer, Polierer, Glasschleifer, Schleifer
und Schreiner. Sicher sind nicht alle in der Manufaktur
Beschäftigten in den Kirchenbüchern verzeichnet. In den
drei genannten Orten sind es aber allein 46 in sechs Jahren. Vier
Namensträger der Familie Gundelach und drei der ebenso
berühmten Familie Wentzel sind vertreten. Sie kamen aus den
Glaszentren Groß-Almerode bei Kassel, Lohr am Main,
Königstein im Taunus, Breitenborn bei Geinhausen und
Heilbronn am Neckar.
Hohlgläser,
Fenster- und Spiegelscheiben
Der
Glashüttenbetrieb bestand meist nur aus einem
scheunenartigen Hauptgebäude mit dem Schmelzofen. Dazu kamen
einige kleinere Nebengebäude wie das Siedehaus für die
Pottasche, die Vorrats- und Lagerschuppen.
In der Mordach
gab es neben der Glashütte, in der Hohlgläser geblasen
wurden, die unmittelbar angrenzende Spiegelhütte, in der die
Spiegel- und Butzenscheiben geblasen wurden. Es war ein
Stampfhaus vorhanden, in dem Holzasche, Quarz und Glasbruch
zerkleinert wurde.
Aus einem Verzeichnis des Faktors
Bergmeister aus dem Jahre 1699 ist die Produktion aus vier
Monaten ersichtlich:
7.000
Römer, 9.300 Schockgläser, 5.000 Weißgläser,
2.800 Blättergen (Arznei- und Parfümfläschchen),
28.950 Schlechtglas (schlichte, einfache Gläser oder
Flaschen?), 1.200 Rauppen (Bier- oder Salbengläser mit
Binderand) und 200 Kristallgläser. Das bedeutet, daß
ca. 2.000 Hohlgläser pro Woche gefertigt wurden.
Daneben
nennt das Verzeichnis auch Flachglas:
23.300 kleine
Scheiben (Butzenscheiben) und 20.600 Spiegelscheiben.
Nach
Abzug von Lohn- und Materialkosten errechnete der Faktor einen
Profit von 865 Gulden für den Landgrafen. Verkaufseinheit
für geblasene Gläser war das "Hüttenhundert",
kleinste Verpackungseinheit ein Bund oder Schaub. Die Gläser
wurden an Strohseilen einzeln wie Perlen aufgereiht, zu einer
Kette zusammengebunden, zu einem "Bund". Ein solcher
Bund konnte je nach Glasart unterschiedliche Stückzahlen
haben. Ein Hüttenhundert Römer waren z. B. 26 Stück.
Sie kosteten im Verkauf l Gulden. Die Herstellungskosten betrugen
12 Albus (1 Gulden = 30 Albus = 240 Pfennig = 60 Kreuzer). Der
Gewinn betrug bei Römern also 150 %. Die Bezeichnung
"Rauppe" rührt wohl auch von der Verpackungsart
mancher zylindrischer Gläser her. Sie wurden aneinander
gereiht, mit Stroh umwickelt, und sahen so wie eine vielgliedrige
Raupe aus.
Bis zum 18. Jahrhundert bekamen die Glasmacher
als Lohn einen Teil des gefertigten Glases, das sie dann selbst
verkauften. Gundelach zahlte in der Mordach Stücklohn. Ein
Hohlglasbläser erhielt für 100 Wassergläser 0,25
Gulden.
Da der dortige Quarzsand sehr eisenhaltig war,
konnte nur grünes Glas, sogenanntes "Waldglas",
hergestellt werden. Für Spiegel und klare Butzenscheiben
mußte reiner Quarz verwendet werden, der vielleicht am
"Glasberg" gebrochen wurde. Abbauspuren finden sich
überall an den Hängen der umliegenden Berge, ob sie die
Glasmacher hinterließen, ist allerdings nicht zu
beweisen.
Butzenscheiben
wurden aus einer kleinen Glasblase hergestellt. Sie wurde mit
einem Spatel geöffnet und geschleudert, so daß sie
unter der Fliehkraft zu einer runden Scheibe aufging. Auf einem
Stein wurde sie nun flach gedrückt und der Rand zur
Verstärkung umgewulstet. Die kalte Scheibe, von der
Glasmacherpfeife getrennt, behielt an der Trennstelle den
"Butzen". Die Herstellungskosten für 100 Stück
betrugen 9 Albus, zu 14 Albus wurden sie, einzeln in Stroh
verpackt, verkauft.
Ähnlich verlief die
"Mondglas"-Herstellung. Sie ergab nur wesentlich
größere, tellerartige Scheiben von einigen Kilogramm
an Gewicht. Der Glaser schnitt aus ihnen die benötigten
Größen für die bleiverglasten Fenster und Spiegel
zu.
Neben Fensterscheiben wurden große Mengen von
Spiegelscheiben in der Mordach hergestellt. Die Landesfürsten,
vor allem in Süddeutschland, bauten in ihre Schlösser
Spiegelkabinette ein. Sie ließen die Räume größer
erscheinen und die darin gesammelten Kunstschätze besser zur
Geltung kommen.
Die Spiegelgläser wurden im
Streckglasverfahren hergestellt. Eine geblasene zylindrische
Glaswalze wurde an beiden Enden geöffnet, längs
aufgeschlitzt und zu einem Flachglas auf einer Steinplatte
ausgerollt. Diese unregelmäßige Scheiben mußten
geschliffen und poliert werden. Bei kleineren Scheiben geschah
dies von Hand, große wurden zur Schleifmühle an der
Modau transportiert.
Die größten in der Mordach
hergestellten Scheiben waren 1,10 x 0,81 m groß und
kosteten 105 Gulden, später nach neuer Taxe 135 Gulden.
"Kutschengläser" (Mondglas) hatten als größten
Durchmesser 680 mm und kosteten 12 Gulden.
Die
Arbeit in der Schleifmühle
In
der Schleifmühle wurden die Spiegelscheiben mit Gips auf
einem Tisch festgelegt. Eine kleinere Glasscheibe, am Boden eines
rechteckigen Holzkastens befestigt, schliff über die
Spiegelscheibe. Als Schleifmittel dienten Quarzsande und
geschlämmter Schmirgel. Die hin und her gehende
Schleifbewegung wurde durch eine vom Wasserrad bewegte Kurbel und
einem Gestänge erzeugt. Der Schleifkasten war mit Steinen
beschwert, deren Gewicht den nötigen Schleifdruck erzeugten.
Poliert wurde von Hand mit einem lederüberzogenen Holz. Als
Poliermittel diente Trippel oder Zinnasche.
Untergang
eines aussichtsreichen Werkes
1699
war ein gutes Jahr für die Produktion in der Glasmanufaktur.
Aber schon ein Jahr später, am Ende der Saison im Oktober,
liest man in den Akten von Schwierigkeiten. Der Landgraf hatte
für die Erstellung der Glashütte bereits 14.133 Gulden
aufgebracht. Gundelach wollte weitere 10. bis 12.000 Gulden zum
weiteren Ausbau haben.
Dem
Landgrafen wurde von seinen Beratern empfohlen, sein Kapital aus
dem Unternehmen herauszuziehen, indem er Gundelach die Hütte
für einen jährlichen Zins von 200 Gulden überlassen
und jährlich 100 Gulden seines eingebrachten Kapitals
zurückverlangen sollte. Diesem Rat folgte er aber nicht. Es
ist auch möglich, daß Gundelach auf diesen Vorschlag
nicht einging.
Gundelach war offenbar unumschränkter
Herrscher in der gesamten Manufaktur. Im Juni 1702 drängte
er den Schleifmeister Brede aus seinem Amt und stellte dafür
Christoph Mick ein. Er gab den Leuten auf dem Schleifhaus
Anweisung, von Brede keine Befehle mehr anzunehmen. Er selbst
wollte dem Landgrafen darüber berichten.
Der
Kammerschreiber Zühl mißtraute ihm aber und schrieb an
seinen Herrn: "Ich sorge, wann dem Gundelach dieser Streich
angehet, daß er dergleichen noch mehr ausübe, mit
dieser und anderen Passionen aber das Werk zum Untergang
befördern wird". Er schlug vor, Brede ein Jahr zu
halten, da wohl kein besserer Schleifmeister zu bekommen sei.
Nach Ablauf des Bestandjahres von Mick, sollte man Brede wieder
einstellen.
Der Faktor Bergmeister war Gundelach gegenüber
ebenfalls machtlos. Er war von Darmstadt auf die Bohlenmühle
gezogen, um bessere Aufsicht auf das Werk zu haben. Kummer
bereitete ihm vor allem, daß ihm nicht ständig ein
Pferd aus dem Marstall in Darmstadt zur Verfügung
stand.
Auch scheint ihn die Anlegung eines Hausgartens bei
der Bohlenmühle mehr beschäftigt zu haben als die
Geschäfte der Manufaktur. Er beschwerte sich in einem Brief
an den Landgrafen über Gundelach, daß dieser ihm die
ganzen Bestellungen und Anschaffungen auf den Hals lade, nur um
selbst die Verantwortung los zu werden. Auch der Glasschneider
Jacob aus Eberstadt beschwerte sich, daß Gundelach nicht
das versprochene Glas lieferte. Er habe keine Aussicht, daß
dies besser werde, da dem Glasmeister keine geeigneten Leute zur
Verfügung stünden und sie kein feines Glas zu Wege
bringen.
Gundelach war in der Tat ein eigenwilliger Mann.
In erster Linie auf seinen Vorteil bedacht, brachte er zum
Gelingen des Werkes wenig zustande. Dies bestätigte sich
auch später in Spiegelberg bei Heilbronn, wohin er 1705 mit
großen Schulden abging. Auch dort entließ man ihn
1712 nach vielen Querelen und großer Erfolgslosigkeit. Man
hatte ihn ohne die übliche Prüfung seines Könnens
angenommen, da er aus einer der berühmtesten
Glasmacherfamilien Hessens stammte und zum anderen aus Darmstadt
einige Römer und Spiegel nach Stuttgart geliefert hatte, die
seine Tüchtigkeit "bewiesen". Auch sein Favorit
Mick tauchte mit ihm zusammen in Spiegelberg auf.
Mit
Gundelachs Weggang im Jahre 1705 ging auch die Manufaktur in der
Mordach zu Ende.
Die Gebäude der Spiegelhütte
verkaufte der Landgraf 1705 an Johann Georg Frankenberger,
zusammen mit sieben Morgen Feld, für 350 Gulden.
Frankenberger war Müller auf Heil Eberhards Mühle, der
Mittleren Schachenmühle. Er baute die Spiegelhütte zu
einer Mahlmühle um.
1707 kaufte Johann Ludwig Braun,
der ehemalige Schleifmüller, die zur Glashütte
gehörende Langwiese und erbaute darauf eine eine Mahl- und
Schneidmühle, die heutige Frankenbergersmühle.
Der
Landgraf versuchte, durch die Verkäufe zu retten, was noch
zu retten war, um wenigstens noch einen Teil seines aufgewendeten
Kapitals zurückzuerhalten. Wahrscheinlich wurden beim Bau
der beiden Mühlen die Glashütte und das Stampfwerk
abgerissen und als Baumaterial verwendet.
Ein
hoffnungsvolles Unternehmen war schnell zu Grunde gegangen.
Landgraf Ernst Ludwig hatte am Ende wieder einmal ein paar
tausend Gulden Schulden mehr
Die
Betriebsorganisation in der Glasmanufaktur
Die
Glas- und Spiegelhütte an der Mordach liegt ca. 2 km von der
Spiegelschleifmühle an der Modau entfernt. In der Mordach
war der Wald besser zugänglich, aber die Wasserkraft reichte
nur für das Stampfwerk aus. Das Spiegelschleifwerk mit
seinem großen Kraftbedarf richtete man an der Modau
ein.
Als kaufmännischen Leiter des gesamten
Unternehmens setzte Landgraf Ernst Ludwig den "Glas-Factor"
Johann Adam Bergmeister ein. Ursprünglich leitete dieser von
Darmstadt aus die Geschäfte, mußte dann aber seine
Wohnung auf der Bohlenmühle nehmen, was ihn vom städtischen
Leben in der Residenz völlig ausschloß und ihn äußerst
unglücklich machte. Mit seinem "Spiegelmeister"
Johann Georg Gundelach lag er in ständiger
Auseinandersetzung um die Führung der Geschäfte.
Im
Kirchenbuch von Nieder-Beerbach taucht 1705 ein "Spiegel-factor
bei der Hütte", Bernhard Christoph Brehm, auf. Es
scheint so, als habe man für die Spiegelhütte an der
Mordach einen eigenen Faktor eingestellt oder Brehm hat
Bergmeister in der Gesamtleitung abgelöst.
Johann
Georg Gundelach war der technische Leiter der Gesamtmanufaktur
und speziell für die Spiegelproduktion verantwortlich. Dort
stand ihm noch der "Spiegelmeister" Johann Georg
Kendlen zur Seite.
Johann Georg Wenzel,
"Glasmachermeister", war zuständig für die
Hohlglasproduktion am Schmelzofen in der Mordach. Er war bis 1698
Hüttenbeständer der Glashütte bei Königstein
im Taunus gewesen. Wegen hoher Verschuldung mußte er die
Hütte aufgeben, behielt aber das Recht, jederzeit am
dortigen Ofen arbeiten zu können. Der Erzbischof von Mainz
räumte ihm dieses Privileg ein, da er als ein hervorragender
Glasmeister galt.
"Fürstlicher Schleifmeister"
in der Schleifmühle an der Modau war Asspalt Brede. 1702
setzte Gundelach an seiner Stelle Christoph Mick ein.
Kammerschreiber Zühl riet aber dem Landgrafen, Brede, der
ein guter Schleifmeister sei, zu halten. Brede scheint auch nach
Schließung der Manufaktur noch für den Landgrafen
tätig gewesen zu sein, denn 1709 ließ dieser bei Brede
ankündigen, daß er noch "einige große
Siebener Stücke" anfertigen lassen wolle.
Drei
"Spiegelmeister" mit Namen Johann Georg Gundelach
Bei
der Nachforschung über den Lebensweg von Johann Georg
Gundelach bin ich auf einige überraschende Schwierigkeiten
gestoßen. Drei Männer gleichen Namens hatten mit der
Hütte in der Mordach zu tun:
Hans Georg Gundelach
(I), Sohn aus 1. Ehe des Breitenborner Hüttenmeisters
Henrich Gundelach, war 1665, zusammen mit seinem Vater und drei
weiteren Glasmachern, Beständer der Breitenborner Glashütte.
1696 wird er im dortigen Einwohnerverzeichnis genannt. In einem
Schreiben vom 5. 8. 1704 aus Frankfurt beklagte er sich beim
Grafen Carl August von Ysenburg, daß er von der Erbschaft
seines Vaters ausgeschlossen sei. Er unterschrieb mit: "Johann
Georg Gundelach, Spiegelmeister auff der Fürstl. Hütten
Darmstadt und hochgräfl. Hanauischen Glashütte".
Die hessen-darmstädtisehe Hütte an der Mordach wurde
1706 geschlossen. 1707 starb er in Breitenborn.
Johann
Georg Gundelach (II), Sohn von (I), leitete zwischen 1705 und
1712 die Glashütte in Spiegelberg bei Heilbronn. Er nannte
sich "Landgräflich hessisch-hanauischer
Spiegelmeister", und gab an, als Spiegelmeister in Neustadt
an der Dosse und in der Mordach bei Eberstadt gearbeitet zu
haben. Beides kann nicht stimmen. Es sei denn, er habe die Hütte
in der Mordach an Stelle seines Vaters geleitet. Vielleicht auch
mit diesem zusammen? Gundelach war jedenfalls in Stuttgart durch
die Lieferung sogenannter "flammischer Scheiben" nach
Ludwigsburg und einiger Trinkgläser für den Hof bekannt
geworden. Flammische Scheiben sind geschleuderte runde Butzen-
oder Mondglasscheiben. Erst im Laufe seiner Tätigkeit in
Spiegelberg entdeckte man, daß er in Darmstadt "mit
großem Schaden und vielen hinterlassenen Schulden"
weggegangen war. Nun entließ man ihn auch hier 1712 wegen
Unfähigkeit in der Leitung der Hütte. Warum hatte er
sich aber als Spiegelmeister aus Neustadt an der Dosse
ausgegeben?
Der wirkliche Neustädter Spiegelmeister
war Johann Georg Gundelach (III). Er wurde wahrscheinlich in
Auerbach 1662 geboren und kam 1664 mit seinen Eltern nach Lüttich
und 1681/82 nach Altmünden, wo der Vater die dortige
Glashütte gründete. 1688 wurde er von Landgraf
Friedrich von Hessen-Homberg als Spiegelmeister nach Neustadt a.
d. Dosse berufen.
Im gleichen Jahr noch heiratete er
Catharina Margarete Eck, Tochter des Amtmannes Liberius Eck von
Neustadt. 1694 ging die Neustädter Glashütte in den
Besitz von Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg über.
Dieser berief ihn 1695 an die Kristallhütte in Berlin. Diese
Hütte hatte bis 1692 der berühmte Johann Kunckel
geleitet, der Erfinder des Goldrubinglases. 1679 hatte er sein
Buch über die Glasmacherkunst "Ars vitraria
experimentalis" veröffentlicht. Nun trat Gundelach,
nach kurzer Zwischenleitung durch einen Franzosen Tournay, die
Nachfolge Kunckels an.
1698 reichte Gundelach seinen
Abschied in Berlin ein und begab sich nach Hessen, wo er
vorübergehend bei Johann Heinrich Gundelach, dem Halbbruder
von Johann Georg (I) wohnte. Ob verwandtschaftliche Beziehungen
bestanden, ist nicht bekannt.
Auf der Suche nach neuer
Betätigung kam der Spiegelmeister nach Königstein im
Taunus zur Hütte des Hans Georg Wenzel, der sie wegen hoher
Verschuldung abtreten wollte. Dort traf er den Franzosen Tournay
mit seiner Glasblsermannschaft bei der Arbeit am Ofen, der ihm
den Zutritt verwehrte. Gundelach hatte aber auch Angebote aus
Homburg und Hessen-Darmstadt, wo er beidemal Proben ablegen
sollte. Wie der Königsteiner Rentmeister nach Mainz
berichtete, traf Gundelach einen Reiter der
Hessen-Darmstädtischen Leibgarde, der ihm einen Kontrakt zur
Errichtung einer Glashütte in der Mordach Überreichte.
Gundelach werde sich demnach mit dem seitherigen Königsteiner
Hüttenmeister Hans Georg Wenzel in Darmstadt engagieren.
Beide sollten aber weiterhin auch in Königstein für den
Mainzer Erzbischof Glas machen können, der Darmstädter
Kontrakt lasse dies zu. Gundelach (III) starb am 22. Juni 1701 in
Altmünden.
Hans Georg Wenzel taucht als
Glasmachermeister 1699 in der Mordach auf. Ein anderer Gundelach,
(I) oder (II), übernahm die Stelle als Spiegelmeister und
profitierte in der Folge von der Berühmtheit seines
Namensvetters.
Gläser
aus der Manufaktur an Mordach und Modau
Trotz
jahrelanger intensiver Bemühungen ist es seither noch nicht
gelungen, Produkte aus der Glasmanufaktur zu finden. Ebenso ist
der genaue Standort des Glasofens und der anderen Hüttengebäude
nicht bekannt. Am vermutlichen Standort des Ofens wurden
Glasfragmente und Schlacken als Lesefunde sichergestellt. An den
Scherben ist zu erkennen, daß dickwandiges, grünes
Waldglas, klares "Kristallinglas" und weißes
"Beinglas" mit blauer Fadeneinlage hergestellt
wurden.
1896 soll bei dem Brand in der Glashüttenmühle
auf dem Dachboden eine Kiste mit letzten Glasresten vernichtet
worden sein. 1965 tauchten nochmals Gläser auf, die
inzwischen aber leider verschollen sind.
|
Autor: Karl-Heinrich
Schanz



Darstellung
einer Werkstätte zur Streckglasherstellung


Vier
Schritte zur Herstellung von Mondglas in einer Glashütte




Spiegelschleifmühle
(aus Jakob Leupold „Schauplatz der Mühlenbaukunst“,
Leipzig 1735)




Das
Haus Burgwald: Von der Glashüttenmühle über
Gasthof und Fachklinik für Alkoholkranke zur
Therapieeinrichtung für Suchkranke.

An
der engsten Stelle des Mühltales steht die ehemalige
Spiegelschleifmühle „auf“ der Modau, in der
ursprünglich die Gläser aus der Glashüttenmühle
„auf“ der Mordach weiterbearbeitet wurden. Die
Schleifmühle ist baulich eng verbunden mit der Alten
Bohlenmühle und beherbergt heute die Christophorusschule,
läßt aber noch ihren Ursprung als Mühlen-Hofreite
erkennen.



Drei
Außenansichten, in denen sich die ehemalige Schleifmühle
als heutige Christophorusschule darstellt
|