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Die
Füllhalterfabrik „Reform“ in
Nieder-Ramstadt
1919 gründeten der
Kaufmann Ludwig Jung, der Drechsler Paul Fortran und der
Holzdreher Johann Heinz in St. Ilgen bei Heidelberg ein
Unternehmen für die Herstellung von „Sicherheitsfüllhaltern“
unter der Markenbezeichnung „Kaweco“
Nach der
Schließung der Zündholzfabrik Reichenbach und
Bessunger in der Ober-Ramstädter Straße in
Nieder-Ramstadt übernahmen 1928 die drei Unternehmer die
Liegenschaften und verlegen den Betrieb nach Nieder-Ramstadt.
Unter der Marke „Reform“ stellten sie Füllhalter,
Tintenschreiber und Drehbleistifte von der einfachen bis zur
Luxusausführung her, die zum größten Teil
exportiert wurden.
1930 beschäftigte „die
Reform“ rund 40 Mitarbeiter. Die Firma war Lehrbetrieb für
die Ausbildung zum Kunsthorn- und Gummidreher. Gefertigt wurde
nach Muster, nicht nach Zeichnung, auf einfachen Drehbänken
und Revolverdrehbänken. Außenkonturen wurden später
auch geschliffen. Ein Füllhalter bestand aus 26
Einzelteilen. Ein Mitarbeiter produzierte in der Woche rund 120
Stück.
Als Rohstoffe wurden Hartgummi, Galalith und
gehärtetes Celluloid nach einem Patent der Firma Dietz und
Böttcher aus der Hahnmühle bei Pfungstadt verarbeitet.
 Die
Belegschaft beim Betriebsausflug etwa 1940
Bis 1940 wurden die
Maschinen noch über Transmission angetrieben. Antriebsgerät
war ein Einzylinder-Dieselmotor, der auch über Generator den
Gleichstrom für die Beleuchtung lieferte. Um 1940 hatte der
Betrieb mit etwa 100 Arbeitern und Angestellten seinen höchsten
Beschäftigungsstand erreicht. Ausgeliefert wurde nicht über
den Großhandel, sondern Vertreter förderten den Export
des „Worldpen“ in ganz Europa, in Mittelamerika und
in Asien. 99 v.H. der Erzeugnisse gehen ins Ausland. In einzelnen
Ländern kommt die Marktführerschaft der Reform einer
Monopolstellung gleich. Im Elsaß entstand ein
Zweigbetrieb.
„Die Reform“ wurde in den 1930er
Jahren als Musterbetrieb ausgezeichnet und wurde 1938 „Gausieger“
im Berufswettbewerb. In Deutschland war die Reform weit weniger
bekannt als auf dem Weltmarkt. Im Krieg erlitt das Unternehmen
schwere Einbrüche.
Wilhelm Crößmann, der
1933 in „der Reform“ seine Ausbildung als Kunsthorn-
und Gummidreher begonnen hatte, gründete nach dem Kriege
einen eigenen Fertigungsbetrieb in Nieder-Ramstadt.
Seinesgleichen gab es mehrere ehemalige Reform-Mitarbeiter, die
damit in Klein- und Kleinstbetrieben die
Füllfederhalterproduktion im Odenwald verbreiteten.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg konnte nicht mehr an die wirtschaftlichen
Erfolge der Vorkriegszeit angeknüpft werden. Neue, billig im
Spritzgußverfahren hergestellte Schreibgeräte
verdrängten mehr und mehr die wertvollen, handwerklich
gefertigten Füllhalter und Drehbleistifte. 1956 wurde der
Betrieb geschlossen.
1958 übernahm die Firma
Rodenhäuser aus Ober-Ramstadt die Liegenschaften der Reform
und verlegte ihre Schreibgeräte-Produktion hierher.
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Die
Autoren:
Karl Dehnert † Karl-Heinrich
Schanz (nach Befragung von Jakob Reiß Josef
Ihle)


Das
Logo der Nachfolgefirma „Ero“ Rodenhäuser

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