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Die
Mühlburg im Kühlen Grund
 Luftaufnahme
von Georg Seeger etwa 1985
Adelssitz
derer von Reckershausen auf den Kohlbergen?
Eines
der Nieder-Ramstädter Adelsgeschlechter waren die Junker
von Reckershausen. Ihr Wappen zeigt einen Schrägbalken, mit
drei Ringen besetzt. Die Farben des Wappens sind nicht
gesichert, vermutlich aber blauer Schild mit silbernem Balken
und blauen Ringen, wie ihn die Echter von Mespelbrunn führen.
Beide Familien trugen Breuberger Lehen und scheinen einem
gemeinsamen Stamm entwachsen zu sein.
Die Herren von
Reckershausen treten erstmals um 1200 auf. Dimarus de
Reigershusen macht dem Kloster Eberbach im Rheingau eine
Schenkung in Darmstadt. Hen de Regershusen ist 1252 Burgmann auf
dem Frankenstein für die Erbauer der Burg, Konrad II. Reiz
von Breuberg und dessen Gemahlin Elisabeth von
Weiterstadt.
„Auf Ruckelshausen“ –
dort lagen die Besitzungen
Die
Besitzungen der Reckershausen in Nieder-Ramstadt lagen links der
Modau, zwischen den Bruchmühlen und der Papiermühle
und gingen über den Kohlberg hinweg bis zur Mordach. Diese
Gewann nennt sich noch heute „Auf Ruckelshausen“.
Ebenso gehörte der schmale Talstreifen links der Modau,
zwischen Papier- und Bohlenmühle und der Talgrund rechts
der Mordach, zwischen „Haus Burgwald" und der Neuen
Bohlenmühle, zu ihren Besitzungen. Sie sollen ehemals nur
ca. 100 Morgen groß gewesen sein, wozu noch ca. 60 Morgen
verstreut in der Nieder-Ramstädter Gemarkung hinzukamen
Der Heimatforscher Wilhelm Ludwig Friedrich schreibt
1913: "Der Stammsitz, der in der Nähe der Papiermühle
anzunehmen ist, wahrscheinlich eine an der Modau erbaute
Wasserburg“ (auf den angrenzenden Höhen sind nirgends
Spuren einer Befestigung wahrzunehmen), „bestand aus einem
befestigten Hof und einer in der Nähe befindlichen oder in
den Umkreis des Hofes einbezogenen Walkmühle."
Wie
er auf befestigten Hof und Walkmühle kam, ist nicht
bekannt. Offenbar gründete er seine Aussage auf die
Gewannbezeichnung „Auf Ruckelshausen".
Wasserburg
oder Mühlburg?
Sicherheit
hierfür besaß er aber nicht, denn sechs Jahre später,
1919, schreibt er über die Lage der ehemaligen Walkmühle:
„...,
wo beim Übergang der Dieburger Straße über die
Beerbach (d.i. die Mordach) sowohl Bodenreste als Nachrichten
auf eine verschwundene, befestigte Walkmühle, den Stammsitz
derer von Reckershausen, hinweisen".
Es
fehlen leider nähere Angaben. Auch G.W.J. Wagner schreibt
1827:
"Man
findet noch mehreres altes Mauerwerk".
1869
berichtet Dr. Ph.A.F. Walther in seiner Arbeit über „Die
Alterthümer der heidnischen Vorzeit innerhalb des
Großherzogthums Hessen" von der „Mühlburg"
wie folgt:
„An
dem Vereinigungspunkte der Beerbach (d.i. die Mordach, d.Red.)
mit der Modau befinden sich nahe beieinander mehrere Mühlen,
welche im Munde des Volkes mit dem Namen, die Mühlenburg'
bezeichnet werden. In der nächsten Umgebung dieser Mühlburg
hat man zu verschiedenen Zeiten, namentlich im Jahre 1838,
ziemlich viele römische Münzen (bis auf Maximilian)
gefunden, ebenso auf einer unfern davon liegenden Anhöhe
bei der Aufrichtung des Mathildentempels im Jahre 1838
Fundamente eines römischen Gebäudes mit einer
Wärmeleitung, Bruchstücke von Gefäßen aus
terra sigillata, Ziegelsteine etc. Man hat, von der Ansicht
ausgehend, daß hier die angenommene alte Römerstraße
von Dieburg nach der Bergstraße ausmündet, an der
Mühlenburg eine römische Befestigung annehmen zu
müssen geglaubt".
1894
hat Friedrich Kofler erwähnt, daß diese Stelle im
Volksmund "Mühlburg" genannt würde und
„viele römische Münzen" dort gefunden
wurden. W.L. Friedrich kommt dann 1929 zu dem Schluß:
„Beim
Übergang über die Beerbach (Die Mordach) ist die
,Mühlburg', nämlich eine ehemalige Walkmühle, als
Stammsitz der Adligen von Reckershausen anzunehmen, der von der
Familie Stolz von Gaubickelheim geerbt wurde. Da die darauf
hindeutenden Bodentrümmer auf der anderen Straßenseite
gegen den einst ,Burgberg' genannten Osthang des Riedberges
weiter zu laufen scheinen, so hatte hier zugleich wahrscheinlich
eine vermutlich schon von den Römern angelegte Wegsperre
bestanden."
Auch
keine Römeranlage
Den
wissenschaftlich eindeutigen Beweis, daß es sich um
römische Anlagen handelt, ist man bis heute schuldig
geblieben, wie Prof. R.H. Schmidt in den „Ober-Ramstädter
Heften" des Vereins für Heimatgeschichte e.V.
Ober-Ramstadt Heft 3, 1977, anführt („Die
römerzeitliche Besiedlung entlang der Römerstraße
Gernsheim - Dieburg, besonders im Odenwald-Abschnitt, von
Darmstadt-Eberstadt bis Dieburg". 5. 93-96). Anderer
Meinung sind 0. Schäfer und die Arbeitsgemeinschaft
Heimatbuch in Nieder-Ramstadt. Er schreibt 1950:
„Auf
der höchsten Erhebung des Kohlberges liegen Trümmer
eines Forsthauses, das in der zweiten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts noch bewohnt war. Die Masse der Steinreste und die
kreisförmige Abschließung des Berggipfels lassen sehr
stark vermuten, daß diese Wüstung einst mehr war als
ein einfacher Forsthof. Sie dürfte der Stammsitz der Junker
von Reckershausen gewesen sein, der hier im Südwestteil
unserer Gemarkung anzunehmen ist."
In
der Tat standen in den Jahren zwischen 1856 und 1875 Häuser
auf dem Kohlberg. Im Brandkataster von 1827 wird noch nichts
erwähnt. 1856 gibt es dann einen „Stall auf dem
Kohlberg", Besitzer ist Wilhelm Wagner, 1863 ist es Georg
Hofmann. Ab 1858 wird daneben „ein zwei stöckig Haus
mit Stallung" genannt, Besitzer ist Georg Gustav Lange, der
Verleger aus Darmstadt. 1876 wird dieses Gebäude „das
Großherzogliche Haus (Familieneigenthum)" genannt.
Bewohnt waren die Kohlberge!
Bei der Volkszählung am 1.
Dezember 1875 wohnt nur noch Frau Maria Mutz mit vier Kindern
auf dem Kohlberg. Bei der nächsten Zählung 1895 werden
die beiden Grundstücke nur als „Bauplätze"
aufgeführt. Der hessische Regierungsbaurat Otto Ehlers,
Mitarbeiter des Hessischen Denkmalarchivs, schreibt 1944 in
seinen Jugenderinnerungen an die Engelsmühle:
„Es
ist zweifellos, daß in dem engen Mühltal, wo diese
wichtige alte Verbindung plötzlich aus der Ebene ins enge
Gebirge eintritt, einstmals Befestigungsanlagen, ein Wartturm
oder Palisadensperren gewesen sind. Und auf der Anhöhe über
der Bohlenmühle liegt noch ein Steinhügel, der der
Unterbau für einen hölzernen Wachturm gewesen sein
kann."
Einige
Zeilen weiter:
„Auf
dem Kohlberg über dem großen Steinbruch waren noch
die Kellerruinen eines Häuschens zu sehen vor 30 Jahren,
das ,Mitzehäusche', wie mir eine Tante mal sagte, es mag
wohl ein Lusthäuschen gewesen sein, was sich solch ein
Schwärmer aus der Zeit der ausgehenden Romantik gebaut
hatte. Ich habe nie in Erfahrung bringen können, was es für
eine Bedeutung hatte."
Ehlers
hatte mit der Vermutung des „romantischen Schwärmers"
also recht. Der Verleger G. G.Lange kann sicher als solcher
bezeichnet werden. Und die Bezeichnung ,Mitzehäusche' kommt
offenbar von der letzten Bewohnerin Maria Mutz. Ein Forsthaus
war diese Anlage also nicht, das ältere Gebäude eher
die Feldscheune eines Bauern oder der Geräteschuppen eines
Holzmachers.
Den
Stammsitz der Herren von Reckershausen dort anzunehmen gibt es
keinen Beweis. Es ist dann doch eher zu vermuten, daß er
im Talgrund am Zusammenfluß von Mordach und Modau, im
„Kühlen Grund" lag. Ebenso könnte die
Gewannbezeichnung „Auf Ruckelshausen" einen Hinweis
auf den Stammsitz geben. Weitere Gewanne „Auf der
Wettermühle", „Hinter der Wettermühle"
und „Hinter dem Weihergarten", die alle unmittelbar
zusammen in der Nähe der Bruchmühlen liegen, könnten
auf eine weitere Mühle hinweisen. Daß dies eine
befestigte Walkmühle gewesen sein könnte, ist nicht
belegt. Nur künftige Bodenuntersuchungen könnten das
Dunkel über den Stammsitz der Herren von Reckershausen
erhellen.
Anmerkung:
Fest steht nur, daß
der Name Reckershausen noch einmal im Zusammenhang mit dem
vermuteten Sitz am Zusammenfluß von Mordach und Modau
erwähnt wird, nämlich als Besitzer der heutigen „Alten
Bohlenmühle“: Von Stefan von Reckershausen (genannt
1412 - 1454, gestorben vor 1463) ging der Besitz in
Nieder-Ramstadt auf seine Tochter Margarete über, die mit
Hans Stoltz von Gau-Bickelheim verheiratet war. Sie ist 1475 und
1487 als Witwe genannt. Die Nachkommen der Margarete Stoltz geb.
von Reckershausen, darunter ihr Sohn Friedrich und ihr Enkel
(oder Urenkel) Philipp, besitzen dieses adlige Gut bis zum Ende
des 16. Jahrhunderts.
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Autor: Karl-Heinrich
Schanz


Mit
„Die Beerbach“
in
hier erwähnten Zitaten ist wie auch in anderen Artikeln
ungenau der Modau-Nebenfluß gemeint, der im Oberlauf zwar
„Beerbach“, auf Nieder-Ramstädter und
Eberstädter Gemarkung aber „Die Mordach“
heißt.

Die
Alte Bohlenmühle an der Modau ist die spätere
alte (!) Folienfabrik Scheuch, der heutige Handwerkerhof an der
B 426 (Rheinstraße).
Über die weitere
Geschichte der Bohlenmühle:


Die
Kohlberge oder der Kohlberg?
„Der
Kohlberg“, auf dem jener Adelssitz vermutet wird, heißt
im Sprachgebrauch der Einheimischen „Die Kohlberge“.
Karten mit Höhenlienen bestätigen das:
Die
mächtige Erhebung, die Modau- und Mordachtal teilt, hat
tatsächlich drei „Gipfel“, die nicht einzeln
benannt sind (270, 232,5 und 232 m über NN) .

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