Frankenstein Freizeit Gemeinschaft Geografie Geschichte Mühlen Sehenswert

 

 

 

 

Geschichte > Nieder-Ramstadt

Stand: 30.11.2011

 

 

 




 

Persönlichkeiten

Text:
Volker Teutschländer

Quellen:
Karl-Heinrich Schanz
Gerhard Schmidt
Wikipedia






Johann Conrad Dippel ali
as Christianus Democritus
1673 - 1734

(zeitgenössischer Stich)



Grabdenkmal Helfrich auf dem Friedhof Nieder-Ramstadt



Grabmal von Wilhelm Friedrich auf dem Friedhof Nieder-Ramstadt





Grabmal des Moritz Friedrich Illig auf dem Alten Friedhof in Darmstadt.
In Darmstadt ist eine Straße nach ihm benannt, in Nieder-Ramstadt trägt die Papierfabrik seinen Namen.

 

Johann Konrad Dippel

 

Geboren am 10. Aug. 1673 in Nieder-Beerbach (Burg Frankenstein), gestorben am 24. April 1734 auf Schloß Wittgenstein.

Johann Conrad Dippel alias Christianus Democritus, berühmter Theologe, Arzt und Alchemist aus dem Mühltal: Der weltberühmte Dr. Dippelius, zu seiner Zeit bekannt und gefürchtet, verbrachte Kindheit und Jugend im elterlichen Pfarrhaus in Nieder-Ramstadt, kehrte auch später wiederholt dorthin zurück. Er kaufte später ein Landgut „in der Nähe einer Glashütte in seiner Heimatgemeinde“, evtl. in der Nieder-Ramstädter Mordach – nicht den Traisaer Dippelshof, wie häufig verwechselt wird. Der Dippelshof trägt seinen Namen nach Konrads Bruder Johann Albert.

Dippel gehörte „im Zeitalter des Pietismus zu den führenden Geistern ganz Deutschlands und hat für die Aufklärung bahnbrechender gewirkt hat als irgend einer seiner hessischen Zeitgenossen“ (Prälat Diehl).

Mehr über Dippel in der Arbeit von Otto Weber:

 

Johann Georg Helfrich

Geboren am 28. Dez. 1825 in Reichenbach, gestorben am 15. Februar 1905 in Nieder-Ramstadt.

Helfrich hatte 47 Jahre in Amerika (Illinois) gelebt, aber seine letzten Jahre in Nieder-Ramstadt verbracht und setzte die Gemeinde zu seiner Erbin ein. Er bestimmte, daß aus dem Nachlaß 2000 M zur Hälfte für sein Grabmal, der Zinsertrag aus der anderen Hälfte für die Unterhaltung seines Erbbegräbnisses verwendet werden sollten.. Die dafür nicht benötigten Zinseinnahmen sollten für die örtliche Armenpflege verwendet werden. Die ev. Kirchengemeinde bedachte er mit 500 Mark für den Bau einer Kleinkinderschule und die Gemeinde Waschenbach mit 1000 Mark für die Anschaffung einer Glocke. Nach Abzug einiger Schenkungen verblieben über 23000 Mark, womit die Gemeinde die »Georg-Helfrich-Stiftung« errichtete, aus deren Zinserträgen bedürftige Konfirmanden, aber auch Waisen und Witwen unterstützt wurden.

Die Odenwälder Nachrichten berichteten wie folgt (Karl-Heinrich Schanz):

Die Gemeinde hat dem Stifter entsprechend ihrer testamentarischen Verpflichtung ein ehrendes Grabdenkmal errichtet, das weiterhin erhalten wird. Helfrichs letzte Ruhestätte war noch auf dem Kirchhof, obwohl der neue Gemeindefriedhof bereits eröffnet war. Dorthin wurde sein stattliches Grabmal versetzt. Im Sockel des markanten Grabmales ist eingemeißelt: „Einem Wohltäter der Kinder Nieder-Ramstadts in dankbarer Erinnerung.“

Durch Geldentwertungen ging der größte Teil des Stiftungsvermögen verloren. Er betrug 1989 (Quelle: Gemeindebrief der Ev. Kirchengemeinde) noch 2707,03 DM.

 

Georg Wendel Kilian

Im Herbst 1905 gab es für die Gemeinde Nieder-Ramstadt eine angenehme Überraschung. In Frankfurt starb der in Nieder-Ramstadt geborene frühere Metzgermeister Georg Wendel Kilian, der die Gemeinde als seine Universalerbin eingesetzt hatte. Die Odenwälder Nachrichten berichteten (Karl-Heinrich Schanz):

Die Erbschaft betrug nach Abzug einiger Legate sowie der Auflage, für 10000 Mark ein Denkmal für die Teilnehmer des Krieges 1870/71 zu errichten, 300.000 Mark. Allerdings prozessierten entfernte Verwandte, die nach dem Testament leer ausgegangen waren, gegen die Gemeinde und erreichten einen Vergleich, durch den sie einen gewissen Anteil an der Erbschaft erhielten. Nach Abzug von Legaten – u.a. 10.000 Mark zur Errichtung eines Kriegerdenkmals hier, 5.000 Mark für die Armen – beträgt die Erbschaft noch 180.000 Mark.“

Im Jahre1912 wurde der wesentliche Teil des Vermächtnisses erfüllt und das mächtige Monument zum Andenken an die Opfer des Krieges 1870/71 eingeweiht. Die Gemeinde wählte den Standort unter der Friedenslinde, die zusammen mit einer Freitreppe zu der Stützmauer und Jugendstilleuchten als eindrucksvolles Ensemble die Dorfmitte prägte. Es wurde komplett 1966 dem Durchgangsverkehr geopfert.

Zum Andenken an den Wohltäter benannte die Gemeinde Nieder-Ramstadt den Gummiweg in Kilianstraße.

 

Wilhelm Friedrich I.

 

Geboren am 12. September 1801, gestorben am 4. November 1868.

1827 sind die Eltern von Wilhelm Friedrich die Besitzer der untersten Mühle auf der Mordach in der Mühlburg („Kühler Grund“). Sie verkaufen die Mühle an Ludwig Christoph Engel (daher bis heute „Engelsmühle“) von der Kirchmühle in Pfungstadt und übernehmen die Brückenmühle in Nieder-Ramstadt, die an der Modau eine höhere Mahlleistung verspricht.

Enkel Wilhelm Ludwig Friedrich wird bekannt als Heimatforscher, dessen Arbeiten über Nieder-Ramstadt und das Mühltal noch heute in Fachkreisen zitiert werden. Eine kompakte Zusammenfassung seiner Arbeiten erscheint 1913 im Mittelpunkt einer Festschrift des Gesangvereins Harmonie 1863, die in den 1960er Jahren als Nachdruck erschienen ist.

 

Moritz Friedrich Illig

Text: Gerd Schmitt

 

Geboren am 30. Oktober 1777 in Erbach als Sohn des Papiermüllers Johannes Illig (geb. 30. Okt. 1748 in Nieder-Ramstadt) gestorben am 26. Juli 1845 in Darmstadt.

Der berühmte Uhrmacher entstammt der ebenso berühmten Papiermachersippe Illig, die über mehrere Generationen die Papiermühle Nieder-Ramstadt betrieben und auch den Gasthof im Kühlen Grund errichtet hat.

Eine für den erfolgreichen Uhrmacher Moritz Illig „branchenfremde“ Erfindung revolutionierte die Papierherstellung mittels Harz- oder Massenleimung im Jahre 1806. Sie unterstützte die rationelle Schöpfmethode bei der Papierherstellung dadurch, daß nicht mehr die Oberfläche des bereits geschöpften Papieres geleimt wird, sondern daß das Leimmittel bereits der Fasersuspension beigegeben wird. Zwei Arbeitsgänge werden zu einem verschmolzen und dadurch rationalisiert.

1743 übernimmt Johann Heinrich Illig die Papiermühle, der erste aus der Illig-Sippe. 1813 folgt ihm Enkel Johann Christian Illig, Der Erfinder Moritz Friedrich Illig aus Erbach verwandelt als Geschäftsführer die Papiermühle in eine moderne Papierfabrik – den ersten industriellen Fertigungsbetrieb in Starkenburg.

Moritz Friedrich Illigs Schwester hatte 1835 Gustav Georg Lange geheiratet, den Bruder des berühmten Architekten und Künstlers Ludwig Lange, eines Schülers von Georg Moller. Ludwig Lange baut die 1846 niedergebrannten Hauptgebäude der Papiermühle im Stil des Historismus gotisierend mit zinnenbekrönten Erkervorbauten und steilen Giebeln versehen und von einem spitzen Dachreiter bekrönt auf.

Etwa 1862 baut Ludwig Lange für seine Schwägerin, die aus der Papiermühle stammt, ein „Lusthaus“ oberhalb der Mühle auf den Kohlbergen. Im Hypothekenbuch von Nieder-Ramstadt steht: „Gustav Georg Lange, verh. mit Sophie Eleonore, geb. Illig, haben das Haus auf dem Kohlberg neu erbaut“. Die Mauerreste der Anlage sind noch heute zu sehen.

1843 tritt Wilhelm Wendel Illig das Erbe an. Er selbst hat keine Erben als Papiermacher. Sohn Justus und Tochter Sophia Katharina erbauen in der Nähe den Gasthof Zum Kühlen Grund – die Papiermühle wird 1867 verkauft, und auch im Gasthof geht die Dynastie der Illigs 2006 zu Ende.

Moritz Illig hat von seiner Erfindung der Leimung in der Masse keine Reichtümer erwerben können. Er starb verarmt und verbittert. Bis 1970 wurde nach dem Illig-Verfahren gearbeitet. Danach wurde es von der synthetischen Leimung abgelöst

In Darmstadt, wo er sich später als Uhrmacher niedergelassen und sich Verdienste um die Wiederherstellung des Glockenspieles im Schloß Verdienste erworben hat, ist eine Straße nach Moritz Friedrich Illig benannt. Der Verein Deutscher Papierfabrikanten ließ 1914 auf seinem Grab auf dem Darmstädter Friedhof einen Gedenkstein setzen (Foto rechts).

In Würdigung der Verdienste der Familie Illig, besonders des Moritz Friedrich Ill, der als Gutenberg der Papiermacher durch seine Erfindung, das Papier in der Masse zu leimen, bekannt ist, wurde die Firmenbezeichnung Illigsche Papierfabrik beibehalten“, heißt es in einer Urkunde, als die Nachkommen des Eigentümers Vogtherr die Firma an die Papierfabrik Cordier 1951 verkauften.


Otfried Praetorius

(voller Name
: Otto Friedrich Christian Gotthilf Otfried Praetorius; * 26. Februar 1878 in Nieder-Gemünden; † 18. November 1964 in Nieder-Ramstadt) war Gymnasialprofessor (Mathematiklehrer), Titularprofessor und Genealoge.1944 wechselte er nach Nieder-Ramstadt, 1947 trat er in den Ruhestand.

Als Genealoge war er auf die Region Hessen spezialisiert und veröffentlichte zahlreiche Stamm- und Ahnenlisten sowie prosopographische Forschungen u.a. zur Geschichte der Universitäten von Gießen und Mainz und des Reichskammergerichts.

Er war seit 1907 verheiratet mit Dora Nodnagel (1881–1972), der Ehe entstammten vier Kinder.

Sein bekanntes Werk Kirchenbücher und Standesregister für alle Wohnplätze im Land Hessen (1939) kann komplett im DigiBib aufgerufen werden. Veröffentlichungen von und über ihn zeigt Wiki auf.

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Otfried_Praetorius

 

Dr. Hartmut Wierscher, Regierungspräsident i.R.

geboren 1924 in Breslau, wohnt seit 1957 mit seiner Frau auf dem Lohberg in Nieder-Ramstadt

Den Juristen verschlug es nach der Kriegsgefangenschaft nach Oberhessen. Im Regierungspräsidium hat er Aufgaben erfüllt, die Ein- und Überblick über die Mittelbehörde in Darmstadt verschafften, die ihn zur Leitung des Hauses prädestinierten, als 1966 der Präsidentenstuhl vorerst nicht besetzt wurde wegen der bevorstehenden Organisationsänderungen auf der Mittelstufe der hessischen Landesverwaltung. 1968 wurde der Vizepräsident Dr. Wierscher Präsident des vergrößerten Regierungsbezirkes.

Viele Entscheidungen seiner Behörde haben unmittelbar politischen Bezug gehabt, aber das Amt des Regierungspräsidenten übte der Sozialdemokrat Dr. Wierscher mit parteipolitischer Zurückhaltung aus. Freilich war er Politikeracht Jahre auch Kommunalpolitiker in Nieder-Ramstadt. Solche Neben- oder Ehrenämter hatte sich Dr. Wierscher 1988 nicht in den Ruhestand hinübergerettet. In einem Berufsleben mit solcher Verantwortung war es schwer, sich einen ganz privaten Bereich zu erhalten. Den hat er mit seiner Frau in den Mittelpunkt des Lebens nach dem Beruf gestellt.

 

Weitere Persönlichkeiten: