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Während
sich bisher die Bebauung, mit Ausnahme des "Mütterheims",
vorwiegend im Bereich um die Gaststätte Trautheim und
nordöstlich davon erstreckte, dehnte sich die
"Villenkolonie" in den letzten Jahren vor dem Ersten
Weltkrieg nach Süden hin aus. Am mittleren Papiermüllerweg
entstanden drei Wohnhäuser. Zwei ihrer Bauherren haben die
Geschichte Trautheims nachhaltig beeinflußt.
1911
entdeckte der in Darmstadt als Setzer und Drucker arbeitende
Christian Heinrich Kleukens am Waldrand ein mit gelbem Ginster
bewachsenes kleines Feldstück. Er war so von diesem
herrlich gelegenen, ihn an seine Bremer Heimat erinnerndes
Stückchen Natur angezogen, daß er es käuflich
erwarb und dort ein kleines Junggesellenhaus errichten ließ.
Es war das erste reine Wohnhaus in der weiteren Umgebung, das
ganzjährig bewohnt war. Kleukens gab im Hause des berühmten
Biologen Prof. Gottlieb von Koch in der Viktoriastraße zu
Darmstadt musisch begabten Kindern Kunstunterricht. In diesem
Kochschen Kinderspielverein lernte er seine Frau Luise kennen,
die ebenfalls dort pädagogisch arbeitete. 1912 heirateten
Luise Krüger und Christian Heinrich Kleukens. Das
Trautheimer Heim wurde nach dem Ersten Weltkrieg erweitert und
1924 durch einen Atelieranbau ergänzt.
Über die
Person Kleukens und sein künstlerisches Schaffen schreibt
Georg Zimmermann u.a.: „Der Schriftkünstler und
Dichter Christian Heinrich Kleukens wurde am 7. März 1880
in Achim bei Bremen geboren und ist am 7. April 1954 gestorben
und in Nieder-Ramstadt beigesetzt. Als Zwanzigjähriger
arbeitete er an der gerade gegründeten Steglitzer Werkstatt
in Berlin, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Drucken
wieder wie in der schönsten Blütezeit zur Kunst zu
erheben. Doch für Kleukens waren Druck und Sprache nicht zu
trennen. Streben nach Schönheit des Drucks bei
Vollkommenheit der Sprache war für ihn ein Stück
Erziehung zu rechter Menschlichkeit. Er war Schriftkünstler
und Dichter zugleich.
Von Steglitz ging er zusammen mit
seinem zwei Jahre älteren Bruder Friedrich Wilhelm, beide
schon als Lehrkräfte, an die Staatliche Akademie für
Buchgewerbe und Graphik nach Leipzig. Dort stellte er mit
selbstverfaßten Fabeln sein erstes selbständiges
Druckwerk her, getreu seinem Ziel, innere und äußere
Schönheit harmonisch zu verbinden.
1907
wurde Christian Heinrich Kleukens als Setzer und Drucker, sowie
als literarischer Berater an die neu gegründete
Ernst-Ludwig-Presse an der Darmstädter Künstlerkolonie
berufen, deren künstlerische Leitung 1914 von Friedrich
Wilhelm ebenfalls an Christian Heinrich Kleukens überging.
In dreißig Jahren sind dort 93 Werke gedruckt worden, von
der Bibel und den großen Weltdichtungen bis zu den
Dichtungen der Zeit von Rilke, Hofmannsthal und Binding, zum
Teil als Erstveröffentlichungen. Nach Kriegsende rief
Christian Heinrich Kleukens zusammen mit Rudolf G. Binding in
Frankfurt am Main die Kleukens-Presse ins Leben, deren Werkstatt
sich im ehemaligen Gartenhaus Heß, Am Trautheim 13,
befand. Nach ihrer Satzung durften bei der Kleukens-Presse nur
'hervorragende Schöpfungen menschlichen Geistes'
herausgegeben werden. Auch in Mainz hat Kleukens gewirkt, als
Leiter der 1927 gegründeten 'Mainzer Presse'. Alle
Schriften dieser Presse, die das typographisch vollkommene Buch
für jeden erreichbar machen wollte, waren mit Schriften
gedruckt, die Kleukens selbst entworfen hatte. In 10 Jahren sind
dort 65 Drucke erschienen.
Bis zu seinem Tode war
Christian Heinrich Kleukens rastlos tätig, nicht nur als
Schriftkünstler, sondern auch als Dichter und
Schriftsteller. Seine Fabeln in der Nachfolge Lessings in
ausgefeilter Prosa sind besonders bemerkenswert. Seine Dramen
„Der bankrotte Jona" (1932) und "SOS"
(1931) sind treffende Analysen der Zeit. Christian Heinrich
Kleukens gehörte zu den Kunstschaffenden, deren Wirken
weltweite Anerkennung fand.
Großherzog Ernst Ludwig
zeichnete ihn mit der Medaille für Kunst und Wissenschaft
aus. 1926 wurde ihm für sein bahnbrechendes und weithin
wertstiftendes Schaffen im Dienste des schönen Buches der
Georg-Büchner-Preis des Landes Hessen verliehen. 1937
wurden auf der Pariser Weltausstellung die Ernst-Ludwig-Presse,
die Kleukens-Presse und die Mainzer Presse mit je einer
Goldmedaille ausgezeichnet. Die Stadt Mainz ehrte Christian
Heinrich Kleukens 1940 mit der Verleihung der
Gutenberg-Medaille. Anläßlich seines 90. Geburtstages
1970 veranstaltete das Gutenberg-Museum in Mainz ihm zu Ehren
und Gedenken eine vielbeachtete Ausstellung über sein
Lebenswerk".
Zweifellos war Christian Heinrich
Kleukens der herausragende Künstler Trautheims dieser Zeit.
Es ist seiner Persönlichkeit und seinem Wirken
zuzuschreiben, daß in der Folgezeit immer wieder Künstler
sich von dieser Stätte angezogen fühlten und das
"Image" Trautheims nachhaltig beeinflußten.

Wikipedia, die
weltweite Online-Enziklopädie:
„Christian
Heinrich Kleukens erlebte seine Jugend in Hemelingen und
Bremen. Er wurde von seinem Bruder Friedrich Wilhelm in dessen
Steglitzer Werkstatt ausgebildet und besuchte die Akademie für
graphische Künste in Leipzig. Ab 1907 arbeitete er als
Drucker in der neu gegründeten Privatdruckerei des
Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen, der
Ernst-Ludwig-Presse in Darmstadt, deren Leitung er 1914 mit
übernahm. 1911 errichtete er das erste reine Wohnhaus in
der späteren Villenkolonie Trautheim. 1913 wurde er
Mitglied der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe.
1919 gründete er mit Rudolf G. Binding die Kleukens Presse.
1927 wurde er schließlich Leiter der neu gegründeten
Mainzer Presse und war Dozent an der Staatsschule für Kunst
und Handwerk in Mainz.“

Das
Klingspor-Museum für Schriftkunst und
Typografie:
Christian Heinrich Kleukens „Geboren
am 7. März 1880 in Achim bei Bremen, gestorben am 7. April
1954 in Darmstadt. 1907 Mitbegründer der
Ernst-Ludwig-Presse in Darmstadt mit seinem Bruder Friedrich
Wilhelm. 1919 gründet er mit Rudolf G. Binding die
Kleukenspresse und 1927
wird er Leiter der neu gegründeten Mainzer Presse.“
Das
Klingspor-Museum listet alleine zehn Antiqua- und
Frakturschriften aus der Künstlerhand Kleukens auf.
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