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Die
älteste Gastwirtschaft in Traisa war der frühere
„Hessische Hof“ gegenüber dem Traisaer Rathaus,
ursprünglich mit Namen „Zum Schwarzen Adler“.
Ein „Hofmann“ Jakob sitzt auf dem Hof, „der
wohl 1760 Adlerwirt wird“ (Dr. Wendel Mertz im
TGT-Mitteilungsblatt vom Juli 1959). Im Ort gab es eine weitere
Gastwirtschaft, eine dritte auf dem Dippelshof.
Seine
etlichen Kinder sterben früh oder ziehen von Traisa . Die
Adlerwirtschaft geht an den Schöffen Johannes Rindfrey, aus
einer bekannten Traisaer Familie, der aber ebenfalls wegen eines
fehlenden Nachfolgers den „Adler“ abgibt, und zwar
1801 an die Familie Walter. Sie betreibt bis 1966 die
Schankwirtschaft im Familienbesitz und ist auch nach über
zwei Jahrhunderten Eigentümerin der stattlichen
ortsbildprägenden Hofreite ist.
Im letzten halben
Jahrhundert des Schankbetriebes gingen Einheimische gewöhnlich
zum „Bürgermeister Philipp“, wenn sie in den
Hessischen Hof gingen. Es lag an des Gastwirts und Bürgermeisters
Philipp Walter gutem Ruf und desjenigen seiner Nachkommen,
weshalb auch nach Ableben des Bürgermeisters Walter bis in
jüngste Zeit der „Beuemåster Philipp“ ein
Begriff blieb.
In der Zeit von 1900 bis 1914 wurde die
Infrastruktur in Traisa entscheidend verbessert. Die Entwicklung
ist mit dem Namen zweier Männer verknüpft, die die
Gunst der Stunde zusammenführte: Philipp Walter war
Ortsoberhaupt von 1897 bis 1916, einer Blütezeit der
Gemeinde, während der die Schule und das Feuerwehrhaus
gebaut werden konnten und der Fremdenverkehr zu stattlicher Blüte
anwuchs. Oberstleutnant a. D. Friedrich Wilhelm Bullrich, der
1898 den Dippelshof erwarb und bis zu seinem Tod 1926 sehr
erfolgreich bewirtschaftete, war nicht nur als der größte
Steuerzahler in der Gemeinde, sondern auch wegen seiner
großzügigen Aufgeschlossenheit gegenüber den
Problemen der Gemeinde allseits geschätzt.
Philipp
Walter ist nach seiner Wahl zum Bürgermeister am 12.7.1897
vom Kreisamt in sein Amt verpflichtet (eingeführt) worden.
Er folgte damit Johann Walter im Amt des Ortsoberhauptes. Philipp
Walters Nachfolger Friedrich Scheerer hat sein Amt am 16.11.1916
angetreten, nachdem Bürgermeister Walter zurückgetreten
war. In verschiedenen Veröffentlichungen, so auch im
Heimatbuch der Gemeinde Traisa von 1966, ist als Amtszeit von
Beuemåster Philipp 1900 bis 1927 angegeben. Derartige
Angaben sind unrichtig, wie Renate Valter ermittelt hat.
In
Würdigung der Verdienste Philipp Walters um das Wohl der
Gemeinde, die er sich als Bürgermeister erworben hatte,
wurde die 1927 entstandene Seitenstraße zur Ludwigstraße
„Philipp-Walter-Straße" genannt.
Während
eines Gedächtnisgottesdienstes im Krieg für ein
gefallenes Gemeindeglied im Rathaussaal geißelte der
Geistliche die vom Nationalsozialismus hervorgerufenen
Verhältnisse. Die Ortsleitung kündigte darauf der
Evangelischen Kirchengemeinde die Nutzung des Rathaussaales, der
seit Jahren auch für kirchliche Zwecke zur Verfügung
stand. Philipp Walters Sohn,
ebenfalls Philipp, stellte daraufhin den Tanzsaal seines
Hessischen Hofes für gottesdienstliche Zwecke bereit,
obwohl er mit Sanktionen der Parteigewaltigen rechnen mußte.
Zu Beginn des Kriegsjahres 1944 versuchten die Nazis, der
Kirchengemeinde auch die Nutzung des Saales im Hessischen Hof zu
verwehren, indem das Kreisschulamt den Raum für den
Schulunterricht beschlagnahmen wollte. Philipp Walter hat sich in
einer Verhandlung beim Landrat persönlich energisch für
die kirchlichen Belange eingesetzt und durchgesetzt. Pfarrer
Röhricht bescheinigte Philipp Walter 1947 schriftlich sein
furchtloses Eintreten für die Sache der Kirche im „Dritten
Reich“. Walters Saal blieb Kirchenraum bis zum Neubau der
Kirche 1956.
Im Besitz der Familie Walter befindet sich
die 300jährige Familienbibel. Die Bibel ist in Holz mit
einem Lederrücken eingebunden. Sie mißt 25 cm in der
Breite, 38 cm in der Höhe und ist 11 cm dick. Sie umfaßt
1210 Seiten.
Das
Titelblatt der Familienbibel ist leider herausgerissen, so daß
Verlag, Druckerei und Herstellungsjahr nicht lesbar sind. Auf den
Innenseiten der Einbanddeckel aber haben die verschiedenen
Besitzer in drei Jahrhunderten handschriftlich Familienereignisse
vermerkt. Der älteste Eintrag nennt einen Johann Heinrich
Hofmann 1702.
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