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Vom
Schwimmbad, dem kommunalen Freibad
Seit
dem 14. Juli 1935 gibt es in Traisa das Schwimmbad, ein
öffentliches Freibad, wie es sich seinerzeit kaum eine
Gemeinde in der Traisaer Größenordnung nach damaligem
modernem Standard leisten konnte. Das Geheimnis war ein
einjähriger Selbsthilfe-Einsatz der Dorfgemeinschaft 1934
bis 1935.
Um es vorwegzunehmen: Nicht der
Reichsarbeitsdienst hat das Schwimmbad gebaut – der war
damals noch nicht einmal gegründet. Auch waren die Traisaer
Männer für ihren Dienst am Bau nicht von NS-Stellen
„rekrutiert“ worden. Solche unterschwellige
Vermutungen hatte es in Traisa in der Vergangenheit gegeben. Es
stand den Männern frei, sich nicht zu beteiligen - und diese
Freiheit nahmen sich etliche. Und von keinem ist bekannt, daß
er unter Sanktionen zu leiden gehabt hätte.
Der
Reichsarbeitsdienst ist erst mit Reichsgesetz vom 26.
Juni 1935
begründet
worden, also nur drei Wochen vor Fertigstellung des Traisaer
Bades. Schon 1931 allerdings hatte die Reichsregierung einen
Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) eingeführt, der nur
für gemeinnützige zusätzliche Arbeiten eingesetzt
werden durfte.
Freilich
nutzten die Repräsentanten des Dritten Reiches die
Gemeinschaftsleistung der Traisaer für ihre Propaganda. Im
Darmstädter Tagblatt hieß es am 15. Juli 1935 im
Bericht über die Eröffnung des Bades: „ . . . war
es auch eine der ersten Aufgaben, die sich die Gemeindeverwaltung
im nationalsozialistischen Staate zum Ziele setzte, hier am Ort
ein Schwimmbad zu schaffen . . . und damit gleichzeitig am
nationalsozialistischen Aufbau mitzuhelfen.“
Über
den beiden Rohrköpfen des Wassereinlaufes war ursprünglich
eine Tafel eingemauert mit der Inschrift: „Dieses Bad
entstand 1934, im zweiten Jahr nationalsozialistischen Aufbaues.
Gemeinnutz vor Eigennutz.“
Robert Eckert (†)
hat 1995, 60 Jahre nach Fertigstellung des Schwimmbades, aus
Gesprächen mit Zeitzeugen, aus eigenen Unterlagen und aus
Dokumenten des Gemeindearchivs die Entstehung des Werkes
geschildert.
124 Männer waren es, die sich im Juli
1934 für die Bewältigung der Erdarbeiten einschrieben.
Eckert verhehlt nicht, daß es Skeptiker gab, die dem Plan
kein gutes Ende vorhersagten. Sie behielten ganz und gar unrecht,
denn die Zahl der freiwilligen Mitarbeiter stieg sogar noch
während der Bauzeit. Und vom ersten Spatenstich am 30. Juli
1934 bis zur Vollendung verging ja gerade einmal ein Jahr.
Nach
den Plänen des Hess. Hochbauamtes sollte das Becken einen
Umfang von 20 mal 55 m haben und absteigende Tiefen vom
Sprungbecken (3,50 m) über Schwimmer- und
Nichtschwimmerbereich bis zum Planschbecken (0,25 m) erhalten.
Zur Ausstattung gehörten – wie das Tagblatt aufzählt
- Sprungbrett, Einsteigeleitern und Haltebügel, drei Brausen
mit Fußbecken, Einzel- und Gruppenumkleideräume,
Spielplatz, eine Liegewiese für Licht- und Sonnenbaden und
ein Erfrischungsraum. Dafür waren rund 2000 Kubikmeter
Erdreich auszuheben und für die künftigen Außenanlagen
einzubauen.
Während der Ausschachtungen drangen bei
einer Tiefe von 2,50 m völlig unerwartet Fließ- und
Schwemmsand in die Baugrube ein bei verstärktem
Druckwasserzufluß vom östlichen Hang des Birkenberges
– eine sehr gefährliche Lage, durch die die
südöstliche Böschung einzustürzen drohte und
die trotz Tag-, Nacht- und Sonntagsarbeit von den
Selbsthilfekräften mit ihren kaum besseren Gartenwerkzeugen
nicht zu beherrschen war.
Der Freiwillige Arbeitsdienst
(FAD) konnte kurzfristig und kurzzeitig mit rund hundert
Arbeitsdienstmännern zu einem Noteinsatz gewonnen werden.
Sie bezogen den nahen Gartensaal des heutigen Datterich-Anwesens
und schafften in einwöchiger Tag- und Nachtarbeit und
kleinem Maschineneinsatz die Verfestigung der Baugrube und ihre
Vertiefung bis zur Sohle des vorgesehenen Schwimmbeckens, so daß
sogleich mit den Betonierungsarbeiten begonnen werden konnte. Im
Saal des Gasthauses Krone, der heutigen Hans-Seely-Halle,
verabschiedeten die dankbaren Traisaer die FAD-Männer bei
Musik und Tanz.
An der Eröffnungsfeier waren der
Gesangverein Sängerlust und die Turngemeinde Traisa und eine
Reihe von Schwimmerriegen und Rettungsschwimmern beteiligt.
Die
Baukosten betrugen 35.915 Reichsmark einschließlich aller
Erd- und Gärtnerarbeiten im Außenbereich sowie des
Baues der Umkleidekabinen. Die amerikanischen Besatzer
beschlagnahmten 1945 das Schwimmbad und feierten wochenlang hier
ihren Sieg über das Hitlerregime.
Über die
Jahrzehnte verfehlte das Schwimmbad in seiner reizvollen
landschaftlichen Lage nicht seine Anziehungskraft auf die
Menschen in der Region. Inzwischen wurde die Anlage mehrfach
verbessert und verändert. Die Wassereinspeisung,
ursprünglich durch den Ohlebach, erfolgt längst aus dem
öffentlichen Versorgungsnetz. Erst in den sechziger Jahren
erforderten die gestiegenen Ansprüche eine grundlegende
Modernisierung mit Beheizung und Filterreinigung des Badewassers
sowie verbesserten sanitären Einrichtungen, bis nach einem
Großfeuer das Bad mit allen Nebeneinrichtungen sein
heutiges Aussehen erhielt.
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Text: Volker
Teutschländer
Quellen: Karl-Heinrich
Schanze Robert Eckert (†) Günter
Bauer


Die
ersten Erdarbeiten 1934

Selbsthilfekräfte
1934, die Vertiefung für das Becken ist weit
gediehen

Noch
im „Urzustand“ 1935



Ansichten
vor den ersten Modernisierungenin den 1960er Jahren

Das
Planschbecken

Die
Funktionssgebäude
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