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Vom
Spritzenhaus am Fahrweg
Ein
altes Spritzenhaus mit Zukunft
Was
tun mit einem alten, für seinen Zweck nicht mehr benötigten
Spritzenhaus? Die unmittelbare Nachbarschaft zur Grundschule hat
ihm das Leben gerettet: 2009 hat es der Landkreis als Schulträger
erworben und in das Schulgelände eingegliedert. Für
insgesamt rund 580000 Euro hat der Kreis das ehemalige
Feuerwehrhaus umgebaut und die Bausubstanz saniert. Das Haus ist
in seinem Baukörper mit seinem markanten Dachreiter, dem
ehemaligen Schlauchturm, erhalten worden.
An der Schule
wurde schon seit Jahren das Angebot "Betreuende Grundschule"
vorgehalten, außerdem hat sie den Status "Pädagogische
Mittagsbetreuung". Mit dem alten Spritzenhaus erhält
die Schule Platz für weitere Angebote zur
Nachmittagsbetreuung.
Im Erdgeschoss entstanden eine rund
60 Quadratmeter große Cafeteria, eine Essensausgabe und
eine Spülküche, im Obergeschoss kann ein 58
Quadratmeter großer Gruppenraum genutzt werden.
Vor
dem Bau des Spritzenhauses
Die
Vorsorge gegen Feuergefahren war im kleinen Dorf recht einfach:
Bereithaltung einer größeren Zahl von ledernen
Löschwassereimern, Reißhaken und kurze Leitern. Im
Ernstfall war das am wichtigsten das Heranschaffen von
Löschwasser über lange Ketten von Helfern, durch die
die Löscheimer von der Weet, den Brunnen oder auch
Jauchegruben zum Brandherd „flogen“.
In einem
Reglement für die Löschmannschaft aus dem Jahr 1858
heißt es in Paragraph II, 2 + 4:
„Die
jüngsten Ortsbürger haben, sobald das Zeichen zur
Hilfeleistung gegeben wird, auf der Bürgermeisterei zu
erscheinen, woselbst ihnen die Feuereimer eingehändigt
werden und sie unter Aufsicht gemeinschaftlich nach dem in Gefahr
schwebenden Orte sich begeben. gez. Berth, Bürgermeister“
1865
bekam Traisa seine erste Feuerspritze. Sieben Ortsbürger
wurden bestimmt, die Pumpe zu bedienen. Schon im Januar 1866
mußte sie sich beim Wohnhausbrand auf dem Dippelshof
erstmals bewähren. Nieder-Ramstadt erhielt schon 1773/74 die
erste Feuerspritze, die auch in Traisa und Waschenbach
einzusetzen war. Sie war – wie auch die spätere
Traisaer – von mehreren Mann zu tragen. Zum Brandherd wurde
sie mittels Pferdefuhrwerk geschafft.
Stellungnahme der
Gemeinde Nieder-Ramstadt vom 8. Januar 1853:
„Bei
auswärtigen Bränden ist die Bespannung sehr schnell bei
der Hand.“
Alle
Kleingeräte und die Feuerspritze waren bis zur Errichtung
des Spritzenhauses in einem Nebengebäude des Rathauses, der
Halle für den Leichenwagen, untergebracht.
Das
Spritzenhaus
1906/07 baute die Gemeinde Traisa die
zentrale Wasserversorgung aus. Dadurch wurde eine völlige
Veränderung des Feuerlöschwesens erforderlich. Zur
Entnahme von Löschwasser aus der Wasserleitung waren neue
Geräte anzuschaffen. Dringend wurde eine Schiebeleiter
benötigt, weil neue, höhere Gebäude entstanden
waren.
1910 wurde das neue Spritzenhaus neben der Schule
errichtet, in dem neben der Spritze alle Gerätschaften Platz
fanden, zum Beispiel 2 Schlauchwagen, 300 m gummierte Schläuche,
3 Standrohre zur Wasserentnahme aus den neuen Hydranten, 3
Hydrantenschlüssel, 4 Strahlrohre mit Absperrvorrichtung.
1912 fand auch die neue, 20 m lange Schiebeleiter Platz im neuen
Spritzenhaus.
Besonders modern war der Dachreiter auf dem
neuen Spritzenhaus, dem „Schlauchturm“. Benutzte oder
gewaschene Schläuche ließen sich hier zum Trocknen
aufhängen. Wie überall unterbrach der Erste Weltkrieg
das öffentliche Leben. Auch die 1880
gegründete Freiwillige Feuerwehr gab es nicht mehr. Schon
1919 wurde die kleine Wehr aber wieder aktiv. Es wurde ein Start
mit Hindernissen: Das Spritzenhaus war nämlich während
er vier Kriegsjahre als Mehllager zweckentfremdet worden!
Sämtliche Löschgeräte waren dadurch verstaubt,
verstopft oder verrostet. Bis zum Abschluß der Reinigungs-
und Reparaturarbeiten mußten die Wehrmänner ihr Gerät
auf dem Dippelshof auslagern.
Die Motorisierung fordert
ein neues Spritzenhaus
1929 brannten zwei Scheunen ab.
Nur mit Hilfe der Darmstädter Wehr konnte ein Ausbreiten des
Feuers auf Wohnhäuser verhindert werden. Neben der
Wasserentnahme aus den Hydranten wurde wohl letztmals Löschwasser
aus der Weet entnommen.
1944 erhielt die Traisaer Wehr
eine Motorspritze TS/8 „Goliath“ - der Anfang der
vollständigen Motorisierung war gemacht. 1958 folgte dann
der große Schritt zu einem Löschfahrzeug LF/8. Im
alten Spritzenhaus war es jetzt eng geworden, und die Arbeit der
freiwilligen Feuerwehrmänner wurde sehr erschwert.
1967
kam zumindest zu einer Zwischenlösung: In der Nachbarschaft
des Spritzenhauses bot sich der Betriebshof des
Pflastergeschäftes Roth zum Tausch gegen eine Sandgrube an
der Alten Dieburger Straße an. In der Fahrzeughalle des
Betriebshofes waren Löschfahrzeuge und Geräte gut
aufgehoben, und Platz für einen Aufenthalts- oder
Unterrichtsraum blieb auch noch. Jetzt war es der Gemeinde Traisa
1968 bis 1971 möglich, der Ausdehnung der Ortslage mit der
Anschaffung weiterer Fahrzeuge und Geräte Rechnung zu
tragen. 1970 freuten sich Feuerwehr und viele Gäste über
die Fertigstellung und Einweihung des neuen
Feuerwehrheimes.
Aber das alte Spritzenhaus mit seinem
Schlauchtürmchen von 1910 hatte damit längst nicht
ausgedient, sondern wurde weiterhin für sperrige
Gerätschaften genutzt – keine optimalen
Arbeitsbedingungen für die freiwilligen Kräfte des
Traisaer Brandschutzes in zwei, wenn auch benachbarten
Häusern!
Der Zustand wurde 1993 von der Gemeinde
Mühltal mit dem Neubau eines zentralen Feuerwehrhauses neben
dem Bürgerhaus beendet. Die Übergangslösung im
Feuerwehrheim auf dem ehemaligen Betriebshof war beendet. Und das
schien der Tod des alten Spritzenhaus zu sein: Es verlor
endgültig seine ursprüngliche Funktion. Vorübergehend
nutzte nur der gemeindliche Bauhof das Haus als
Geräteunterstand.
2009 wurde das Spritzenhaus zu
Betreuungsräumen für die benachbarte Traisaer Schule
umgebaut, die damit Ganztagesschule werden konnte.
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Rektor
i.R. Friedrich Wegt

Volker
Teutschländer

Das
alte Spritzenhaus
ist zum Teil der benachbarten Schule
geworden

Ansicht
von Nordwest (Ansicht aus den 1950er Jahren

Ansicht
von Nordost (Ansicht vor dem Umbau für die
Vorschularbeit
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