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Geschichte → Waschenbach

Stand: 19.11.2011

 

 

 


 

Ehem. Gasthaus Zum Odenwald

Dieses Haus Ortstraße 8 beherbergte das ehemalige Gasthaus „Zum Odenwald“ mit Schankraum im 1. Stock und Tanzsaal im 2. Stock.
Es war bei den Waschenbachern sehr beliebt. In seinen „Glanzzeiten“ bot es vielfach Unterkunft für die Waschenbacher Vereine. So hielt z.B. der Gesangverein Sängerlust dort einen der beiden Festbälle anlässlich seiner Fahnenweihe am 14.6.1896; der 2. Ball war in dem Gasthaus Christoph Schneider: „Beide Bälle verliefen ohne irgendwelche Störung in größter Harmonie“. Auch der Turnverein hat es oft genutzt. So war es ab 1911 Sitzungslokal (im Zyklus mit den anderen Gasthäusern), ab Sept. 1911 fand auch hier die Turnstunde statt.

Oft wurden Abendunterhaltungen abgehalten, z.B. im Nov 1911 und Weihnachten 1912. Bis nach dem 2. Weltkrieg wurde im Saal getanzt. In den 1950ern kamen Wandertheater in den Ort, die hier ihre Stücke zur Aufführung brachten. 1846 ist als Besitzer Georg (Heinrich) Dieter I aufgeführt. In seinem Gasthaus starb 1860 Johann Georg Dieter II eines gewaltsamen Todes: Bei der Nachkerb wurde er anlässlich eines Streits erstochen. 1868 hieß der Eigentümer Wendel Merz (*1834). 1871 erhielten er und Christoph Schneider mit ihrer Gaststätte von der Gemeinde 9 Gulden und 32 Heller, weil sie „ … Getränke und Zigarren beim Einmarschieren des Großherzogl. Hess. Militärs am 20.6.“ geliefert hatten. (Wahrscheinlich zählte dies zu den Feiern anlässlich des Sieges über Frankreich).

Durch die Heirat mit Merz-Tochter Elisabeth (*1865) kam Johannes Wembacher IV (1855 – 1941) in das Haus. Er übte den Schreinerberuf aus und rühmte sich, dass sein Sarg schon bereitstehen würde. Er war Gründungsmitglied sowohl der Freiwilligen Feuerwehr 1883, wie auch des Gesangvereins Sängerlust 1887. Von 1907 bis 1908 war er 1. Vorsitzender der Sängerlust und 1911 2. Vorsitzender. Die Kinder von Johannes und Elisabeth waren Karl (der Lehrer wurde), Elisabeth, Maria ∞ Erb, Minna ∞ Georg Thaler (1901 – 1947) und Georg IV (1885 – 1964) ∞ Marie Merz (*1890). Georg Thaler war etwa ein Jahrzehnt lang ein bekannter Ortsbürger. Für einige Jahre betrieb er den Steinbruch am Billerstein. Er war Vorstandsmitglied im Turnverein und aktiver Kommunalpolitiker.

Kurzzeitig (1933) waren Minna und ihr Mann Georg als Besitzer von Ortsstraße 8 aufgeführt. Dann übernahm Georg IV das Anwesen.

Er war ein sehr populärer Waschenbacher. Das verdankte er natürlich seiner Gaststätte, aber auch seiner Rolle in der Gemeinschaft. 26 Jahre war er Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr (1919 – 1945), von 1935 bis 1940 war er auch 1. Vorsitzender des Kohlen- und Sparvereins als Nachfolger von Lehrer Knecht. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Willi (†1944), Karl (1922 – 1993), ∞ Gerta Wunderle (1924 – 2002) und Ria.

In dem Haus war lange Zeit auch ein Lebensmittelgeschäft. Schon Georg IV hatte damit begonnen. Nach dem 2. Weltkrieg führten es Herr Netscher und Frau Heinz aus Ober-Ramstadt weiter. Dann übernahmen kurzzeitig August und Auguste Jacobs aus Eberstadt (bevor diese beiden dann die Krone kauften). Nach dem Tod von Georg IV erbte sein Sohn Karl das Haus. Das Gasthaus hat er nicht betrieben, es wurde verpachtet. Zunächst waren Wilhelm und Lotte Ehrhardt die Pächter (Ortsstraße 19), dann bis zur Stilllegung Hermann und Helga Vater aus Eberstadt.

Der heutige Besitzer des Hauses ist Karlheinz Wembacher, das jüngste Kind von Karl und Gerta.

Autor:
Dr. Heinz Schuchmann




Aufnahme aus dem Jahr 1908



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in der Festschrift des

Gesangvereins Harmonie Nieder-Ramstadt
1913



Eine Postkarte mit künstlerischen Freiheiten



Familie Wembacher vor dem Gasthaus