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Geschichte → Waschenbach

Stand: 19.11.2011

 

 

 


 

Das Gasthaus Christoph Schneider, der Waschenbacher Hof

Das heutige Anwesen des Waschenbacher Hofes in der Ortsstraße Nr. 15 setzt sich aus den früheren Häusern Nr. 14 (ursprünglich Gasthof Christoph Schneider) und Nr. 13 („Simonshaus“) zusammen. Das Haus Nr. 14 war der „Hof Langendorff“ aus dem Waschenbacher Hofgut. Über Paul Georg Gerlach aus Nieder-Beerbach kam das Anwesen um 1812 in den Besitz von Johann Georg Schneider (1779 – 1838). Ab 1829 war er gleichzeitig Vormund der Erben von Haus Nr. 9. Über seinen Sohn Johann Georg I kam es in den Besitz von Christoph Schneider, dessen Bruder Philipp I das Haus Nr. 9 geerbt hatte. Christoph Schneider *1847 heiratete Ottilie Müller.

1862 sind im Brandkataster für Haus Nr. 14 ein „Fachhaus“, eine Torhalle und ein Saal neu angemeldet. Es entstand also das Gebäude in der Form des nebenstehenden Bildes. Der Saal befand sich im ersten Stock oberhalb der Torhalle. 1885 werden von Christoph ein Seitenbau, ein Backhaus, ein Pferdestall und ein Kelterschuppen hinzugefügt.

Christoph Schneider war Gründungsmitglied der Feuerwehr 1883 und des Gesangvereins Sängerlust 1887. Am 5.3.1911 fand im Gasthaus Christoph Schneider die Gründungsversammlung des Turnvereins statt. Ab dann war es Vereinstreffpunkt abwechselnd mit den beiden anderen Waschenbacher Gaststätten.

Auf Christoph folgte sein Sohn Philipp II (1879 – 1949, „Odilsphilipp“), verheiratet mit Elisabeth Römer *1877 aus Reisen im Odenwald. Über ihren Bruder Karl kam es zur Verwandtschaft mit Lehrer Knecht, dessen Tochter Lienchen Karl Römer geheiratet hatte. Philipp Schneider reihte sich ein in das kommunalpolitische Engagement seiner Vorfahren, die ja im 19. Jh. über viele Jahrzehnte als 1. Beigeordnete an der Spitze Waschenbachs standen: Im 20. Jh. hatte Waschenbach insgesamt über 50 Jahre einen eigenen Bürgermeister, und Philipp war der erste, von 1919 bis 1925. Er brachte sich darüber hinaus in vielfältiger Weise in das öffentliche Leben ein. Hier ein kurzer Abriss:

1896 – 1897 und ab 1902 Mitglied Sängerlust
1905 - 1919 Kommandant der Feuerwehr
1911 Gründungsmitglied Turnverein
1911 – 1912 1. Turnwart Turnverein
1912 1. Tenor beim Jubiläum Sängerlust
1913 – 1915 Beisitzer im Vorstand des Turnvereins
1.6.1919 Wahl zum Gemeinderat in Waschenbach
1919 – 1925 Erster Bürgermeister von Waschenbach
14.3.1925 Gründungsmitglied Kohlen- und Sparverein und 2. Vorsitzender

Mit Elisabeth hatte er vier Kinder, darunter Elisabeth ∞ Willi Stößel † 1945. In den 1930er Jahren führten Elisabeth und Willi Stössel kurzzeitig das Gasthaus.

Mit dem Tod von Philipp Schneider II im Jahr 1949 übernahmen Fritz und Gretchen Haas, geb. Schneider, seine Gaststätte in der Ortsstraße 15; als „Waschenbacher Hof“ machten sie sie populär. 1953 kam ein neuer Saal hinzu, gewissermaßen ein Katalysator für viele Jahre gesellschaftlichen Lebens: Feiern von Freiwilliger Feuerwehr und Vogelschutzverein, Tanzveranstaltungen und Theaterabende des Turnvereins, Übungsstätte des Schützenvereins Diana Waschenbach und Sporthalle, Kerbtänze, Frühschoppen und manches mehr.

Ab 1966 hat Wolfgang Haas *1940 die Gaststätte als Eigentümer geführt. Er war in zweiter Ehe verheiratet mit Emma Maria Felz („Fritzi“, 1939 – 1981). In dieser Zeit wurde der große Speisesaal hinzugefügt (er trat an die Stelle des Hauses Ortsstraße 13 „Simonshaus“, das abbruchreif war). Mit großem Engagement schufen Wolfgang und Fritzi eine moderne Speisegaststätte.

Die Motivation der Familie Haas hielt nur kurze Zeit. Gerade ein halbes Jahr später übernahm das Ehepaar Ursula und Wolfgang Herold die Gaststätte. Mit diesen erlebte sie eine Blütezeit. Leider konnte die Kontinuität dieser Jahre nicht beibehalten werden. Nach dem Weggang der Herolds 1974 fand ein häufiger Besitzerwechsel statt, auch ein Ausdruck unserer schnelllebigen Zeit. Wolfgang Haas hatte einige schwere Jahre. Seine Frau starb überraschend mit 42 Jahren und der tödliche Unfall seines Sohnes Ralf (*1968, „Klegg“) 1987 löste in Waschenbach und Umgebung große Betroffenheit aus.

Autor:
Dr. Heinz Schuchmann






Ortsmitte Anfang des 20. Jh. (Ortsstraße 14 rechts und 17). Links das Armenhaus mit Dorfweide und Brunnen



Reklame in der Festschrift des Gesangvereins Harmonie Nieder-Ramstadt im Jahr 1913'



Gasthaus Christoph Schneider etwa 1932/33.
Vorne sitzend von rechts: Philipp Schneider III und II. Dazwischen stehend
Lehrer Knecht. Links von Knecht Philipp Poth, rechts Peter Brückmann. Rechts daneben Elisabeth Stössel, geb. Schneider, Elisabeth Crößmann, geb. Dieter mit Sohn Albert, Willi Stössel. Im rechten Fenster rechts Margarethe Schneider ∞ Fritz Haas. Das Auto gehörte Willi Stössel.