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Das
Gasthaus Christoph Schneider, der Waschenbacher Hof
Das
heutige
Anwesen des Waschenbacher Hofes in der Ortsstraße Nr. 15
setzt sich aus den früheren Häusern Nr. 14 (ursprünglich
Gasthof Christoph Schneider) und Nr. 13 („Simonshaus“)
zusammen. Das Haus
Nr.
14 war der „Hof Langendorff“ aus dem Waschenbacher
Hofgut. Über Paul Georg Gerlach aus Nieder-Beerbach kam das
Anwesen um 1812 in den Besitz von Johann Georg Schneider (1779 –
1838). Ab 1829 war er gleichzeitig Vormund der Erben von Haus Nr.
9. Über seinen Sohn Johann Georg I kam es in den Besitz von
Christoph Schneider, dessen Bruder Philipp I das Haus Nr. 9 geerbt
hatte. Christoph Schneider *1847 heiratete Ottilie Müller.
1862
sind im Brandkataster für Haus Nr. 14 ein „Fachhaus“,
eine Torhalle und ein Saal neu angemeldet. Es entstand also das
Gebäude in der Form des nebenstehenden Bildes. Der Saal
befand sich im ersten Stock oberhalb der Torhalle. 1885 werden von
Christoph ein Seitenbau, ein Backhaus, ein Pferdestall und ein
Kelterschuppen hinzugefügt.
Christoph Schneider war
Gründungsmitglied der Feuerwehr 1883 und des Gesangvereins
Sängerlust 1887. Am 5.3.1911 fand im Gasthaus Christoph
Schneider die Gründungsversammlung des Turnvereins statt. Ab
dann war es Vereinstreffpunkt abwechselnd mit den beiden anderen
Waschenbacher Gaststätten.
Auf Christoph folgte sein
Sohn Philipp II (1879 – 1949, „Odilsphilipp“),
verheiratet mit Elisabeth Römer *1877 aus Reisen im Odenwald.
Über ihren Bruder Karl kam es zur Verwandtschaft mit Lehrer
Knecht, dessen Tochter Lienchen Karl Römer geheiratet hatte.
Philipp Schneider reihte sich ein in das kommunalpolitische
Engagement seiner Vorfahren, die ja im 19. Jh. über viele
Jahrzehnte als 1. Beigeordnete an der Spitze Waschenbachs standen:
Im 20. Jh. hatte Waschenbach insgesamt über 50 Jahre einen
eigenen Bürgermeister, und Philipp war der erste, von 1919
bis 1925. Er brachte sich darüber hinaus in vielfältiger
Weise in das öffentliche Leben ein. Hier ein kurzer Abriss:
1896
– 1897 und ab 1902 Mitglied Sängerlust 1905 - 1919
Kommandant der Feuerwehr 1911 Gründungsmitglied
Turnverein 1911 – 1912 1. Turnwart Turnverein 1912
1. Tenor beim Jubiläum Sängerlust 1913 – 1915
Beisitzer im Vorstand des Turnvereins 1.6.1919 Wahl zum
Gemeinderat in Waschenbach 1919 – 1925 Erster
Bürgermeister von Waschenbach 14.3.1925 Gründungsmitglied
Kohlen- und Sparverein und 2. Vorsitzender
Mit
Elisabeth hatte er vier Kinder, darunter Elisabeth ∞ Willi
Stößel † 1945. In den 1930er Jahren führten
Elisabeth und Willi Stössel kurzzeitig das Gasthaus.
Mit
dem Tod von Philipp Schneider II im Jahr 1949 übernahmen
Fritz und Gretchen Haas, geb. Schneider, seine Gaststätte in
der Ortsstraße 15; als „Waschenbacher Hof“
machten sie sie populär. 1953 kam ein neuer Saal hinzu,
gewissermaßen ein Katalysator für viele Jahre
gesellschaftlichen Lebens: Feiern von Freiwilliger Feuerwehr und
Vogelschutzverein, Tanzveranstaltungen und Theaterabende des
Turnvereins, Übungsstätte des Schützenvereins Diana
Waschenbach und Sporthalle, Kerbtänze, Frühschoppen und
manches mehr.
Ab 1966 hat Wolfgang Haas *1940 die
Gaststätte als Eigentümer geführt. Er war in
zweiter Ehe verheiratet mit Emma Maria Felz („Fritzi“,
1939 – 1981). In dieser Zeit wurde der große
Speisesaal hinzugefügt (er trat an die Stelle des Hauses
Ortsstraße 13 „Simonshaus“, das abbruchreif
war). Mit großem Engagement schufen Wolfgang und Fritzi eine
moderne Speisegaststätte.
Die Motivation der Familie
Haas hielt nur kurze Zeit. Gerade ein halbes Jahr später
übernahm das Ehepaar Ursula und Wolfgang Herold die
Gaststätte. Mit diesen erlebte sie eine Blütezeit.
Leider konnte die Kontinuität dieser Jahre nicht beibehalten
werden. Nach dem Weggang der Herolds 1974 fand ein häufiger
Besitzerwechsel statt, auch ein Ausdruck unserer schnelllebigen
Zeit. Wolfgang Haas hatte einige schwere Jahre. Seine Frau starb
überraschend mit 42 Jahren und der tödliche Unfall
seines Sohnes Ralf (*1968, „Klegg“) 1987 löste in
Waschenbach und Umgebung große Betroffenheit aus.
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Autor: Dr.
Heinz Schuchmann



Ortsmitte
Anfang des 20. Jh. (Ortsstraße 14 rechts und 17). Links das
Armenhaus mit Dorfweide und Brunnen

Reklame
in der Festschrift des Gesangvereins Harmonie Nieder-Ramstadt im
Jahr 1913'

Gasthaus
Christoph Schneider etwa 1932/33. Vorne sitzend von rechts:
Philipp Schneider III und II. Dazwischen stehend Lehrer
Knecht. Links von Knecht Philipp Poth, rechts Peter Brückmann.
Rechts daneben Elisabeth Stössel, geb. Schneider, Elisabeth
Crößmann, geb. Dieter mit Sohn Albert, Willi Stössel.
Im rechten Fenster rechts Margarethe Schneider
∞ Fritz Haas. Das Auto gehörte Willi Stössel.
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