Startseite

Frankenstein Freizeit Gemeinschaft Geografie Geschichte Mühlen Sehenswert

 

 

 

Inhalt

Geschichte → Waschenbach

Stand: 23.10.2012

 

 

 


 

Waschenbach im Mittelalter und bis zum Dreißigjährigen Krieg


Das älteste Dokument, in dem Waschenbach erwähnt wird, stammt aus dem Jahr 1340.

Der Name

Die Grafen Wilhelm und Bernhardt von Katzenelnbogen errichteten in dem Tal 6 kleinere Höfe, eine Mühle und ein großes Hofgut an der „Wiese am Bach". So ist auch der Name Waschenbach, nicht (wie man annehmen könnte) von „Waschen", sondern von „Wasen" bzw. „Wassen" (der alten Schreibform für Wiese) abgeleitet.


Aus Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde, Band 9, Dr. Ludwig Baur,1859:

(„Das Munimentum Traiani und der Wasgenwald“ von Pfarrer Heber)

Eine Ritterfamilie mit Namen Wassembach ist im 14. Jh. bei Goddelau begütert, die sich auch Wassinbach schrieb und später Waschenbach. Der Waschenbach dürfte mit dem Waschenbach u.ä. gleichen Wurzeln entprungen sein, nämlich als „Wasser . . .“

Zweimal kommen von der Familie Waschenbach vor 1400 Mitglieder vor, die sich Wassenbach oder Wassinbach schreiben:

Eberhard von Wassenbach verkauft 1340 seinen Hof in Goddelau an das St.-Victor-Stift in Mainz, Gerlach von Wassinbach verpflichtet sich 1353 nie wider Ulrich III. von Hanau zu handeln.

Die Arbeit von Heber beschließt die Fußnote zum Namen Waschenbach wie folgt: „Das Dorf Waschenbach jetzt (1859) 300 E., 1100 Morgen Feldmakr, ½ Stunde von Nieder-Ramstadt, hatte früher leibeigene Bewohner und war Besitztum mehrerer adeliger Familien welche dasselbe (seit 1430 von Katzenelnbogen) zu Lehen trugen.


Die Hoheitsrechte

Am 27. April 1383 gab Graf Wilhelm von Katzenelnbogen dem Edelknecht „Johann Bach" seinen Anteil zu Waschenbach mitsamt der Mühle zu Mannlehen. Nur den alten Hof hielt er von der Belehnung aus, erst 1403 bekam „Johann Bach" das Hofgut zu „Wassenbach" für 15 Malter Korn Pacht jährlich zugesprochen. Die Landgrafen hatten nun die sämtlichen Höfe zu Waschenbach als Mannlehen vergeben. „Johann Bach" wurde später von den Grafen geadelt. Er nannte sich nach dem Dorf „Bach von Waschenbach".

Mit dem Aussterben der männlichen Linie der Grafen zu Katzenelnbogen fielen deren Besitzungen 1479 an die Landgrafen von Hessen. 1498 waren die Bache von Waschenbach ebenfalls ausgestorben, und Landgraf Wilhelm von Hessen übertrug die heimgefallenen Lehen an Philipp von Rohrbach. Nach dessen Tod gingen sie an die Herren von Meisenburg und an die Brüder Konrad und Heinrich von Eulbach. 1571 standen die Höfe den Geschlechtern Mosbach von Lindenfels und den Kalben von Reinheim zu.

Verfasser:
Elke Harnischfeger
Volker Teutschländer




Namensformen

Wassenbach (1340), Wassinbach (1352), Wassenbach, Wachsenbach, Wassinbach (1. Hälfte 15. Jahrhundert), Wassenbach (1457), Waschenbach (1560), Waschenbach (1669).



Einfall der Mansfelder 1622 in Hessen

Neben den Schadensaufstellungen ließ die landgräfliche Regierung einen amtlichen Bericht Über die Greueltaten 1622 der Mansfeldischen Truppen in unserer Heimat aufstellen und in allen Orten glaubwürdige Zeugen vernehmen. In den „Südhessischen Chroniken aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges – Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße 1983“ wird

Wendig Büdinger
wie folgt zitiert:

Mansfeldisch Volk bei ihnen gestreift, Reiter und Fußvolk, hab alles untereinander geloffen, ihn draußen an ein Eichen bunden, geknebelt, daß ihme der rote Saft zu den Ohren herausgegangen, er auch weder sehen noch hören können, alles umb willen, ihnen die Pferde zu verraten, ihn aber endlich erlassen. Cunz Climen gleichermaßen geknebelt, daß er bald darauf verschieden. Alles ufgeschlagen, geplündert, genommen und davongeführt. Zeuge hielte dafür, viel Pfalzische seien unter ihnen gewesen, dann einer ihm die Schuhe ausgezogen und gesagt, man hätte es ihnen auch also gemacht, auch ihren König lange Zeit in die Ausgab geschrieben, jetzt wäre das Land doch ihres Königs. Sie hätten keinen Sold, möchten nehmen, was sie wollten, doch sollten sie nicht brennen, welches ihnen ausdrücklich verboten

 

Waschenbach im Dreißigjährigen Krieg

 

Über die Verhältnisse in Waschenbach während der Zeit des 30jährigen Krieges bestehen nur wenige Aufzeichnungen. Es sind Schadensaufstellungen aus den Jahren 1622 und 1639 erhalten, außerdem gibt es ein Verzeichnis der Schultheiße. Genannt werden:

Claus Lenhardt 1597-1631

Joh. Nicolaus Lenhardt 1634 - 1635

Conrad Lenhardt 163 5 - 1644

Georg Traser 1644 - 1659

Für das Jahr 1627 wird eine Einwohnerzahl von 21 angegeben.


Während des 30-jährigen Krieges wurde Waschenbach zweimal heimgesucht, zuerst während des böhmisch-pfälzischen Krieges 1618-1623 von Graf Mansfeld und dann während des schwedisch-französischen Krieges 1635-1648 von Octavio Piccolomini, General unter Albrecht von Wallenstein.

Das Schadensverzeichnis von 1622 während des böhmisch-pfälzischen Krieges enthält wohl alle Waschenbacher Familien (Schadenssumme in Reichstalern):

Claus Lenhardt 511; Kuntz Clein 218; Hanß Helff sen.13; Ewald Mahr 0;Hanß Helff jun.12; Hanß Hauck 8; Wenig Büdener12; Heinrich Büdener2; Heinrich Borninger 95; Hanß Becker jun.94; Wenig Lenhardt 57; Hanß Becker sen. 46; die Gemeinde 45; Heinrich Zulauff 4; ,Ludwig Heroldt 33; Niclauß List 24; Claus Helff 20; Hanß Clein 15.

Der Gesamtschaden betrug also 1618 Reichstaler (der Wert eines Schlachtschweines kam ungefähr einem Reichstaler in der damaligen Zeit gleich).

Über die folgenden Jahre ist außer der genannten Einwohnerzahl von 21 im Jahr 1627 wenig bekannt. Es wurden keine Schäden gemeldet. 1639 während des schwedisch-französischen Krieges zogen Truppen des Feldherrn Piccolomini und bayrische Kriegsvölker durch unsere Gegend und verursachten in unserem Dorf Schäden, die auf 80 Gulden geschätzt wurden.

Auch hierüber gibt es ein Schadensverzeichnis: Niclas Reimgen stahlen die Plünderer fünf Wagen Heu im Wert von 20 Gulden. Außerdem wurden ihm Türen, Läden und Einrichtungen im Wert von 15 Gulden zerschlagen und verbrannt. Hanß Luckhaupt und Heinrich Dempel erlitten ebenfalls die gleichen Schäden. Stoffel Quickeigen rissen die Landsknechte eine Wand aus dem Haus und verbrannten die Einrichtungen. Der Schaden betrug 20 Gulden.

Beim Vergleichen der beiden Schadensverzeichnisse stellt man fest: Das Verzeichnis von 1622 enthält 18 Namen, das von 1639 dagegen nur 4, und keiner der Namen wird zweimal genannt. Man könnte nun annehmen, daß die alten Waschenbacher Familien von 1622 durch Hunger, Krieg und Pest zum größten Teil ausgelöscht wurden und nur die vier Familien, welche vermutlich aus den anderen Orten in das Dorf kamen, in Waschenbach ansässig waren. Aufgrund der genannten Schultheiße ist jedoch belegt, daß es 1639 auch Familien gab, die keinen Schaden erlitten (Conrad Lenhardt) und Waschenbach während des 30jährigen Krieges (außer in den Jahren 1632/33) immer eine funktionierende Dorfgemeinschaft mit eigenem Schultheiß war.,

 

Nach dem Dreißigjährigen Krieg

 

Das Dorf wächst wieder

 

Als 1639 bayerische Kriegsvölker das Dorf überfielen, waren hier nur 4 fremde Familien ansässig, die aus den umliegenden Orten in das verlassene Dorf gekommen waren. Nach Ende des 30jährigen Krieges wuchs das Dorf langsam wieder.

1669 wird der Ort erstmals als „Waschenbach" eingetragen. Immer noch sind die Landgrafen von Hessen im Besitz der 6 Höfe und des Hofgutes, nur die Mühle ist inzwischen eine „freie adlige Mühle".

Mehr als 100 Jahre später, 1782 wird das Hofgut von Landgraf Ludwig zur Versteigerung gegeben. Es wird in sieben Teile aufgeteilt. Die eine Hälfte des Grundbesitzes mit dem Wohnhaus geht an den früheren Pächter, die andere Hälfte des Grundbesitzes zu 6 gleichen Teilen an die übrigen Höfe. Jeder Bauer erhält über seinen Anteil einen Erbleihbrief. Inzwischen sind neue Häuser hinzugekommen, und Waschenbach hat 1790 eine Einwohnerzahl von 143.

 

Gerichtsbarkeit

 

Über die gerichtliche Zugehörigkeit von Waschenbach ist sehr wenig bekannt. Die einzige Urkunde sagt folgendes:

Daselben hat es kein absonderlich Gericht, allein daß von denjenigen Einwohnern in und wer sonsten außer der Gemeind in selbiger Gemarkung begütet, daz Gericht mitbesitzen muß, welches durch den Keller zu Lichtenberg wird gehögt im Namen Unseres Gnädigen Fürsten und Herrn und den Junkern zu Mosbach."

1475 kann man lesen:

Franckinhusen hat vorbracht, Gran Frauwe zu Wassenbach habe ime geclaget, Hannemann Becker habe ere baume usser dem eren getragen unde off daz sin gesaczt Derselbe hat vorbracht, die Schultheißen bie ime geclaget, derselbe Hannemann habe baume ußgegraben off dem yren unde habe sie off daz sein gesaczt unde tragen iczunt beren." *)

*) Franckinhusen brachte vor, Gran Frauwe (Name des Waschenbacher Klägers) von Waschenbach habe ihm geklagt, Hannemann Becker (ein Frankenhäuser) habe dessen Bäume aus dessen (Land) getragen und auf das seine gesetzt. Derselbe hat vorgebracht, die Schultheißen haben bei ihm geklagt, derselbe Hannemann habe Bäume ausgegraben auf ihrem Land und habe sie auf das seine gesetzt, und die tragen jetzt Beeren.

Mit diesen „beren" hat Hannemann Becker die Frau eines Frankenhäusers verführt, die ihm „iczunt immer nachloffen müsse." Leider steht nicht in den Akten, welche Strafe der böse Hannemann erhalten hat.

Als Gerichtsschöffen werden nur vier Waschenbacher genannt:

1769 Peter Wembacher
1783 Johann Achenbach und Georg Adam
1814 Johann Georg Poth