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Infrastruktur
und Soziales
Infrastrukturmaßnahmen
Straßenbau
und Straßenunterhaltung waren eine ständige Belastung
für die Gemeinde. Oft war auch von Brückenbau oder
Brückenerweiterung die Rede. 1829 wurde der alte „Vicinalweg“
nach Nieder-Ramstadt durch eine Straße ersetzt. Ständige
Herausforderungen waren Wasserversorgung und Straßenbeleuchtung.
1844 wurde eine neue Brunnenstube gebaut mit folgenden
Kosten:
Wasserleitung
23.30 fl 1 gusseiserne Brunnenrohr 237.55 fl Brunnentrog und
Auslaufstock 39.- fl Auf- und Zuwerfen 8.25 fl Kies 2.- fl 1
Klafter Mauersteine 3.30 fl
Zusätzlich
weiterer Kleinbeträge kostete die Unternehmung 343 Gulden
(fl), 40¼ Kreuzer (Xr). Die Brunnenstube befand sich am
Ende der oberen Ortsstraße etwa gegenüber dem Anwesen
Nr. 37 auf dem Gelände des Hofguts.
1860 wurde ein
Schritt zur allgemeinen Wasserversorgung gemacht. Es wurden 120
Röhren angeschafft für 300 Gulden und diese 62½
Tage lang verlegt, eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für
mehrere Ortsbürger. Die Finanzierung geschah unter anderem
mit einem Darlehen von Johannes Poth I über 500 Gulden.
Weitere markante Jahre für die Verbesserung der
Wasserversorgung waren 1900, 1939 und 1953.
Schritte zur
allgemeinen Straßenbeleuchtung wurden 1887 begonnen.
Beleuchtet wurde mit Petroleum. Dies war eine kleine
Geschäftsgrundlage für Justus Keller aus der Alleestraße
5. Er betrieb u.a. einen Handel mit Petroleum, Dochten,
Fidibussen, usw. So lieferte er z.B. 1889 an die Gemeinde
„Petroleum
und Dochte für die Straßenbeleuchtung 4,42 Mark“.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Toten nach
Nieder-Ramstadt gebracht, auf dessen alten Friedhof bei der
Evangelischen Kirche. Dieser wurde allerdings am 27.6.1897
geschlossen. Schon vorher waren Bestrebungen im Gange, einen
Friedhof in Waschenbach zu errichten. Dafür wurden z.B. 1896
bereits 1678,50 Mark ausgegeben. Die Planungen betrieb der
Großherzogliche Geometer I. Klasse Battenfeld, der auch im
September 1900 einen Friedhofsplan erstellt hatte. Eingeweiht
wurde der neue Friedhof 1899. Einer der ersten Waschenbacher, der
hier beerdigt wurde, war Johannes Adam (1825 – 1905) aus der
Ortsstraße 17.
Feldbereinigung
Eine
erste Feld- bzw. Flurbereinigung hatte um 1810 stattgefunden. Nach
vielen Jahrzehnten war die Waschenbacher Flur z.B. durch
Erbteilungen wieder sehr aufgesplittert. In den Jahren 1887 bis
1893 machte man sozusagen im Rahmen einer weiteren „großen“
Feldbereinigung Nägel mit Köpfen. In Verbindung damit
konnten auch Wege reguliert und Wassergräben eingerichtet
werden.
Natürlich
lagen oft unterschiedliche Interessen vor. Um allzu große
Ungerechtigkeiten zu vermeiden, wurde das Amt des Feldgeschworenen
eingerichtet. Ludwig Adam (Ortsstraße 17) und Philipp Merz
(Ortsstraße 19) gehörten in Waschenbach dazu.
Erst
durch diese Feldbereinigung kam der Klockert in Waschenbacher
Besitz: Für 9000,- Mark wurde er 1892 der Gemeinde
Ober-Ramstadt abgekauft.
Faselvieh
Aus
dem Jahr 1826 ist der Viehbestand bekannt: 12
Pferde, 2 Fohlen, 56 Kühe, 16 Rinder, 65 Schweine, 19 Schafe
und 7 Ziegen. Diese
Tiere mussten gezeugt werden. Dafür war das Faselvieh
zuständig, also die Vatertiere, die die Gemeinde hielt bzw.
halten ließ, denen die örtlichen Viehhalter ihre
weiblichen Tiere zuführen konnten. In
Waschenbach standen zeitweise ein Faselschwein, der Eber oder
„Watz“, und ein Ziegenbock „zur Verfügung“.
Ob ein Zuchtbulle gehalten wurde, ist nicht bekannt.
Im
Rechnungsbuch ist 1879 vom Ziegenbock die Rede; Adolf Kindinger
hat ihn für 10 Mark pro Jahr versorgt. Vorher wurden die
Waschenbacher Ziegen wahrscheinlich nach Nieder-Ramstadt geführt.
1884 bekam Peter Kindinger immer noch 10 Mark. 1927 erhielt
Philipp Schneider II eine Entschädigung von 70 Mark. Bei ihm
stand der Bock bis nach dem 2. Weltkrieg. Für den damaligen
Bürgermeister von Waschenbach war es immer eine besondere
Pflicht, einen leistungsfähigen Ziegenbock zu ersteigern.
Noch
1913 zahlte Waschenbach 300 Mark an Nieder-Ramstadt
„für
die Mitbenutzung des Faselviehs“, worunter wohl der
Zuchteber zu verstehen war.
Wahrscheinlich mit dem
Übergang zur völligen Selbständigkeit hatte
Waschenbach nicht nur einen eigenen Bürgermeister, sondern
auch einen eigenen „Watz“. Dieser stand bei Johannes
Poth II auf dem Hofgut, und die Gemeinde zahlte dafür 500
Mark (denselben Betrag erstattete die Gemeinde übrigens auch
dem neuen Bürgermeister Philipp Schneider II als
Aufwandsentschädigung). 1924 erhielt Johannes Poth II nur
noch 400 Mark (das Geld hatte nach der Inflation 1923 einen
höheren Wert). Den gleichen Betrag bekam 1927 Peter Krämer,
der den Zuchteber übernommen hatte. Den Ziegenbock hielt in
diesem Jahr Philipp Schneider II für 70,- Mark (Dort stand er
noch ca. 20 Jahre später).
Waschenbach
auf der Jagd
Der
Gedanke ist gewöhnungsbedürftig, dass sich die Gemeinde
um das Fangen und sogar Töten von Tieren kümmern musste,
um Schaden abzuwenden. Jedenfalls
bekam 1855 Georg Eichhorn aus Ober-Beerbach 150 Gulden für
das „Wegfangen
von Maulwürfen“.
1910
legte Polizeidiener Becker Mäusegift, und 1912 erhielt
Jagdpächter Joh. Rau aus Ober-Ramstadt 25 Mark, weil er 8
Raben, 4 (Eichel-)Häher und 5 Eichhörnchen erlegt hatte.
1914 war sein Erfolg noch größer: 8 Eichhörnchen,
14 Raben, 8 Häher.
Auch
Forstwart Georg Roß aus Nieder-Ramstadt war 1913
erfolgreich: Für das Erlegen von 51 Eichhörnchen, 3
Raben und 6 Hähern zahlte die Gemeinde 25 Pfennig das Stück,
also zusammen 15 Mark.
Bedürftige
und Fürsorge
Im
19. Jh. gab es in Deutschland noch nicht das soziale Netz wie
heute. Arme und Kranke kamen oft in schwierige Situationen.
Vielfach war die Gemeinde „Auffangstation“. Hier
einige Beispiele:
1844 war die arme Ehefrau des Jakob
Becker gestorben. Waschenbach sprang für die Kosten ein:
für
Sarg 5 Gulden zum Friedhof nach Nieder-Ramstadt fahren 0.4
Gulden Beerdigungskosten 7.44 Gulden
Im
gleichen Jahr war der Ortsdiener Georg Müller in Not geraten,
weil sein Wohnhäuschen eingestürzt war. Er bekam
unentgeltlich einen Kiefernstamm. Der „arme“ Adam
Müller erhielt „allerlei Holz unentgeltlich“,
weil seine Frau sehr krank dalag. Nicht näher bezeichnete
Unterstützung gab es
1879
für Hilfsbedürftige 81,63 Mark 1904 für
Christine Dieter 52,- Mark.
Oft
musste sich die Gemeinde um den Transport kranker Menschen
kümmern:
1887 Polizeidiener (Justus) Keller erhielt
3,- Mark für die Begleitung der Maria Dietz (Ortsstraße
32) nach Heppenheim 1907 Überbringung der Eheleute Georg
Stephan in die „Provinzial Pflegeanstalt Eberstadt“
kostete 160,- Mark
Häufig haben sich auch
Waschenbacher Bürger engagiert, die dafür von der
Gemeinde eine Entschädigung erhielten:
1850
Adam Dieter II für Verköstigung (2 Monate) seines
Bruders Philipp 6 Gulden 1851 Adam Stephan für die
Verpflegung und Erziehung der unehelichen Kinder Wilhelm
Becker und Konrad Keller 13 Gulden 20 Kreuzer
Das
Armenhaus
Schon
früh gab es in Waschenbach auch eine dauerhafte Einrichtung
zur Unterbringung der Armen, das Armenhaus. Es wurde 1827 gebaut
„mitten
auf der Straße mit einer Doppelhaustür“. Es stand
auf dem heutigen „freien Platz“ vor dem Waschenbacher
Hof. 1849 musste die damals vorhandene Trauerweide mit einer
Kiefernstange für 14 Kreuzer gestützt werden. Am
9.12.1908 ist das Armenhaus abgerissen worden. Die letzten
Bewohner waren Georg Stephan („blind“)
und Christine Dieter, „Raths
genannt“, wie Jakob Krauß vermerkte. Dazu passt eine
Erinnerung von Elfriede Kauer an ihren Opa Philipp Schneider II:
„Im
Armenhaus wohnte die alte Frau Raths. Zum Bettgehen entkleidete
sie sich bis aufs Hemd. Das hatten die jungen Burschen um Philipp
Schneider II mitbekommen. Sie nutzten die Gelegenheit, um Frau
Raths mit Brühe der roten Beete aus einer Luftpumpe zu
bespritzen“.
Es verblieben einige Jahre der
Dorfbrunnen und die Weide. Hans Adam (Ortsstraße 17)
erinnert sich, dass in seiner Jugend das Wasser des Brunnens
eifrig genutzt wurde: „Die
Frauen holten es für die Küche, die Männer für
den Stall und das Vieh“.
1926
wurde an dieser Stelle ein Kriegerdenkmal
gebaut.
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Autor: Dr.
Heinz Schuchmann



Das
Armenhaus in der Ortsmitte mit Dorfweide und Dorfbrunnen
(etwa 1908). Rechts das Haus Ortsstraße 17 der Familie
Adam.

Das
Kriegerdenkmal auf dem Standort des ehemaligen Armenhauses

Der
Klockert im Frühling 2009 mit dem Waschenbacher
Industriegebiet im Vordergrund
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