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Geschichte Waschenbach

Stand: 12.07.2011

 

 

 


 

Obrigkeitliches

Großherzöge und Untertanen

Seit 1806, als Deutschland unter „leichtem“ Zwang Napoleons neu geordnet wurde, hatte Hessen-Darmstadt einen Großherzog. Aus dem Landgraf Ludwig X war der Großherzog Ludwig I geworden und das Großherzogtum war dem Rheinbund (mit Bayern, Württemberg, Sachsen und vielen anderen) beigetreten.

Großherzöge gab es bis 1918:

1806 – 1830 Ludwig I
1830 – 1848 Ludwig II
1848 – 1877 Ludwig III
1877 – 1892 Ludwig IV
1892 – 1918 Ernst Ludwig

Männliche Ortsbürger mussten dem Großherzog „huldigen“. In der neuen Verfassung von 1820 hieß es:

Alle Staatsbürger sind bei Ansässigmachung und bei der Huldigung verbunden, folgenden Eid abzulegen: „Ich schwöre Treue dem Großherzog, Gehorsam dem Gesetze und Beachtung der Staatsverfassung“.

Viele Jahre mussten bei der Huldigung zwei Feuereimer gestiftet werden. Noch 1895 bei seinem Dienstantritt huldigte z.B. Lehrer Lortz (*1861). Die letzte Huldigung hat 1912 stattgefunden, und zwar durch Adam Müller IV (1889 – 1945) aus der Waschenbacher Mühle.

Die Verpflichtung zum Feuereimergeld setzte sich übrigens auch ohne Großherzog noch einige Jahre fort, obwohl es schon längst Feuerspritzen und eine Freiwillige Feuerwehr gab. Sogar in den 1930er Jahren finden sich im Kassenbuch der Gemeinde noch dementsprechende Einnahmen. Bei ihrer Hochzeit mit jeweils 4,- Mark zur Kasse gebeten wurden

1933 Philipp Poth sen.
1934 Heinrich Brückmann, Andreas Adam IV

Über die Huldigung hinaus spielten die Großherzöge in der Gemeinde eine ständige Rolle. Wohl mehr oder weniger freiwillig musste sich der Ort an diversen Ereignissen auch finanziell beteiligen. So wurde von 1841 bis 1844 das „Monument seiner königlichen Hoheit des verstorbenen Großherzogs Ludwig I“ errichtet („Langer Ludwig“); das kostete Waschenbach 8 Gulden. 1859 leistete man seinen „Beitrag zur Silbernen Hochzeit des Großherzogs und der Großherzogin“ (Ludwig III und Wilhelmine) mit 12 Gulden. 1873 kostete die „25jährige Jubiläumsfeier seiner königlichen Hoheit des Großherzogs“ 10 Gulden.

Dass Hessen-Darmstadt seit 1871 ein Staat des Deutschen Reichs war, merkte Waschenbach spätestens 1872, weil es sich an der „Errichtung eines Nationaldenkmals auf dem Niederwald“ mit 5 Gulden beteiligen musste.

Soldaten und Kriege

Der Staat griff auch in den Haushalt der Gemeinde ein, wenn es galt, Soldaten und Kriege zu finanzieren. Von 1793 bis 1797 führten Preußen (mit seinen hessischen Verbündeten) und Österreich einen Krieg gegen Frankreich, genauer gesagt die französische Revolutionsarmee. Es ging um die Wiedereinrichtung der Monarchie in Frankreich und um die Staatsgrenze, die aus französischer Sicht der Rhein war.

An den Kriegskosten war Waschenbach direkt beteiligt. So musste z.B. 1 Simmer Kartoffel (32 Liter) für die Festung Mainz bezahlt werden (28 Kreuzer). Auch Lichter und Öl für die Offiziersmesse belasteten den Haushalt. Dem (Johann) Georg Poth vom Hofgut (Ortsstraße 38) wurden 3 Gulden erstattet, weil er 4 Wochen lang preußischen und sächsischen Offizieren Quartier gegeben hatte. Die Gemeinde musste auch für „Bagagefahrten“ (Gepäcktransport) z.B. von Eberstadt nach Mannheim aufkommen.

In der Schlacht von Valmy am 20.9.1792 errang Frankreich bereits einen frühen Sieg. In der Folge kamen französische Besatzungstruppen bis nach Hessen-Darmstadt. 1795 schlossen Preußen (und Deutschland) einen Separatfrieden. Dieser wirkte sich auch in dem Waschenbacher Kassenbuch aus, denn 1796 waren für
durch Invasion der Franzosen verursachten Kriegskosten 4882 Gulden und 234 Kreuzer“ zu zahlen.

1859 entschädigte die Gemeinde „Johannes Poth und Konsorten“ mit 10.48 Gulden, weil diese „Quartier und Verpflegung für Militär und liegende Mannschaften“ bereitgestellt hatten. Auch 1860 musste Waschenbach 20 Gulden für „im Feld stehende Soldaten“ aufbringen. Den gleichen Betrag kosteten 1866 die vier Waschenbacher Soldaten, die im „Deutschen Krieg“ eingesetzt waren (Hessen auf Seiten des Deutschen Bundes mit Österreich gegen Preußen und viele norddeutsche Staaten). Der Krieg endete in der Schlacht bei Königsgrätz mit einer Niederlage des Deutschen Bundes, Philipp Merz von der Ortsstraße 19 hat sein Leben verloren.

Der deutsch-französische Krieg 1870/71 kostete Waschenbach 96.57 Gulden. Bei diesem Krieg war u.a. Sergeant Johannes Keller beteiligt, der mit 20 Gulden unterstützt wurde.

Autor:
Dr. Heinz Schuchmann






Großherzog Ludwig IV



Großherzog Ernst Ludwig