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Obrigkeitliches
Großherzöge
und Untertanen
Seit
1806, als Deutschland unter „leichtem“ Zwang Napoleons
neu geordnet wurde, hatte Hessen-Darmstadt einen Großherzog.
Aus dem Landgraf Ludwig X war der Großherzog Ludwig I
geworden und das Großherzogtum war dem Rheinbund (mit
Bayern, Württemberg, Sachsen und vielen anderen) beigetreten.
Großherzöge gab es bis 1918:
1806 – 1830 Ludwig I 1830
– 1848 Ludwig II 1848 – 1877 Ludwig III 1877 –
1892 Ludwig IV 1892 – 1918 Ernst Ludwig
Männliche
Ortsbürger mussten dem Großherzog „huldigen“.
In der neuen Verfassung von 1820 hieß es:
Alle
Staatsbürger sind bei Ansässigmachung und bei der
Huldigung verbunden, folgenden Eid abzulegen: „Ich schwöre
Treue dem Großherzog, Gehorsam dem Gesetze und Beachtung der
Staatsverfassung“.
Viele Jahre mussten bei der
Huldigung zwei Feuereimer gestiftet werden. Noch 1895 bei seinem
Dienstantritt huldigte z.B. Lehrer Lortz (*1861). Die letzte
Huldigung hat 1912 stattgefunden, und zwar durch Adam Müller
IV (1889 – 1945) aus der Waschenbacher Mühle.
Die
Verpflichtung zum Feuereimergeld setzte sich übrigens auch
ohne Großherzog noch einige Jahre fort, obwohl es schon
längst Feuerspritzen und eine Freiwillige Feuerwehr gab.
Sogar in den 1930er Jahren finden sich im Kassenbuch der Gemeinde
noch dementsprechende Einnahmen. Bei ihrer Hochzeit mit jeweils
4,- Mark zur Kasse gebeten wurden
1933 Philipp Poth sen. 1934
Heinrich Brückmann, Andreas Adam IV
Über
die Huldigung hinaus spielten die Großherzöge in der
Gemeinde eine ständige Rolle. Wohl mehr oder weniger
freiwillig musste sich der Ort an diversen Ereignissen auch
finanziell beteiligen. So wurde von 1841 bis 1844 das „Monument
seiner königlichen Hoheit des verstorbenen Großherzogs
Ludwig I“ errichtet („Langer Ludwig“); das
kostete Waschenbach 8 Gulden. 1859 leistete man seinen „Beitrag
zur Silbernen Hochzeit des Großherzogs und der Großherzogin“
(Ludwig III und Wilhelmine) mit 12 Gulden. 1873 kostete die
„25jährige Jubiläumsfeier seiner königlichen
Hoheit des Großherzogs“ 10 Gulden.
Dass
Hessen-Darmstadt seit 1871 ein Staat des Deutschen Reichs war,
merkte Waschenbach spätestens 1872, weil es sich an der
„Errichtung eines Nationaldenkmals auf dem Niederwald“
mit 5 Gulden beteiligen musste.
Soldaten
und Kriege
Der
Staat griff auch in den Haushalt der Gemeinde ein, wenn es galt,
Soldaten und Kriege zu finanzieren. Von 1793 bis 1797 führten
Preußen (mit seinen hessischen Verbündeten) und
Österreich einen Krieg gegen Frankreich, genauer gesagt die
französische Revolutionsarmee. Es ging um die
Wiedereinrichtung der Monarchie in Frankreich und um die
Staatsgrenze, die aus französischer Sicht der Rhein war.
An
den Kriegskosten war Waschenbach direkt beteiligt. So musste z.B.
1 Simmer Kartoffel (32 Liter) für die Festung Mainz bezahlt
werden (28 Kreuzer). Auch Lichter und Öl für die
Offiziersmesse belasteten den Haushalt. Dem (Johann) Georg Poth
vom Hofgut (Ortsstraße 38) wurden 3 Gulden erstattet, weil
er 4 Wochen lang preußischen und sächsischen Offizieren
Quartier gegeben hatte. Die Gemeinde musste auch für
„Bagagefahrten“ (Gepäcktransport) z.B. von
Eberstadt nach Mannheim aufkommen.
In der Schlacht von
Valmy am 20.9.1792 errang Frankreich bereits einen frühen
Sieg. In der Folge kamen französische Besatzungstruppen bis
nach Hessen-Darmstadt. 1795 schlossen Preußen (und
Deutschland) einen Separatfrieden. Dieser wirkte sich auch in dem
Waschenbacher Kassenbuch aus, denn 1796 waren für „durch
Invasion der Franzosen verursachten Kriegskosten 4882 Gulden und
234 Kreuzer“ zu zahlen.
1859 entschädigte die
Gemeinde „Johannes Poth und Konsorten“ mit 10.48
Gulden, weil diese „Quartier und Verpflegung für
Militär und liegende Mannschaften“ bereitgestellt
hatten. Auch 1860 musste Waschenbach 20 Gulden für „im
Feld stehende Soldaten“ aufbringen. Den gleichen Betrag
kosteten 1866 die vier Waschenbacher Soldaten, die im „Deutschen
Krieg“ eingesetzt waren (Hessen auf Seiten des Deutschen
Bundes mit Österreich gegen Preußen und viele
norddeutsche Staaten). Der Krieg endete in der Schlacht bei
Königsgrätz mit einer Niederlage des Deutschen Bundes,
Philipp Merz von der Ortsstraße 19 hat sein Leben verloren.
Der deutsch-französische Krieg
1870/71 kostete Waschenbach 96.57 Gulden. Bei diesem Krieg war
u.a. Sergeant Johannes Keller beteiligt, der mit 20 Gulden
unterstützt wurde.
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Autor: Dr.
Heinz Schuchmann



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