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Geschichte Waschenbach → Personen

Stand: 12.10.2012

 

 

 


 

Philipp Karl Knecht ( (1879 – 1934)


Philipp Karl Knecht (1879 – 1934) kam 1904 als Lehrer nach Waschenbach und blieb dies bis zu seinem Tod dreißig Jahre später. Kein anderer hat die dörfliche Gemeinschaft im letzten Jahrhundert so geprägt wie er.

Seine Familie

Seine erste Frau Lina kam aus Erfelden, sie war eine Försterstochter. Dort hatte er auch seine erste Anstellung. Von den drei Töchtern starb die jüngste früh, die beiden anderen wuchsen in unserem Ort auf. Die jüngere, Emmi, heiratete Karl Schuchmann („Schulkarl“) aus Nieder-Modau. Die Tochter Lienchen wurde durch Adam Römer aus Reisen zur Schwägerin von Philipp Schneider II, dem Wirt des „Gasthauses Christoph Schneider“. Kein Wunder, dass Knecht dort gerne seinen Schoppen trank. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau heiratete er ein zweites Mal, Emmi aus Bad-Wimpfen.

Seine Aktivitäten

Die damaligen Lehrer wurden gewissermaßen automatisch in das Dorfleben einbezogen, weil es seit 1887 den Gesangverein „Sängerlust Waschenbach“ gab, der einen Dirigenten brauchte. Wer anders als der Dorfschullehrer kam dafür in Frage. Mit seinem Amtsantritt 1904 übernahm er demgemäß das Dirigentenamt bis zum 1. Weltkrieg. Ihm ist letzten Endes auch zu verdanken, dass wir heute noch über die Sängerlust Bescheid wissen, hat er doch auch deren Protokoll aus den früheren Jahren nachgeschrieben und bis 1912 verfasst.

1911 war er die Triebfeder für die Gründung des Turnvereins, dessen Vorsitz er als „1. Sprecher“ übernahm. Eigentlich war er „Mädchen für fast alles“, denn auch das Protokoll ist
meistens von ihm geschrieben worden, Knaben- und sogar Mädchenturnen wurde von ihm betreut, und die Turner hat er mit manchem Schoppen in der Gaststätte Christoph Schneider gesponsert. Von 1919 bis 1924 machte er als Vorsitzender eine Pause, dann führte er aber den Turnverein wieder bis zu seinem Tod.

Seiner Weitsicht ist es zu verdanken, dass es 1925 zur Gründung eines Kohlen- und Sparvereins kam, dessen 1. Vorsitzender er bis 1934 war. Bei diesem Verein handelte es sich praktisch um eine Einkaufsgenossenschaft. Seine Mitglieder erwarben mit ihrem Beitrag Punkte, die einer bestimmten Menge Kohlen, Briketts oder Grundnahrungsmitteln entsprachen. Der Verein bestellte diese, organisierte den Transport und die Auslieferung.

Das Ganze war eine Erfolgsgeschichte. So wurde z.B. 1930 folgende überwältigende Lieferung getätigt:

1100 Z Kohlen
1900 Z Briketts
60 Z Mehl
20 Z Zucker
11 Z Zwiebel

1919 ist er zum Gemeindevertreter gewählt worden. Man kann vermuten, dass er mit seinem Einfluss seine Kollegen davon überzeugt hatte, sich für seinen Verwandten Philipp Schneider II als erstem Bürgermeister zu entscheiden. Sehr wahrscheinlich war Knecht auch in den folgenden Wahlperioden im Gemeinderat, allerdings existieren hierüber keine Unterlagen. 1933 ist eine nochmalige Wahl Knechts protokolliert.

Bei seiner Beerdigung wurde an seinem Grab ein Ehrensalut des Kyffhäuserbundes geschossen. Die Gemeinde Waschenbach legte einen Kranz nieder

Verfasser:
Dr. Heinz Schuchmann




Alle Fotos
aus der Sammlung von
Dr. Heinz Schuchmann



Knecht um 1930



Knecht mit seiner ersten Frau und den

Töchtern Lienchen (rechts) und Emmi