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Geschichte > Waschenbach > frühe Vereine

Stand: 17.11.2011

 

 

 


 

Krieger- und Veteranenverein Nieder-Ramstadt─Waschenbach

Das Kriegervereinswesen ist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgekommen. Ehemalige Soldaten wollten sich gesellig an ihre Dienstzeit im Heer erinnern und dabei ihre patriotische Gesinnung pflegen. In der zweiten Jahrhunderthälfte steigerten die Kriege 1864 (Deutschland – Dänemark um Schleswig-Holstein), 1866 („Deutscher Krieg“ Preußen – Österreich um die Führung im Reich) und 1870/71 (Deutschland – Frankreich) das Interesse an diesen Vereinen.

Ursprünglich gegründet zur Pflege der Geselligkeit, weitestgehend neutral und politisch unabhängig, kümmerte sich in späteren Jahren der Staat um die Gründung und die Zusammensetzung solcher Vereinigungen. Dabei ging es auch um die Beobachtung der aufkommenden Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie! Diese Entwicklung ist bei dem Krieger- und Veteranenverein Nieder-Ramstadt
Waschenbach ebenfalls zu erkennen. Am 23. Oktober 1866 schrieb das Großherzogliche Kreisamt einen Brief an den Großherzoglichen Bürgermeister Herrn Bender in Nieder-Ramstadt, in dem er um die Mitwirkung bei der Gründung eines Vereins gebeten wird.

Darmstadt, am 23% October 1866
Betreffend: Gründung eines Vereins für die Unterstützung von Invaliden und von Hinterbliebenen gefallener Hess. Soldaten vom Feldzug 1866
Das Großherzogliche Kreisamt - Darmstadt
an Großherzoglichen Bürgermeister Herrn Bender in Nieder-Ramstadt

In einem weiteren Brief vom 23. November 1866 wurde Hilfe zur Vereinsführung angeboten. Am 1. Januar 1867 wird dem Bürgermeister mitgeteilt, dass dem Rechner des Vereins 20 Gulden und 59 Kreuzer übermittelt wurden. Der Zweck war unklar. Gleichzeitig wurde Anerkennung für den Erfolg Ihrer Bemühung in dieser Angelegenheit“ ausgesprochen. Es konnte sich nur um die erfolgreiche Vereinsgründung gehandelt haben. Das Datum 1867 steht allerdings im Widerspruch zu der bisherigen Annahme, dass der Verein 1873 gegründet worden sei?!

Im Jahr 1875 hatte der Verein 35 Mitglieder, darunter drei „echte“ Veteranen. Auf Waschenbacher Seite fand sich in den Aufzeichnungen von Jakob Krauß für das Jahr 1876 folgende Notizen über den Verein:

26 Stück Fichten …. Zur Schmückung des Orts bei der Fahnenweihe des Krieger u Veteranenvereins“.

Praktisch in gleicher Zeile wird vermerkt: „Musiker Fischer Ober-Ramstadt 30,- Mark“, der also vermutlich zur Gestaltung des Festes beigetragen hat. In den folgenden Jahren stand der Verein unter ständiger Kontrolle des Großherzoglichen Kreisamts. Immer wollte dieses informiert werden.

1894 ging es sogar „vertraulich“ zu.

Vertraulicher Brief an die Bürgermeister des Kreises

Der weitere Text lautet (fett die Antworten):

Sie wollen uns über die in Ihrer Gemeinde bestehenden Krieger- und Militärvereine berichten.
1. Sitz und Bezeichnung des Vereins
Kriegerverein N RstWaschenbach
2. Zahl der Mitglieder 46
3. Namen des ersten Vorsitzenden und kurzes Urteil über den Vereinsvorstand L. Zeh
4. Zahl der Mitglieder oder Ehrenmitglieder, welche Offiziere a.D.z.D. oder des Beurlaubungsstandes sind
5. Besitzt der Verein eine Fahne und trägt er das Landeswappen auf derselben
besitzt eine Fahne mit Adler
6. Gehört der Verein einem Verband an, und welchem? Hassia
7. Allgemeine Bemerkung über die Haltung des Vereins und Gesinnung der Mitglieder
Die Erledigung dieser Verfügung erwarten wir bestimmt bis zum 10. September d.J.

Die Fragen 3. und 7. zielten eindeutig auf politische Informationen! Bei der Antwort 6. handelt es sich um die „Hessische Kriegskameradschaft Hassia Darmstadt“, einer der Landesverbände der militärischen Vereine im Großherzogtum. Aus dem Jahr 1900 existiert glücklicherweise eine Mitgliederliste des Krieger- und Veteranenvereins, die Aufschluss gibt über die Menschen im Verein.

Der Vorstand setzte sich folgendermaßen zusammen:

1. Zeh Ludwig II. erster Präsident
2. Krug Wilhelm VII. zweiter Präsident
3. Appel Heinrich Rechner
4. Geibel Nikolaus II. Schriftführer

Auch „Beiräthe“ zählten dazu:

5. Spengler Peter III
6. Reitz Johannes II
7. Wagner Georg III

Neben diesem Vorstand waren noch 43 Mitglieder aufgeführt, von denen (nur) zwei aus Waschenbach kamen. Diese Beiden waren:

Justus Keller
Johannes Krauß

Es lässt sich nicht mehr nachvollziehen, welche Motive diese beiden Ortsbürger Mitglieder des Krieger- und Veteranenvereins werden ließen.

1903 wurde das 30jährige Bestehen des Vereins gefeiert. Der Kaiser verlieh eine Fahnenschleife. Dieses Ereignis deckt sich wieder mit dem uns bekannten Gründungsdatum 1873. Die Fahne des Vereins ist erhalten geblieben und auf der Bürgermeisterei Mühltals in Nieder-Ramstadt zu besichtigen. Bis zum Jahr 2008 hat sie der Nieder-Ramstädter Hermann Block aufbewahrt. Dann wurde sie von ihm der Gemeinde als Dauerleihgabe übergeben. Der Vater von Hermann Block war lange Zeit Vorsitzender des Vereins gewesen. Hermann Block hat noch einige Erinnerungen:

In der Gaststätte und Metzgerei Knapp stand der alte Vereinsschrank. Er enthielt u.a. sechs Gewehre, Pokale, die Fahne, … Mit den Gewehren wurde Salut geschossen, z.B. bei Beerdigungen“.

Am Ende des 2. Weltkriegs haben die Amerikaner den Schrank ausgeräumt. Die Fahne wurde am Kühlen Grund von einem Motorradfahrer gefunden und zur Familie Block gebracht. Hermann Block versuchte jahrelang, die Fahne in die Obhut der Gemeinde zu geben. Erst mit der Bürgermeisterin Dr. Mannes hat dies innerhalb von vier Wochen geklappt.

Autor:
Dr. Heinz Schuchmann



Ein Höhepunkt
in der Geschichte des Krieger- und Veteranenvereins Nieder-Ramstadt und Waschenbach:
Einweihung des ortsbildprägenden Monuments zum Gedenken an die Kriegsopfer 1870/71





Übergabe der Fahne des
Kriegervereins Nieder-Ramstadt und Waschenbach (links) im Jahre 2008 an die Gemeinde.
Rechts die gleichzeitig übergebene Fahne des ebenfalls aufgelösten Gesangvereins Harmonie Nieder-Ramstadt.
Im Bild v.l. Hermann Block, Bürgermeisterin Dr. Astrid Mannes und Renate Schließmann.