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Geschichte > Waschenbach > frühe Vereine |
Stand:
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Gesangverein
Sängerlust „Dem Wahren, Guten, Schönen soll unser Lied ertönen“ schlossen sich am 5. (oder 6.) Januar 31 „sangesfrohe Männer“ in dem Männergesangverein Sängerlust zusammen, darunter 17, die auch vier Jahre vorher die Freiwillige Feuerwehr gegründet hatten. Einige von diesen wiederum waren auch an anderer Stelle in das öffentliche Leben eingebunden. Bemerkenswert auch, dass sich in starken Maße die Landwirte eingebracht haben. Aus sieben Bauernhöfen kamen aktive Vereinsmitglieder. Der erste Präsident war sieben Jahre lang bis 1894 Andreas Müller III. Gründungsdirigent war Lehrer Karl Rauch, allerdings nur bis zum November 1887. Er war nach Eschollbrücken versetzt worden, hat aber den Kontakt zu Waschenbach nicht abreißen lassen. Noch beim 25jährigen Jubiläum der Sänger wurde er zum Ehrendirigenten ernannt. Der Vorstand wurde in den ersten Jahren gebildet vom Präsidenten und Dirigenten. Erst ab 1904 gab es einen breiteren Vorstand mit 1. und 2. Vorsitzenden, Rechner und Beisitzern. Weitere Präsidenten bzw. 1. Vorsitzende waren
Nov
1894 – Nov 1895 Wilhelm Geyer
Die
Dirigenten wurden ohne Ausnahme von den Waschenbacher Lehrern
gestellt, lediglich Martin Sames stand 1903/04 nicht zur
Verfügung. Wahrscheinlich waren die Lehrer auch als
Schriftführer tätig. Die Originalprotokolle der ersten
Jahre sind nicht mehr vorhanden, aber 1895 hat Georg Lortz die
vorherigen Jahre nachgeschrieben, danach bis 1912 schrieb Philipp
Karl Knecht die Protokolle. Wahrscheinlich ging dann sein
Interesse am Gesangverein verloren, weil er 1911 eine neue „Liebe“
gefunden hatte, nämlich den Turnverein. Nur in dessen
Protokollen kann man noch spärliche Hinweise auf die Sänger
finden.
Nieder-Ramstadt:
Harmonie (1888), Freudschaft (1899)
Bemerkenswert
ist, dass auch zwei Schleifen aus den Jahren existieren, zu denen
die Sängerlust längst in den Turnverein aufgegangen war:
Zum 25jährigen Jubiläum der Harmonie Ober-Ramstadt am
5./6./7. Juli 1924 und zum 60jährigen Jubiläum des
Liederkranzes Frankenhausen am 27./28. Juni 1925. Es ist
unwahrscheinlich, dass ein Männerchor aus Waschenbach
aufgetreten ist. Seit vor dem 1. Weltkrieg sind keine Aktivitäten
mehr bekannt, es gab keinen Dirigenten mehr. Eher hat der
Turnverein 1911 die Feste der Sänger besucht, von denen er
eine Erinnerungsschleife mitbrachte. „Gewidmet zum 25jährigen Jubiläum von Frauen und Jungfrauen Waschenbachs 1887 – 1912.
Das
Jubeljahr Die Fahnenweihe wurde praktisch ein Jahr lang begangen. Schon am 19. Januar gab es eine Abendunterhaltung mit Gesang und mehreren Theaterstücken. Es wurde gleichzeitig des 25. Jahrestages der „Errichtung des Deutschen Kaiserreichs“ gedacht. Am 16. Februar (Fastnachtssamstag) fand eine 2. Abendunterhaltung statt mit neuen Theateraufführungen. Darbietungen von Liedern waren inbegriffen. Eine 3. Abendunterhaltung gab es noch am 6. April (Ostersonntag). Auch der Ausflug an Pfingsten nach Frankenhausen stand im Zeichen der Fahnenweihe. Das große Fest selbst war vom 13. bis 15. Juni. Zum Abschluss des Jubeljahres gab der Verein am 1. November (Reformationstag) noch ein Konzert in der Kirche zu Nieder-Ramstadt, „eine Glanzleistung“, wie Lehrer Knecht im Protokoll vermerkt hatte. Die Fahne Die Bonner Fahnenfabrik hat die Fahne angefertigt. In einem Vertrag vom 8. März wurde deren Ausführung genau festgelegt. Sie sollte die Inschrift tragen „In Freud und Leid zum Lied bereit“ Weiter hieß es beispielsweise: In der Mitte ein in echter Seide gestickter, mit den Flügeln schlagender und schwimmender Schwan, auf seinem Rücken eine aus halbechtem Gold (nicht imitiert Gold) gestickte Lyra tragend, umgeben von einem in natürlichen Farben und aus echter Seide gesticktem Eichenkranz, dessen Blätter in mannigfachen Schattierungen ausgeführt sein müssen und wozwischen sich goldgestickte Eicheln befinden. Und „Die Fahne muß 1½ m lang und 1⅓ m breit werden.“ Sogar eine Konventionalstrafe von 5 Mark/Tag bei verspäteter Lieferung war vereinbart worden. Die Kosten der Fahne beliefen sich auf 290,- Mark. Eingetroffen war sie am 7. Mai. Im Juli 2009 hat der Autor einen Hinweis auf vergessene Instrumente des Spielmannszugs bekommen, die sich in einem Schrank auf dem Speicher der ehemaligen Schule befinden könnten. Der Tipp war ein Volltreffer. Die Freude war jedoch umso größer, als auch dabei die alte Fahne der Sängerlust Waschenbach wiederentdeckt wurde: Etwas vermodert, etwas von Motten angegriffen, aber in allen Einzelheiten noch so, wie 1896 beschrieben. Wer mag sie an diesen Ort gerettet haben? Das Fest „Der ganze Ort war tatsächlich auf das Prächtigste geschmückt, von Anfang bis Ende in einem herrlichen Fichtenhain. Den Höhepunkt erreicht die Schmückung bei den drei …. Ehrenpforten“. Der Programmablauf war:
Fackelzug
und Böllerschießen samstagsabends 9½ Uhr
Reden
Patriotische
Reden wurden gehalten. Die Begrüßungsrede hielt Andreas
Müller III anstelle seines „leidenden“ Vaters,
des Gründungspräsidenten. Fräulein Christine Adam
hielt eine Rede zur Weihe und machte die Übergabe. Für
die eigentliche Festrede war Pfarrer Weigel aus Nieder-Ramstadt
gewonnen worden. Mit dem Erscheinen des Turnvereins 1911 und dem groben Einschnitt des 1. Weltkriegs ist den Sängern wahrscheinlich die Begeisterung an organisierter Vereinsaktivität abhanden gekommen. Im Turnverein hat ihre Tradition noch lange nachgelebt. |