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Landschaft
und Gemeinde im Odenwald
Das
Mühltal ist der untere Abschnitt des Tales der Modau
(Gewässer II. Ordnung), bevor sie mit dem Mühltaler
Gemeindegebiet am Kühlen Grund gleichzeitig den Odenwald
verläßt und in die Tiefebene des Oberrheins eintritt.
Dieser Abschnitt des Modautals hat als „Mühltal“
seinen Namen von den zahlreichen Standorten ehemaliger
Getreidemühlen und anderen Handwerken und Manufakturen, die
ihre Betriebsenergie aus der Wasserkraft der Modau und deren
Zuflüssen in diesem Talabschnitt bezogen. All diese
Betriebe suchten ihren Standort entlang der Fließgewässer
von Modau, Mordach, Beerbach und Waschenbach, weil Wasserstände,
Strömung und Gefälle ganzjährig günstige
Energiegewinnung gewährleisteten. . Das Mühltal
mit seinen Nebentälern umfaßt den Naturraum des
nordwestlichen Odenwaldes, erschlossen durch die A 5 (Ausfahrt
27 Darmstadt-Eberstadt/.../Mühltal), die Bundesstraßen
426 (Gernsheim am Rhein – Obernburg am Main) und 449
(Darmstadt - Mühltal), Landes- und Kreisstraßen,
ÖPNV-Linien in alle Richtungen sowie die Odenwaldbahn
(Haltepunkt Mühltal).
Die
Gemeinde Mühltal
. . . in
Hessen, Landkreis Darmstadt-Dieburg, ist durch
Hessisches Landesgesetz am 1.1.1977 aus 4, ursprünglich 5
selbständigen Gemeinden gebildet worden, nämlich aus
Nieder-Ramstadt, Traisa, Nieder-Beerbach, Frankenhausen und
Waschenbach, die naturräumlich und wirtschaftlich der
Landschaft des Mühltals zuzuordnen sind.
Neben
diesen geschlossenen Ortschaften werden heute außerdem die
Siedlungen Trautheim und Mordach als „Ortsteile“
genannt, die auf dem damaligen Gemeindegebiet Nieder-Ramstadts
entstanden waren. Nur Trautheim ist „Ortsbezirk“ im
Sinne der Gemeindeverfassung mit einem Ortsbeirat, während
dem Weiler Mordach das Erfordernis einer örtlichen
Gemeinschaft fehlt und folglich nominell, aber formal kein
Ortsbezirk im Sinne des Gesetzes ist.
Die
„Kernstadt Mühltal“
. . . gibt
es nicht. Nieder-Ramstadt ist zwar der Verkehrs-, Verwaltungs-
und Wirtschafts-Schwerpunkt der Gemeinde Mühltal.
Nieder-Ramstadt ist auch die einwohnerstärkste Ortschaft
(rd. 6000), hat jedoch keinen Kern von gewerblichen, sozialen
oder kulturellen Konzentrationen, durch den es die anderen Orte
dominieren könnte.
Eine
örtliche Gemeinschaft im Mühltal
. . .
ist
angesichts fehlender
Integrationsfaktoren (kommunikationsfördernde zentrale
Einrichtungen, innerstädtische Einkaufszone, gemeinsame
Schulen usw.) nur schwach ausgeprägt, von
bürgerschaftlicher Zusammenarbeit in einigen ideellen
Vereinen abgesehen. Örtliches Gemeinschaftsleben spielt
sich nach wie vor in den ehemals selbständigen Gemeinden
ab. Seine Strukturen wurden durch die Bildung der neuen Gemeinde
nur gering beeinträchtigt.
Das
Gewerbe- und Dienstleistungsangebot
. . . ist
in den Orten und in den Branchen unterschiedlich ausgeprägt.
Medizinische Versorgung, die Angebote von Dienstleistungen,
Einzelhandel und Handwerk entsprechen wohl nur knapp dem
Standard einer 15000-Einwohner-Gemeinde. Nach älteren
Untersuchungen decken die Mühltaler nur rund 40 v.H. ihres
Bedarfs an Verbrauchsgütern des nichttäglichen Bedarfs
in der eigenen Gemeinde.
Der historische
Gewerbeschwerpunkt Nieder-Ramstadt hat seit den 1960er Jahren an
Gewicht verloren, seit die Gemeinde der großen Nachfrage
nach Erschließung von Wohnbauland in den attraktiven Lagen
des Mühltals nachgab und dem den Vorzug vor der Schaffung
von Siedlungsflächen für Gewerbe nachgab. Die Zahl von
Arbeitsstätten hat folglich bei weitem nicht mit dem
Anstieg der Einwohnerzahl Schritt gehalten.
Im Süden
Nieder-Ramstadts, von allen anderen Ortschaften des Mühltals
gut erreichbar, haben sich in jüngerer Zeit eine Reihe von
Supermärkten und Gewerbebetrieben angesiedelt, die die
Palette des Waren- und Dienstleistungsangebotes deutlich
verbessern, wenn auch – wie häufig anderenorts auch –
zu Lasten des Einzelhandelsangebotes im Ortskern.
Der
hohe Wohn- und Erholungswert
. . . des
Mühltales resultiert vor allem aus der günstigen
Verkehrslage am Rande des Rhein-Main-Ballungs- und
Wirtschaftsraumes, aus der Nähe und er guten Erreichbarkeit
der Großstädte im Rhein-Main-Gebiet und das alles in
Verbindung mit der reizvollen Odenwaldlandschaft. Eine nicht
gerne gesehene Folge dieser Attraktivität unserer
Wohnlandschaft sind die ausufernd hohen Immobilienpreise in
einzelnen Ortslagen.
Den Erholungswert schätzen
traditionell Naherholungssuchende aus dem umgebenden Großstädten
und dem Ballungsraum. Das Bettenangebot der
Beherbergungsbetriebe und entsprechende Infrastruktur reichen
zwar nicht aus, Mühltal als Fremdenverkehrsgemeinde zu
bezeichnen. Doch gibt es einige viel besuchte Ziele, voran die
Burg Frankenstein, und Einrichtungen für Rehabilitation
oder Pflege, voran die Nieder-Ramstädter Diakonie, die
Fachklinik für Suchtkranke, die Hessische Landesschule des
Deutschen Roten Kreuzes und andere Sozialeinrichtungen von
überörtlichem Einzugsgebiet.
Die gerade im
Mühltal abwechslungsreiche Mittelgebirgs-Landschaft ist
teilweise anspruchsvolles Wandergebiet dank der intakten Natur
und des angenehmen Klimas nahe der Bergstraße
(„Deutschlands Riviera“). Seit 2006 gibt es einen
Lehrpfad des Unesco-Geoparks Bergstraße-Odenwald, der über
die siebenhundertjährige Wirtschaftsblüte dank der
großen Zahl von Wasserkraftbetrieben informiert, wie sie
in dieser Dichte kaum anderswo zu finden ist. Der Wanderweg wird
von Wandergruppen aus der Region rege angenommen.
Schließlich
macht die geografische Lage in einem Kreis geschichtsträchtiger
Großstädte sowie sehenswerter Kulturobjekte von
internationalem Ruf das Wohnen im Mühltal so begehrt –
natürlich auch das große Arbeitsstättenangebot
im leicht erreichbaren nahen Ballungsraum.
Das
Bildungsangebot
. . .
beschränkt sich auf Grund- und Sonderschulen sowie
Fortbildungseinrichtungen. Ein weiterführendes allgemeines
Schulangebot besteht nicht – schwer verständlich in
einer 15.000-Einwohner-Gemeinde.
Sport
und Kultur
. . . im
Mühltal liegen weitgehend in der Hand von ideellen
Vereinen. Sie sind teilweise auch Träger von Sportstätten.
Sie sind für Fremdenverkehrswerbung schwerlich geeignet,
weil öffentlich nicht zugänglich, anders als das
beheizte Freibad in Trainee. Amateursport, Chorgesang,
Ladenspiel, Karneval, Laienkunst und Kunsthandwerk stehen im
kulturellen Angebot von Vereinen, Kirchen und freien Gruppen im
Vordergrund.
Die Wackerfabrik bietet eine breit
gefächerte Ansammlung div. Kunst- und Kulturschaffens.
Daneben bestehen private Galerien.
Konfessionell
ist
das Mühltal traditionell protestantisches Gebiet. Die
evangelischen Kirchengemeinden decken sich mit dem Zuschnitt der
ehemaligen bürgerlichen Gemeinden mit Ausnahme einer
„Gebietsabtretung“ von Nieder-Ramstadt an Traisa im
Bereich Trautheims. Nieder-Ramstadt und Waschenbach bilden seit
jeher ein gemeinsames Kirchspiel. Vor allem durch den Zuzug von
Vertriebenen und Flüchtlingen nach dem Krieg ist der Anteil
katholische Einwohner deutlich angestiegen – sie bilden
das traditionelle Kirchspiel mit Nieder-Ramstadt, Traisa und
Waschenbach um die Pfarrkirche St. Michael in Nieder-Ramstadt.
Die katholischen Christen aus Nieder-Beerbach und Frankenhausen
gehören zu Pfarreien außerhalb Mühltals.
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