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Die Geschichte der Schäfer-Orgel |
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Die Zeit in Dieburg |
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Nach Darmstadt erhielt Dieburg als zweiter Ort in Starkenburg eine Orgel, wenn man von Städten in der Umgebung wie Aschaffenburg, Frankfurt, Heidelberg, Mainz und Worms absieht. Wurden dort schon seit dem 13. Jahrhundert nach und nach Orgeln aufgestellt, so ist die erste Orgel in Darmstadt 1569 nachweisbar. Schon 1589 folgte Dieburg: ,,It[em] Peter Jungen dem schlößer so die Orgelbelg getretten zu Lohn entricht 1 f. 4 alb", und wenig später lesen wir von einer Wartungsarbeit: „Item peter dem schlosser die Orgel Belg zu tretten geben 1 f. iiij alb / Item für Schmaltz zu d. Orgel Belck verbraucht wordt[en] zalt liiij alb. Wer diese Orgel wann gebaut hat, ist unbekannt. |
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Der Bau der (damals Dieburger, jetzt Nieder-Ramstädter, d.Red.) Schäferschen Orgel ist durch folgende Unterlagen belegt. Die Stadtrechnung 1722 verzeichnet unter verschiedenen kleinen Ausgaben ,,wegen deß newen Orgel Baueß" 1 fl Lohn ,,einem botten so den Orgelmacher von Hanau an hero abgeholt". In den Notamina zu dieser Rechnung wird vermerkt, Stadtrat und Deputierte der Bürgerschaft hätten „!inferiret, dz gemeine statt nit schuldig wäre dieße und noch andere bevorstehende Cösten wegen der Orgel zu tragen = sondern die Jenige so diese orgel ohn besonnener weiß und ohne vorwissen deß ambts, als statt rath veraccordiret schuldig wären, diese zu tragen". |
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Die Kirche beteiligte sich an den Kosten, denn die Kirchenrechnung von 1723 nennt 60 fl und 39 fl 20 kr als Beiträge zum Orgelbau. In dieser Rechnung wird auch der Name des Orgelmachers genannt. „Orgelmacher schäffer" bekommt am 24.7bris (September) 1723 „für daß Regal in der cappelle zu repariren" vier Gulden. Ein Bauvertrag ist nicht erhalten, so daß die ursprüngliche Disposition nur aus späteren Aufzeichnungen und dem vorgefundenen Bestand erschlossen werden kann. |
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Erst 1812 ist wieder von der Orgel zu hören. Landorgelmacher Gottlieb Dietz aus Zwingenberg notierte, das Pedal der Orgel habe die Register Subbass und Principalbass, ein drittes Register sei bereits vorgesehen, aber noch nicht eingebaut. Er schlug einen Violonbaß für 110 fl vor, den er 1817 einbauen durfte. |
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Ein Inventar der Kirche aus der Zeit um 1821 berichtet, auf dem Orgelstand über dem Haupteingang der Kirche befinde sich ,,die Orgel von 13 Registem mit 3 Bälgen und zwei kleine Bänke, in der Orgel selbst 2 Schränke zum Aufbewahren der Instrumente und Musicalien". Am Rand ist vermerkt: ,,verziert mit Figuren und Bildnüssen die angestrichen und zum Theil vergoldt sind". Beigefügt ist eine Auf- stellung von Musikinstrumenten. |
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Als die Kirche 1844 eine neue Orgel von Bernhard Dreymann aus Mainz erhielt, wurde die Schäfersche Orgel an die Kirchengemeinde Lengfeld für 300 fl verkauft. |
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Die Zeit der Schäfer-Orgel in Lengfeld |
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Die alte Kirche in Lengfeld war seit 1698 Sirnultankirche, wurde also von der reformierten und der katholischen Gemeinde gemeinsam benutzt. 1738 wurde oberhalb der beiden über einander liegenden Emporen noch eine weitere ,,Borbien oder Stand für die ledige, immer stärcker werdende Personen" aufgerichtet, ,,worauf auch die zu größerem Lob und Ehr Gottes bereits angeschaffte Orgel zu stehen kam". |
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Diese Vorgängerin der Schäfer-Orgel wurde beim Neubau der Kirche 1771- 80 übernommen. Sie gehörte der katholischen Gemeinde, wurde also von dieser auch allein benutzt. 1826 schaffte die evangelische Gemeinde eine eigene Orgel an, ein Werk von Gottlieb Dietz aus Zwingenberg, so daß die Kirche nun zwei Orgeln hatte. Das änderte sich auch nicht, als die seit 1738 vorhandene Orgel der katholischen Gemeinde 1844 durch die Schäfer-Orgel aus Dieburg ersetzt wurde. Die beiden Orgeln standen neben einander auf der Empore bis 1965, was durch ein Bild belegt ist. |
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Zu unbekannter Zeit muß die Disposition durch Orgelbauer Heinrich Bechstein aus Groß-Umstadt verändert worden sein, der 1813 auch eine Veränderung der Dietz- Orgel plante. Das Auswechseln der ursprünglich mit Sicherheit vorhandenen Mixtur gegen ein Cornett, das 1919 notiert wurde, ist ein unverwechselbares Kennzeichen für seine Arbeit und laßt sich an vielen anderen Orgeln nachweisen. Bei dieser Veränderung dürften auch das innenstehende Principal 8' und die Gambe 8' eingebaut worden sein. |
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Von der 1917 vom Staat vorgeschriebenen Ablieferung der Prospektpfeifen als Material für die Rüstung blieb die Orgel teilweise verschont, so daß sie wie nur wenige Denkmalorgeln noch über die originalen Prospektpfeifen des Manualregisters Prinzipal 4' verfügt. |
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1919 wurde zum ersten Mal die Disposition der Orgel aufgezeichnet. Sie lautete: |
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Kornett
3fach |
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1963 zeigten die Registerzüge noch die gleiche Disposition in folgender Anordnung der Registerzüge: |
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(Salicional
8') |
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Prospektregister waren Octav 4' und Principalbass 8'. Umfang des Manuals C-c''', wovon Cis nur als Taste vorhanden war. Das Pedal hatte den Umfang C D - d° (14 Töne). Der Manualumfang entspricht den Gepflogenheiten der Bauzeit, auch J.S.Bach rechnete mit keinem anderen. Klein ist der Umfang des Pedals, andere Orgeln Schäfers hatten einen größeren mit 17 oder mehr Tasten. Für den Pedalumfang gab es damals keine Norm. Allgemein baute man in Süddeutschland aber kleinere Pedale als in Norddeutschland, weil das Pedal hier nicht solistisch, sondern ausschließlich als Baßfundament benutzt wurde. Von der Pedalposaune waren noch Köpfe und Stiefel vorhanden, die Becher fehlten. Die Orgel hatte damals noch das originale Pfeifenwerk mit Ausnahme der Gambe, denn das Cornett stellte Bechstein in der Regel aus vorhandenen Registern (Ouinte 3', Oktave 2', Terz und Mixtur) zusammen. |
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Und ihre Zeit in Nieder-Ramstadt |
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Bei der Aufstellung der Orgel in Nieder-Ramstadt durch die Lübecker Firma Kemper wurde nicht nur die vorhandene Disposition verändert, sondern auch das Pedal erweitert und ein zweites Manual vorgesehen, das 1973 eingebaut wurde, und wofür eine wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert stammende Schleiflade verwendet wurde. Die geplante Erweiterung hatte es schon 1965 nötig gemacht, die Mechanik neu anzulegen, so daß damals auch die Klaviaturen verlorengingen und von der Mechanik lediglich das Wellenbrett mit Wellen und Ärmchen übrigblieb. |
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Die Disposition lautete 1988: |
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Hauptwerk.
II.Manual C-c"', 49 Tasten, Cs an cs0
gekoppelt |
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cs'
a° f°cs° A
H ds° g° h° / h"a"...f' ds' /G F Ds
C D E Fs/ |
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Register vom Prospekt an: |
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1.
Principal 4' Ganz im Prospekt, Pfeifen original |
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Quinte 3' und Oktave 2' waren in dem von Bechstein zusammengestellten Cornett erhalten geblieben. Alle Originalpfeifen auf Tonlänge geschnitten. |
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Positiv. I.Manual C-c"', 49 Tasten |
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Windlade unbekannter Herkunft, Bauzeit wahrscheinlich 19. Jahrhundert, hinter dem Orgelgehäuse aufgestellt. 1973 eingebaut. Tonumfang 54 Töne (C-f"), davon jetzt nur 49 Kanzellen benutzt. Tonfolge: C-Gs ganztönig in der Mitte, übrige Töne in Terzstellung. |
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1.
Gedackt 8' Holz und Zink |
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Tremulant |
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cs0 H A G F Ds C / D E Fs Gs B c0 d0 |
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Ergänzungswindlade von 1965 (Kemper) mit 12 Tönen (ds0-d') links neben dem Orgelgehäuse hinter einer Holzwand. Register auf den alten Laden vom Prospekt an: |
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1.
Octavbaß 8' C,D-d0 im Prospekt, Zink, die
übrigen Zink |
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Der untere Gehäuseteil war 1965 um etwa 75 cm verkürzt worden, um die Orgel auf der Empore unterbringen zu können. Die damals noch vorhandenen Teile derPosaune sind nicht erhalten geblieben. |
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Stimmtonhöhe: a' hat 458 Hertz bei 180 C., einen Halbton höher als heute üblich. |
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Die Restaurierung der kaum noch spielbaren, durch die verschiedenen Veränderungen uneinheitlichen Orgel, deren alte Register sich im Klang merklich von den modernen Ergänzungen unterschieden, verfolgte das Ziel, wieder ein einheitliches Instrument zu schaffen, das technisch und klanglich an den erhaltenen Originalteilen orientiert sein sollte. Das bedeutete die Rückführung auf eine einmuanualige Orgel mit einer Disposition, die zwar mangels schriftlicher Unterlagen nicht restlos als authentisch gelten kann, aber doch der überlieferten Praxis Schäfers entspricht. Weil die Pedalmechanik bereits verloren war, schien es zu verantworten, die Pedalerweiterung beizubehalten, auch wenn alle Teile wegen ihrer geringen Qualität neu angefertigt werden mußten. Auch die Stimmtonhöhe (einen halben Ton höher als heute üblich), die Stimmungsart (ungleichstufig mit Begünstigung der Haupttonarten) und die Balganlage (Keilbälge mit Tretvorrichtung) entsprechen wieder dem alten Stand. Damit sind nach heutigem Wissen die optimalen Voraussetzungen für ein dauerhaft funktionssicheres und wohlklingendes Instrument geschaffen. Hinzu kommt die gewissenhafte Ausführung der Arbeit durch die Firma Förster & Nicolaus in Lich, die sich seit langem mit der Restaurierung hessischer Dehkmalorgeln beschäftigt. Zu wünschen bleibt, daß die prächtige Orgel auch in Zukunft immer Spieler und Hörer finde, die sich an ihr erfreuen. |
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